Sozialarbeiter werden Teil des Notruf-Systems in NÖ

Notruf NÖ-Chef Christof Constantin Chwojka, AKUTTeam NÖ-Leiterin Sandra Pitzl, Martina F., die das Service bereits in Anspruch nahm und Landesrat Martin Eichtinger in St. Pölten (v.li.)
Notruf NÖ-Chef Christof Constantin Chwojka, AKUTTeam NÖ-Leiterin Sandra Pitzl, Martina F., die das Service bereits in Anspruch nahm und Landesrat Martin Eichtinger in St. Pölten (v.li.)Bild: Heute/Nittner
2.631 Personen nahmen die Dienste des Akut-Teams NÖ im Jahr 2018 in Anspruch. Künftig wird das Service, das Menschen nach schweren Schicksalsschlägen betreut, in das Notruf-System implementiert.
"Es ist ein völlig neuer Ansatz. Leute sollen genau das bekommen, was sie aktuell in Ausnahmesituationen brauchen", beschreibt Notruf NÖ-Manager Christof Constantin Chwojka das Vorhaben, das unkompliziert die richtige Hilfe bereitstellen soll.

Seit 2001 gibt es das AKUTTeam NÖ, das rund um die Uhr für Menschen, die nach plötzlichen Todesfällen in der Familie, Unfällen oder auch Suiziden seelische Unterstützung brauchen, da ist. 55 psychologische Fachkräfte sind derzeit im Bereitschaftsdienst. Im Jahr 2017 wurde das Service Notruf NÖ unterstellt. "In solchen Situationen ist die Bandbreite an Bedürfnissen sehr groß. Die Mitarbeiter stehen in den Regionen bereit und bieten bis zu sechs Stunden mobile Betreuung. Und das kostenlos", erklärt Landesrat Martin Eichtinger (VP).

Von Tag zu Tag mehr Einsätze

691 Einsätze gab es 2018, eine Steigerung von zehn Prozent – knapp ein Viertel davon nach Todesfällen im häuslichen Bereich, 20 Prozent entfielen auf Betreuungen der Angehörigen nach Suiziden, knapp 13 Prozent nach Unfällen mit Todesfolge im öffentlichen Bereich. Durchschnittlich zwei Mal pro Tag wurde also Hilfe in Anspruch genommen. "Und es wird von Tag zu Tag mehr", so Chwojka. Mai, Juni und September stellten die stärksten Monate dar.

Künftig soll die Sozialarbeit direkt in das Leitstellensystem implementiert werden. Das Projekt gemeinsam mit den Fachhochschulen Krems und St. Pölten läuft. Beim Wählen des Notrufs 144 werden also zuerst die Hilfsbedürfnisse der Anrufer identifiziert, wenn es sich um keinen medizinischen Notfall handelt, sondern um ein soziales Problem, wird man gleich an die passende Stelle weitergeleitet, um zu Sozialarbeitern vermittelt zu werden.

Hard Facts

691 Einsätze im Jahr 2018 (+10%)
2.631 Menschen wurden unterstützt (+9%)
Stärkste Monate: Mai, Juni, September
"144" bei sozialen Problemen

Warum das Ganze? Chwojka spricht von "mehreren 100 Personen", die teils bis zu 100 Mal pro Jahr den Notruf wählen, ohne, dass eine medizinische Notsituation vorliegt. Die Probleme gehen von Einsamkeit über die Angst, nach einem Krankenhausaufenthalt alleine zuhause zu sein, bis hin zu den Herausforderungen, denen sich beispielsweise pflegende Angehörige stellen müssen, wenn der eigene Spitalsaufenthalt bevorsteht. Oftmals sei keine Intervention der Rettung notwendig, man wolle die Personen aber auch nicht unbetreut lassen.

CommentCreated with Sketch.1 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Es handelt sich aber großteils um Situationen, die das Leben binnen einer Sekunde verändern. Wir sprechen von tragischen Todesfällen, Gewaltverbrechen oder schwerverletzten oder toten Kindern. Früher musste der Rettungsdienst vor Ort bleiben, so ist die nahtlose Übergabe vor Ort an ausgebildete Fachkräfte möglich", so Chwojka.

NÖ ist Vorreiter in Europa

"Es handelt sich um eine wichtige Ergänzung des Notrufs, der in Österreich einmalig ist. In keinem anderen Bundesland gibt es so eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung", ergänzt Eichtinger. Auch international erfahre das System große Anerkennung. Künftig soll also alles unter einem Dach vernetzt sein.

Auch Martina F. aus dem Mostviertel nahm das Service bereits in Anspruch. Vor knapp sieben Monaten verlor sie ihren Mann. "Die ganze Familie wurde versorgt, es ging Hand in Hand. Ich konnte rund um die Uhr bei meiner Betreuerin anrufen", so die dreifache Mutter, der wieder auf die Beine geholfen wurde.

I. Nittner (nit)

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