Spinnen bauen im All ihre Netze anders als auf der Erde

Mit rund 27.580 km/h "fällt" die ISS so schnell um die Erde, dass die Fliehkraft sie mehr oder weniger in der Umlaufbahn hält. An Bord merkt man davon aber nichts.
Mit rund 27.580 km/h "fällt" die ISS so schnell um die Erde, dass die Fliehkraft sie mehr oder weniger in der Umlaufbahn hält. An Bord merkt man davon aber nichts.picturedesk.com
Bei Versuchen mit Spinnen im All ist schon einiges schiefgelaufen. Nun hat ein Forscherteam etwas Erstaunliches über die Achtbeiner herausgefunden.

Wenn Spinnen ihre Netze auf der Erde bauen, orientieren sie sich an der Schwerkraft. Sie bauen sie asymmetrisch, das Zentrum ist leicht nach oben verschoben, wo die Spinne mit dem Kopf nach unten auf ihre Beutet wartet. Verfängt sich etwas im Netz, kann die Spinne der Schwerkraft folgend einfacher zur Beute gelangen. Doch was macht die Spinne, wenn sie sich nicht an der Schwerkraft orientieren kann?

Diese Frage wollte die US-Raumfahrtbehörde NASA bereits im Jahr 2008 beantworten, wie jetzt die Universität Basel in einer Medienmitteilung schreibt. Die NASA schickte zwei Spinnen auf die Internationale Raumstation ISS, weil sich diese im freien Fall um die Erde befindet und die Anziehung des Planeten nicht spürbar ist. Damals sei aber einiges gehörig schiefgegangen. So entkam die Reservespinne aus ihrem Behälter auf der Internationalen Raumstation und rang mit der Testspinne um Platz, wie es weiter heißt. Die erhofften Erkenntnisse blieben aus.

Überraschung beim zweiten Versuch

2011 schoss die NASA erneut zwei Spinnen ins All. Diesmal blieben zwei Vergleichsexemplare auf der Erde. Anhand von 14.500 Bildern wurden dann 100 Netze untersucht. Und tatsächlich waren die Netze, die ohne den Einfluss der Schwerkraft gesponnen wurden, symmetrischer als die auf der Erde. Allerdings fiel den Forschern auf, dass dies vor allem im Dunkeln der Fall war. Waren die Lampen an, waren die Netze auf der ISS auch asymmetrisch.

Die Forscher stellten fest, dass sich die Achtbeiner am Licht orientierten. "Dass Licht für die Orientierung der Spinnen im Raum eine Rolle spielt, hätten wir nicht vermutet", sagt Samuel Zschokke von der Universität Basel, der das Spinnenexperiment analysiert und die Ergebnisse mit seinen Kolleginnen im Fachblatt "Science of Nature" veröffentlicht hat.

Weil Spinnen ihre Netze auch auf der Erde im Dunkeln bauen, sei man bisher davon ausgegangen, dass Licht keine Rolle spiele. "Dass Spinnen ein solches Reservesystem zur Orientierung haben, scheint überraschend, da sie im Laufe ihrer Evolution ja nie einer Umwelt ohne Schwerkraft ausgesetzt waren", so Zschokke.

Wie empfinden Spinnen die Schwerkraft?

Spinnen haben nicht die gleichen Sinnesorgane und nicht das gleiche Nervensystem wie Menschen. "Daher stellt sich die Frage, wie Spinnen die Schwerkraft überhaupt wahrnehmen können", analysiert Zschokke gegenüber "20 Minuten". Als mögliche Erklärung verweist er auf die Hypothese: "Spinnen können den Winkel und die Kräfte zwischen Vorder- und Hinterleib messen."

Dies sei eine mögliche Erklärung, wie die Tiere "wissen", wo oben ist und wo unten. "Während dem Netzbau bewegen sich Vorder- und Hinterleib aber dauernd, was diese Messung erschwert. Deshalb könnte es praktisch sein, auch das Licht für die Orientierung nutzen zu können."

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