So lief Geheim-Comeback von Netrebko in Wiener Oper

Gänsehaut in der Corona-Pandemie: Eine erschlankte Anna Netrebko kehrte in die menschenleere Staatsoper zurück. 2020 wird sie – unter Bogdan Roscic – mit den größten Stars der Klassikwelt im Haus am Ring auftreten. 10 Premieren sind geplant – und: Unter Roscic sollen die Preise gesenkt werden!
Schon lange nicht hat sie vor so wenigen Menschen gesungen. Dennoch werden diese Bilder um die Welt gehen. Es war ein Auftritt, der die knapp zwanzig "Zuschauer" zu Tränen rührte: Opernsuperstar Anna Netrebko, nur am Klavier begleitet von Jendrik Springer, sang die berühmte Puccini-Arie "In quelle trine morbide". Alleine auf der großen Bühne der Staatsoper – hinter ihr die 2.300 leeren Sitz-, und Stehplätze.

Präsentation erstmals im ORF

Der Grund: ORF III hat für Sonntag (26. April/Start 21.30 Uhr/ORF III) die Spielplanpräsentation für die Spielzeit 20/21 des neuen Staatsopern-Direktors Bogdan Roscic aufgezeichnet. Da es aufgrund der Corona-Krise nicht möglich ist, diese live vor Publikum abzuhalten, findet sie erstmals im ORF-Fernsehen statt – zu sehen am Sonntag, dem 26. April 2020, um 21.30 Uhr in ORF III.

Neuer Musikdirektor derzeit in Paris

Generalintendant Alexander Wrabetz, selbst großer Klassikfan, machte dies kurzfristig möglich. Der eigentliche, seit Monaten vorbereitete, Plan wäre gewesen, dass Roscic auf der Bühne des Hauses – für alle Interessierten gratis zugänglich – sein Programm vorstellt. Eines seiner Mottos lautet: Oper für alle öffnen. Neben Bogdan Roscic geben auch der designierte Musikdirektor Philippe Jordan, zugeschaltet aus Paris, sowie der künftige Leiter des Wiener Staatsballetts Martin Schläpfer, per Videoschaltung aus Düsseldorf, Einblicke in die kommende Spielzeit. Die Kulturjournalisten Heinz Sichrovsky und Barbara Rett kommentieren mittels Schaltung.

CommentCreated with Sketch. zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. "Donna Anna" sitzt in Wien fest

Anna Netrebko, die wegen der Corona-Pandemie gemeinsam mit ihrem Mann Yusif und Sohn Tiago in Wien festsitzt, hat sich spontan dazu bereiterklärt, die Oper "wieder zu eröffnen" – und sagt gegenüber "Heute": "Als Opernsängerin will man singen, es ist unser Leben. Umso schlimmer und trauriger ist es, wenn man so ein leeres Haus sieht. Mein Auftritt soll den Menschen zeigen, dass wieder bessere Zeiten kommen werden und alles gut wird."

Netrebko: "Liebe Wien"

Sie selbst – dies erfuhr "Heute" – wird ein fixer Bestandteil von Roscic' neuer Intendanz werden. Netrebko selbst möchte der Präsentation am Sonntag noch nicht vorgreifen und umkreist die Faktenlage wörtlich so: "Ich liebe Wien und ich liebe die Wiener Staatsoper und es ist eine Freude, mit Bogdan zu arbeiten, den ich schon sehr lange kenne." Kleines Detail am Rande: Er war einst ihr Plattenchef.

Netrebko hatte 36,4

Der Auftritt und die Aufzeichnung für ORF III fand unter strengsten Corona-Sicherheitsvorkehrungen statt. Neben Mundschutz waren überall Desinfektionsspender aufgestellt. Wie bei allen anderen wurde Anna Netrebko beim Eingang Fieber gemessen – beruhigendes Resultat: 36,4 Grad. Dennoch dürfte die derzeitige Lage an den Nerven vieler zehren. Bogdan Roscic: "Wir alle sehnen den Tag herbei, wenn endlich der erste Takt Musik aus dem Orchestergraben ertönen wird."

Garanca, Kaufmann, Flórez in Wien

Ob tatsächlich im Herbst gesungen werden kann, wird die Regierung (die ja auch Eigentümerin der Staatsoper ist) erst entscheiden. Wie "Heute" zugetragen wurde, sind in der kommenden Spielzeit – wann immer sie auch beginnt – zehn Premieren geplant. Zuletzt waren es nur sechs (plus eine Kinderoper) gewesen. Die Preise sollen merkbar gesenkt werden. In der Saison 2018/19 waren die Preise im Schnitt um fünf Prozent angehoben worden. Ansteigen wird diesmal nur die Künstler-Dichte. Die größten Stars der Klassik-Welt werden unter Bogdan Roscic in Wien auftreten. Neben Netrebko werden dies etwa Elina Garanca, Jonas Kaufmann und Juan Diego Flórez sein.



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