Star-Chirurgin zu Krebs-Implantaten: "Kriminell"

Bild: Reuters

Nach dem Skandal von defekten Implantaten erhebt die bekannte österreichische plastische Chirurgin Dagmar Millesi schwere Vorwürfe. "Das war ein krimineller Akt", sagte die Medizinerin im Interview. Gleichzeitig zeigt sich die Ärztin mit dem neuen vom Gesundheitsministerium geplanten Gesetz zur Schönheitschirurgie - unter anderen zum Schutz von Jugendlichen - zufrieden.

erhebt die bekannte österreichische plastische Chirurgin Dagmar Millesi schwere Vorwürfe. "Das war ein krimineller Akt", sagte die Medizinerin im Interview. Gleichzeitig zeigt sich die Ärztin mit dem neuen vom Gesundheitsministerium geplanten Gesetz zur Schönheitschirurgie - unter anderen zum Schutz von Jugendlichen - zufrieden.

Nach der Zertifizierung der Implantate wurde vom Hersteller Poly Implant Prothese (PIP) das Silikon durch ein minderwertiges ausgetauscht. Millesi forderte daher bessere Kontrollen für medizinische Produkte. Die Schönheitschirurgin hatte das PIP-Implantat nicht verwendet, doch 30 bis 40 ihrer Patientinnen hätten ängstlich in ihrer Ordination nachgefragt.

Hunderte Österreicherinnen betroffen

Etwa zehn Frauen, die im Ausland - in Brünn oder in Sopron - die PIP-Implantate eingesetzt bekamen, wurden die defekten Medizinprodukte wieder entfernt. Doch heimische Ärzte befürchten, dass es hierzulande gibt, die sich jeweils auch im Ausland operieren ließen.

Das später eingesetzte Industriesilikon veränderte die Hülle und zersetzte sie. Als Millesi die Brust der betroffenen Frauen öffnete, trat das bereits aus dem Implantat ausgeflossene Silikon aus. "Beim Austausch musste ich die Brusthöhle reinigen und mit Antibiotika spülen."

"Probleme kann es immer geben"

"Probleme mit Implantaten kann es immer geben", so Millesi. Renommierte Firmen würden jedoch Austauschgarantien bieten. Diese Anbieter, wie etwa Eurosilikon, Allergan oder Mentor, müssten im Falle eines Austausches ein neues Produkt und die Operation zahlen. "Viele Frauen sind jedoch für die Brust-OP ins Ausland gegangen", erklärte die Ärztin.

Die erste Silikonprothese gab es bereits 1964. Damals war die Hülle noch dünner, und das Silikon flüssig. Das Silikon konnte so langsam durch die Hülle in den Körper dringen. Heute besitzen Silikonimplantate eine mehrfach angelegte Hülle, um so den Silikonverlust - das sogenannte Bleeding - durch die Hülle zu minimieren.

"Vorsicht, wenn Brust sich verändert"

Bei der als Komplikation sehr selten auftretenden Kapselfibrose bildet sich um das ausgelaufene Silikonimplantat eine Gewebshülle. Die Brust wird hart. "Vorsicht ist geboten, wenn sich die Brust verändert, sich steinhart anfühlt und diese Veränderungen auch bei der Mammografie sichtbar werden." Schmerzen sind bei defekten Implantaten eher selten. "Regelmäßige Kontrollen sind wichtig", so Millesi, die pro Jahr rund 160 Brustoperationen durchführt.

Star-Chirurgin begrüßt neues Gesetz

Für die plastische Chirurgin ist das von Gesundheitsminister Alois Stöger geplante Gesetz zur Schönheitschirurgie - unter anderen zum Schutz von Jugendlichen - der richtige Schritt. "Das Gesetz ist sehr, sehr gut. Es ist problematisch, wenn jeder herumwerkt, ohne jegliche Qualifikation zu haben."

Die Ausbildung zum plastischen Chirurgen sei eine gute, weil danach das ganze Spektrum beherrscht werde und man Material und Geräte kenne, so Millesi. "Die Ausbildung dauert sechs Jahre. Aber nach sechs Jahren ist man noch nicht wirklich gut. Wenn man nun die ganze Ausbildung umgeht, kann die Qualität nicht gut sein", sagte die Medizinerin, die oft einen 13-Stunden-Tag hat.

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