Test verrät, wie anfällig du für Corona-Mythen bist

Wer ist besonders für Corona-Mythen? Das wollen Forscher jetzt herausgefunden haben.
Wer ist besonders für Corona-Mythen? Das wollen Forscher jetzt herausgefunden haben.Tobias Steinmaurer / picturedesk.com
Jeder Fünfte glaubt Fehlinformationen über Corona. Wer dafür besonders anfällig ist, zeigt der generelle Umgang der Person mit Informationen.

Knapp 20 Prozent der US-Bevölkerung glaubt falsche Behauptungen über das Coronavirus – etwa, dass Händetrockner das Virus abtöten können oder dass es durch Stubenfliegen übertragen wird. In Österreich glaubt laut Statistik Austria etwa jeder fünfte an Verschwörungstheorien.

Die Frage, wer besonders anfällig für solche Mythen ist, lässt sich aufgrund bisher bekannter Faktoren wie der politischen Identität, dem Bildungsgrad, der Intelligenz, der Persönlichkeit oder demografischen Faktoren wie Alter, Geschlecht oder Herkunft kaum beantworten. Einen Weg hat ein Team von Forschenden der Universitäten Hamburg, Macquarie und der Rijksuniversiteit Groningen in den Niederlanden eingeschlagen, wie es im Fachjournal "Episteme" schreibt. Es hat einen neuen Erklärungsansatz verfolgt: den der epistemischen Laster.

Epistemische Laster sind Charaktereigenschaften, die den Erwerb, die Erhaltung und die Weitergabe von Wissen behindern können. Dazu gehören zum Beispiel Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit oder Starrheit in Bezug auf die eigenen Glaubensgrundsätze.

In der Philosophie spielt die Vorstellung der epistemischen Laster eine große Rolle. Doch bisher wurde erst selten versucht, empirische Bestätigungen für ihre Bedeutung im Umgang mit Wissen zu erbringen.

Dreistufige Untersuchung

"Eine Motivation für unsere Studie war es, die Rolle epistemischer Laster bei der Bewertung von Informationen generell zu untersuchen. Dazu bietet die Corona-Pandemie eine einzigartige Gelegenheit", erklärt Marco Meyer von der Universität Hamburg. Dort leitet er eine Nachwuchsforschungsgruppe und beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Ethik.

Das australisch-deutsch-niederländische Team hat seine These an 998 US-Amerikanerinnen und Amerikanern überprüft. Dazu ließen die Forschenden die Teilnehmenden ihre Neigung zu epistemischen Lastern zum einen selbst einschätzen. Zum anderen führten sie eine Beobachtungsstudie durch, in der sie den Grad der epistemischen Lasterhaftigkeit mithilfe einer neu entwickelten Skala massen. In einem dritten Schritt fragten sie die Probandinnen und Probanden gezielt nach ihrem Glauben an Mythen und Fehlinformationen über COVID-19.

Zwei Eigenschaften ausschlaggebenden

"Wir haben herausgefunden, dass Menschen, die nicht auf Corona-Fehlinformationen hereinfallen, zwei Eigenschaften gemeinsam haben: Sie sind erstens neugierig und zweitens in der Lage, ihre Ansichten zu ändern, wenn sie auf vertrauenswürdige Quellen stoßen, die ihren bisherigen Annahmen widersprechen", so Meyer in einer Mitteilung. Das Fazit: Betrachtet man die Neigung zu epistemischen Lastern, lässt sich doppelt so gut vorhersagen, ob eine Person an Corona-Mythen glaubt, als dies aufgrund von Faktoren wie der politischen Identität, dem Bildungsgrad, der Persönlichkeit oder demografischen Aspekten möglich wäre.

"Wir haben herausgefunden, dass Menschen, die nicht auf Corona-Fehlinformationen hereinfallen, zwei Eigenschaften gemeinsam haben."

Die Studie stützt laut Meyer und seinen Kollegen die These, dass epistemische Laster generell die Aneignung von Wissen behindern. "Aus den Erkenntnissen könnte man individuellere Ansprachen und Methoden entwickeln, wie Menschen ihre epistemische Starrheit oder Gleichgültigkeit überwinden können", sagt Meyer, "zum Beispiel durch pädagogische Interventionen." Dies biete einen Ansatz, dem Glauben an Fehlinformation und Verschwörungsmythen langfristig entgegenzuwirken.

 In dem Online-Selbsttest(in englischer Sprache), der auf den Forschungsergebnissen beruht, kannst du prüfen, ob du eher anfällig oder doch eher immun gegenüber Verschwörungen bist.

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