Schultestverweigerer müssen in "häuslichen Unterricht"

Jeden Montag gibt Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Niki Glattauer in "Heute" Noten.Sabine Hertel
Glattauer gibt Noten. Heute: Kein Test? Dann "häuslicher Unterricht"! Wie viele Kinder werden impfen gehen? Und: Pickerl-Pass als Eintrittskarte.

Kein Test? Dann "häuslicher Unterricht"!

In einer kleinen Mittelschule in Ottakring sind es fünf Kinder, in der Volksschule daneben elf, "ein bis zwei Kinder in fast jeder Klasse", wie mir die Direktorin erzählt. Ich spreche von den Schnelltest-Verweigerern. Fünf von 180, neun von 270, das wären in Wien dreimal so viele wie die offiziell behaupteten 0,9 Prozent, beträfe hochgerechnet insgesamt also eher 30.000 als 10.000 Kinder im Land.

Nach meiner Kritik am Fehlen jeglicher Regelungen zum Schul-Neustart am Montag stand's vorigen Mittwoch postwendend im neuen Erlass: Testverweigerer bleiben zu Hause; Lehrerinnen schnüren "Arbeitspakete". Dagegen regt sich in vielen Direktionen nun Widerstand. Der Gegenvorschlag eines Gewerkschafters: Die Schulbehörde möge elterliche Testverweigerer "nachdrücklich ermuntern, ihre Kinder nach § 11 Schulpflichtgesetz zum 'häuslichen Unterricht' anzumelden. Den Lernerfolg könnten sie dann ja per Externisten-Prüfung nachweisen."

Note: Gut

Wie viele Kinder werden impfen gehen?

Vor Corona waren in Österreich 2.500 Schüler für "häuslichen Unterricht" durch ihre Eltern angemeldet. Mit den Testverweigerern würde sich deren Zahl theoretisch vervielfachen. Dazu zwingen kann man natürlich niemanden, aber die oben genannten "Ermunterungen" durch die Schulbehörde wären ein Schuss vor den Bug. Eltern, die Kindern das Testen verbieten, isolieren sie sozial und benachteiligen sie im Lernfortschritt. Eine Kollegin berichtet mir von einem zwölfjährigen Testverweigerer, der in Deutsch stets 4er oder 5er gehabt habe. Plötzlich lade er nur noch komplett fehlerfreie Arbeiten hoch. Ein verfrühtes Pfingstwunder? Eher Schwindelei. Die Lehrerin ärgert sich: "Was lernt einer, dem ich ungerechte Einser geben muss?"

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer war 25 Jahre Lehrer und Schuldirektor in Wien. Er hat bisher 13 Bücher veröffentlicht, alle zum Thema Schule wurden Bestseller. Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel findest Du hier.

Zur Challenge wird der Umgang mit Corona-Schutz-Verweigerern, sobald es für Kinder Impfungen gibt: Für die 340.000 12- bis 15-Jährigen ist das ab Mitte Juni realistisch. Wie viele Eltern werden dann wohl "Ja, bitte!" sagen?

Note: Genügend?

Pickerl-Pass als Eintrittskarte für Schüler: Ja!

Ein "Sehr gut" zum Teilen verdienen sich die Politiker Faßmann, Hacker, Wiederkehr. Wie sich der Bildungsminister auf türkisem Ticket jetzt gemeinsam mit den rot-pinken Wiener Stadträten für Gesundheit bzw. Bildung vor die Mikrofone gestellt hat, um mit seinem Pickerl-Test-Pass (positiv) zu überraschen, sollte Signalwirkung haben. Erstens: Ja, Coronabekämpfung muss überparteilich passieren. Zweitens: Nichts ist besser als einfach: Schlanke Pickerl als Eintrittskarten für 48 Stunden "normales Leben" sind eine gute Lösung.

Punkteabzug gibt’s nur dafür, dass die Zielgruppe (Sekundarschüler!) auch ein etwas "erwachseneres" Design vertragen hätte. An die Eltern von testverweigernden Schülern appellierten Faßmann, Hacker, Wiederkehr biblisch-versöhnlich: Lasset doch bitte die Kinder wieder zu uns kommen!

Note: Sehr gut
CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account NG Time| Akt:
BildungSchuleCoronavirusCoronatestGlattauer gibt NotenKolumne

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen