Tote Teens in Nahost: Alle wollen Rache

Bild: Reuters

Die Gewalt in Israel und dem Gazastreifen droht zu eskalieren: Zuerst wurden drei israelische Teenager entführt, Anfang der Woche fand man ihre Leichen. In Israel trauerte Tausende. Aus Rache wurde ein palästinensischer Jugendlicher entführt und ebenfalls hingerichtet. Nach Raketenangriffen militanter Palästinenser aus dem Gazastreifen bewegt Israels Armee jetzt zusätzliche Bodentruppen in Richtung Süden.

. In Israel trauerte Tausende. Aus Rache wurde ein palästinensischer Jugendlicher entführt und ebenfalls hingerichtet. Nach Raketenangriffen militanter Palästinenser aus dem Gazastreifen bewegt Israels Armee jetzt zusätzliche Bodentruppen in Richtung Süden.

Israels Streitkräfte flogen auf den Gazastreifen, wo am Abend eine Massendemonstration stattfand. Die israelische Nachrichtenseite "ynet" berichtete, Panzer und gepanzerte Fahrzeuge seien in Richtung des Palästinensergebiets am Mittelmeer unterwegs.

Seit Mitternacht seien 14 Kleinraketen auf Israel abgefeuert worden. Zwei davon hätten Häuser in der Grenzstadt Sderot direkt getroffen. Es gab zunächst keine Berichte zu möglichen Opfern.

Zum Hintergrund: Gilad Shaer, Naftali Fraenkel und Eyal Yifrah, drei Religionsschüler wurden entführt und ermordet. Die drei Teenagermorde an den israelischen Jugendlichen führten zu einem toten palästinensischen Jugendlichen in Jerusalem: Am Mittwochmorgen, nur einen Tag nach der Beerdigung der isaelischen Teenager stand der 16-jährige Mohammed Abu Khudair (Chdeir) an einer Straßenbahnhaltestelle in Ost-Jerusalem als ihn laut Augenzeugen drei Israelis zwangen, in ein Auto zu steigen. Einige Stunden später wurde seine übel zugerichtete Leiche im Westteil der Stadt an einem Waldrand entdeckt.

Feuer auf den Straßen, Hunderte randalierten

Als Reaktion darauf lieferten sich am Mittwoch hunderte vermummte Palästinenser Straßenschlachten mit der Polizei: Sicherheitskräfte wurden mit Steinen und Brandsätzen beworfen - und schlugen ihrerseits mit Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschoßen zurück. Nach Angaben von Rettungskräften wurden mindestens 65 Menschen verletzt, drei davon durch scharfe Munition. Die Straßen waren übersät mit brennenden Trümmern und Barrikaden, dutzende Menschen wurden festgenommen.

Israels Luftwaffe fliegt Angriffe

In der Nacht zum Donnerstag flog Israels Luftwaffe dann dutzende Angriffe auf Ziele im Gazastreifen und in Gaza-Stadt, bei denen nach Angaben palästinensischer Rettungs- und Sicherheitskräfte neun Palästinenser verletzt wurden. Von dem abgeschotteten Küstenstreifen aus waren nach Angaben der Armee zuvor zehn Raketen abgeschossen worden, von denen eine in der grenznahen israelischen Stadt Sderot einschlug und einen Stromausfall verursachte. Innerhalb von 24 Stunden wurden demnach 18 Projektile aus dem Gazastreifen abgeschossen.

3.000 Palästinenser demonstrieren: Israel soll "Preis zahlen"

Im Gazastreifen demonstrierten 3.000 Menschen gegen die Ermordung von Mohammed Abu Khudair (Chdeir). Die Hamas kündigte ihrerseits Vergeltung an. Israel werde den "Preis bezahlen" für den Tod Chdeirs und andere Verbrechen der "Siedlerhorden", lautete die Hamas-Parole.

Präsident verurteilt Selbstjustiz, 13 Palästinenser festgenommen

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu verurteilte zwar die "verabscheuungswürdige" Tat, berief aber am Mittwoch sein Sicherheitskabinett ein, um über mögliche Konsequenzen zu beraten. Er drängte die eigenen Leute, aber auch die Palästinenser, "das Gesetz nicht in die eigene Hand zu nehmen". In der Nacht zum Donnerstag nahm die Armee im Westjordanland 13 Menschen fest, wie eine Militärsprecherin bestätigte. Außerdem wurden zwei der radikalislamischen Hamas nahestehende Organisationen durchsucht. Die beiden mutmaßlichen Mörder der drei Jugendlichen sollen Mitglieder der Hamas sein. Seit dem Verschwinden der Jugendlichen vor zwei Wochen hat die israelische Armee bei Razzien bereits hunderte Palästinenser festgenommen, die meisten davon Hamas-Mitglieder.

1.000 Israelis demonstrieren gegen Gewalt

In Jerusalem demonstrierten am Mittwochabend auch mehr als tausend Menschen gegen Gewalt und Rassismus. "Juden und Araber werden in diesem Land zusammenleben müssen", sagte Isaak Herzog, Fraktionschef der oppositionellen Arbeitspartei, bei der Kundgebung, wie die israelische Zeitung "Haaretz" am Mittwochabend berichtete. "Die Mehrheit der jüdischen und arabischen Gesellschaft will in Frieden leben."

UN und EU "besorgt"

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und die Europäische Union forderten, die Mörder Khudairs zur Rechenschaft zu ziehen. EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton äußerte sich "extrem besorgt über die jüngsten Entwicklungen, die das Risiko einer Eskalation erhöhen". US-Außenminister John Kerry führte ein Krisentelefonat mit Netanyahu und rief ebenfalls beide Seiten dazu auf, "besonnen" zu reagieren und die Täter vor Gericht zu bringen.

APA/red.

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