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Türkischer Traum vom Sharia-konformen Urlaub

Heute Redaktion
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Bild: DB Aliki Nassoufis (dpa)

Ein türkischer Geschäftsmann will auf den Malediven ein Ferienparadies für strenggläubige Muslime errichten. Der Sharia konforme Badeurlaub ohne Alkohol und mit getrennten Stränden für Männer und Frauen findet angeblich lebhaften Absatz in der Türkei.

Das Hotel "Caprice Gold Maldives" auf den Malediven ist das neueste Projekt des als "Jet Fadil" in der Türkei berühmt-berüchtigten Geschäftsmannes mit dubioser Vergangenheit. Seine JetPa Holding mit Sitz im südostanatolischen Siirt hat angeblich 122,29 Mio. Euro investiert und eine Insel im Indischen Ozean erstanden. Sie soll gläubigen Muslimen vorbehalten bleiben, wie er in einem Fernsehinterview mit CNN Türk betonte.

Bars oder Diskotheken soll es in dem Ferienparadies auf der Insel Kofenbe nicht geben, gleiches gilt für Alkoholausschank. Dafür wirbt der auf Familien ausgelegte Urlaubstraum für strenggläubige Muslime mit getrennten Badestränden für Männer und Frauen. Für die Privatsphäre der badenden Frauen soll zusätzlich ein Schutzwall sorgen, um sie vor ungewollten Blicken zu schützen.

Gesamtkosten: 300 Millionen Dollar  

Die Eröffnung der Hotelanlage mit 600 Hotelzimmern, 107 Ferienvillen und 250 kleinen Privatstränden ist für Ende Oktober geplant, nach dem Ende des muslimischen Opferfestes. Gebucht werden kann der "Helal"-Urlaub, gemäß den Regeln des Koran, bereits seit dem 30. Jänner. Die Preise für Hotelzimmer beginnen bei knapp hundert Euro für eine Nacht. Das Urlaubsparadies für fundamentalistische Muslime sei mittlerweile zu 70 Prozent fertig, verkündet die Holding. Die Gesamtprojektkosten werden von JetPa mit 300 Millionen Dollar beziffert.

Der Kopf der Holding, Fadil Akgündüz, hat eigenen Angaben zufolge innerhalb von fünf Wochen an 60.000 Kunden Urlaube verkauft. Eine Zahl, die türkische Touristiker prompt als vollkommen unrealistisch kritisierten. Jährlich würden insgesamt nur etwa 4.000 bis 5.000 Türken auf die Malediven fliegen. Firmenboss Akgündüz ist Mitglied der religiösen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen, des erklärten Erzfeindes von Recep Tayyip Erdogan.

1,6 Milliarden Euro erschwindelt?

Der als " Jet Fadil" in der Türkei wohlbekannte Unternehmer hat eine schillernde Vergangenheit. Akgündüz soll 2002 mit seinem in Siirt ansässigen Unternehmen "JetPa" insgesamt 1,6 Milliarden Euro von türkischen Migranten in Österreich, Deutschland und der Schweiz erschwindelt haben. Er verkaufte ihnen Anteilsscheine für den Bau des ersten komplett in der Türkei entwickelten und hergestellten Autos - ein Projekt, aus dem nie etwas wurde. Dem mit internationalem Haftbefehl gesuchten Unternehmer drohte eine lebenslange Haft.

Seiner Verhaftung entzog Akgündüz sich, indem er in Westeuropa abtauchte. Aus einem Versteck im Ausland kandidierte er per Telefon für die türkische Volksvertretung. Im Dezember 2002 verlor Akgündüz sein Mandat, das er als parteiloser Kandidat in seiner Heimatstadt Siirt gewonnen hatte, und damit seine parlamentarische Immunität. Der Wahlrat hatte die Wahl wegen Unregelmäßigkeiten annulliert. Akgündüz verbüßte eine einjährige Untersuchungshaft und wurde Anfang März 2004 auf freien Fuß gesetzt. Er wurde nach elf Jahren von den Gerichten vom Verdacht des Betrugs "freigesprochen", erklärte er Anfang Jänner laut einem Bericht des Magazins "Timeturk".

Traumparadies nur auf Sand gebaut?  

2010 kam der Unternehmer neuerlich in Schwierigkeiten. Die Jetpa Holding soll Millionen für den Fußballklub Siirtspor verpulvert haben. Akgündüz ist Präsident des Vereins. Die Holding wies Steuerschulden in Höhe von 227 Millionen Lira (73,53 Mio. Euro) aus. Er war nicht einmal liquide genug, um 750 Lira Bargeld auszulegen, soll sein Anwalt der Zeitung "Cumhurriyet" zufolge erklärt haben . Akgündüz' Bankkonten wurden eingefroren, sein Auto gepfändet, berichtete die Zeitung.

Aktuellen türkischen Medienberichten zufolge muss sich der Unternehmer für das noch nicht einmal eröffnete Istanbuler Hotelprojekt der Jetpa Holding "Caprice Gold Hotel" derzeit schon wieder mit einem Exekutionsverfahren in Millionenhöhe herumschlagen. Der Traum vom muslimisch korrekten Maledivenaufenthalt für Türken könnte möglicherweise nur auf Sand gebaut sein.