Verschollener Belastungszeuge wieder auftgetaucht

Der verschollen geglaubte Hauptbelastungszeuge im Geldwäsche-Verfahren gegen Alfons Mensdorff-Pouilly ist wieder aufgetaucht. Der ehemalige Vermögensberater von Timothy Landon, Mensdorffs Mentor bei BAE Systems, dessen Spur sich im Oman verloren hatte, konnte dank eines Rechtshilfeersuchens an die britische Justiz stellig gemacht werden. Das gab Richter Stefan Apostol am Ende des ersten Verhandlungstags gegen Mensdorff bekannt.

ist wieder aufgetaucht. Der ehemalige Vermögensberater von Timothy Landon, Mensdorffs Mentor bei BAE Systems, dessen Spur sich im Oman verloren hatte, konnte dank eines Rechtshilfeersuchens an die britische Justiz stellig gemacht werden. Das gab Richter Stefan Apostol am Ende des ersten Verhandlungstags gegen Mensdorff bekannt.

Mark Cliff - ein Steuer- und Finanzberater, der lange Jahre Landon und damit zumindest auch mittelbar BAE Systems gedient hatte - wird im Wiener Verfahren auch als Zeuge aussagen. Er habe sich zu einer Einvernahme im Weg einer Video-Konferenz bereit erklärt, stellte Apostol fest.

Wann diese Befragung stattfinden wird, ist noch offen. Klar dürfte allerdings sein, dass das offiziell bis zum 17. Jänner ausgeschriebene Verfahren länger dauern wird. Das ließ Apostol durchblicken, indem er am Rande der Hauptverhandlung von einem "Beweisverfahren in den nächsten Monaten" sprach.

Die Verfügbarkeit von Cliff dürfte vor allem Staatsanwalt Michael Radasztics erfreuen. Cliff hatte gegenüber dem Serious Fraud Office (SFO) - der britischen Anti-Korruptionsbehörde - ausgepackt und die Ermittlungen gegen BAE Systems erst ins Rollen gebracht.

Mensdorff erzählt von elterlichem Hof

Er habe 1980 den elterlichen Hof im Südburgenland übernommen, der zu diesem Zeitpunkt "klein und schwer verschuldet" gewesen sei: "Meine Mutter hat den Vater in Pension geschickt und den Betrieb mir übergeben in der Hoffnung, dass ich den Betrieb auf neue Beine stellen und retten kann."

Im weiteren Verlauf habe er begonnen, "aus der Jagd Geld zu machen" und Flächen gepachtet und dazu gekauft. Er sei alsbald drauf gekommen, dass ohne "ein Gebäude, wo man gutzahlende Jagdgäste unterbringen kann, keine Geschäfte machen kann", erläuterte Mensdorff-Pouilly. Folglich habe er "das Haus, das sich der Staatsanwalt so wünscht" (das Schloss in Luising, Anm.) gebaut.

"Das Glumpert ist schon einiges Wert"

Befragt nach dem Wert der Liegenschaft, bemerkte der Angeklagte launig: "Das Glumpert ist schon einiges Wert. Vielleicht finden's jemanden, der's um eine Million kauft."

Sein Jagdgeschäft habe in den vergangenen Jahren 150.000 bis 200.000 Euro abgeworfen, verriet der 59-Jährige, der 1988 in Wien seine eigene Firma gegründet hatte. Ursprünglich habe er damit Handelsgeschäfte gemacht: "Froschschenkel gekauft und verkauft, Wild gekauft und verkauft, Schnecken von Ungarn nach Frankreich gebracht."

Mit BAE gings so richtig aufwärts: "Wollte aufhören mit Froschschenkeln"

1978 habe er Timothy Landon kennengelernt, der ihm den , weil Landon "am gesamten ehemaligen Comecon-Bereich interessiert war und da jemanden in Wien sitzen haben wollte".

"Ich kann quatschen, nicht schreiben"

Er sei gern in diesen Geschäftszweig eingestiegen, schilderte Mensdorff: "Ich habe aufhören wollen mit Hendln und Froschschenkeln." Auf die Frage des Richters, für wie viele Firmen er gleichzeitig gearbeitet hatte, meinte "Graf Lobby": "In den besten Zeiten fünf bis sechs."

Die schriftlichen Berichte an BAE Systems hat Mensdorff übrigens nie selbst verfasst. "Nein, ich kann quatschen aber nicht schreiben. Ich habe meinen Mitarbeitern gesagt, was sie schreiben sollen." Gefragt, wie viel so ein Ratschlag wert war, antwortete er: "Er war im Monat immer ein paar Tausend Euro wert."

Warum BAE einen externen Berater in Mittel- und Osteuropa benötigte, obwohl das Unternehmen eigene Büros etwa in Prag und Budapest hatte, erklärte Mensdorff damit, dass "fast alle Konzerne das so machen". Sie hätten "offene" und "versteckte Berater". Nach einem konkreten Beispiel für einen Ratschlag gefragt, sagte Mensdorff, er habe BAE bei einem Kompensationsgeschäft in Ungarn von einem falschen Standort für eine Investition abgeraten und den richtigen herausgefunden.

"Nicht ganz deppert" muss man sein

Qualifikationen für diese Beratertätigkeit habe er keine gehabt, aber wenn man ein politisches Gespür habe, "nicht ganz deppert ist" und ein paar Verwandte und Bekannte im Osten habe, habe man Verbindungen. "Diese Verbindungen waren mehr wert als vier akademische Abschlüsse", so Mensdorff. Dadurch habe er Informationen und Kontakte bekommen, "die nicht so leicht zu kriegen waren".

Mensdorff will kein Lobbyist sein

Die Frage von Richter Stefan Apostol, ob er ein Lobbyist sei, verneinte Alfons Mensdorff-Pouilly kategorisch: "Als Lobbyist muss ich zu einem Entscheidungsträger gehen. Meine Aufgabe war umgekehrt herauszufinden, was Leute wollen, und Ratschläge zu geben." Er räumte ein, mit Entscheidungsträgern gejagt zu haben: "Ich habe ganze Jagden veranstaltet für BAE-Leute. 1988, 89, bis 2005." Mit Geldflüssen an Entscheidungsträger oder Dritte habe er aber nie etwas zu tun gehabt.

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