Viele Arbeitslose, mehr Defizit, irre Staatsschulden

Die Arbeitslosigkeit in der Eurozone und der EU geht nach der EU-Herbstprognose gegenüber den Frühjahrsdaten heuer zurück. In Österreich allerdings wird eine deutliche Steigerung von 4,8 Prozent in der Frühjahrsvorausschau gegenüber nunmehr erwarteten 5,3 Prozent ausgewiesen.

Die Eurozone kann mit 11,6 statt ursprünglich 11,8 Prozent rechnen, die EU mit 10,5 statt 10,3 Prozent.

Für 2015 sagt die EU-Herbstprognose für Österreich sogar eine weitere Steigerung auf 5,4 Prozent voraus, ehe 2016 ein Sinken auf 5,0 Prozent zu erwarten ist. Die Entwicklung führte zuletzt dazu, dass Österreich seinen Spitzenplatz mit der an Deutschland abgeben musste, das für heuer mit 5,1 Prozent rechnen kann, was keine Veränderung gegenüber dem Frühjahrswert darstellt.

Ärgster Wert in Griechenland

Die höchste Arbeitslosenquote im laufenden Jahr hat weiterhin Griechenland mit 26,8 Prozent, was ebenfalls etwas schlechter ist als der Frühjahrswert mit 26 Prozent. Dagegen konnte Spanien seine Position geringfügig verbessern - von ursprünglich 25,5 auf nunmehr 24,8 Prozent. Die dritthöchste Rate in der EU weist Kroatien mit 17,7 Prozent auf, leicht besser als die im Frühjahr prognostizierten 18 Prozent.

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Höheres Defizit vorausgesagt

Österreichs Budgetdefizit wird laut Herbstprognose heuer mit 2,9 Prozent höher ausfallen als im Frühjahr mit angenommen. Für 2015 wird trotz sinkender Neuverschuldung eine noch deutlichere Verschlechterung erwartet,  von 1,5 Prozent  in der Frühjahrsvorausschau auf 1,8 Prozent. Für 2016 soll das Defizit auf 1,1 Prozent sinken.

EU-weites Problem

Die Vorschau zeigt für die Eurozone mit 2,6 Prozent Budgetdefizit ebenfalls einen höheren Wert vor als im Frühjahr mit 2,5 Prozent angenommen. Die EU insgesamt verschlechtert sich ebenso von ursprünglich 2,6 auf 2,7 Prozent. Für 2016 wird für die Währungsunion ein Rückgang auf 2,1 Prozent vorausgesagt, für die EU auf 2,3 Prozent.

Spanien und Kroatien am schlechtesten

Das höchste Defizit wird mit 5,6 Prozent für Spanien und Kroatien erwartet. Dann folgen Großbritannien (5,4 Prozent), Portugal (4,9), Frankreich und Slowenien (je 4,4), Irland (3,7), Bulgarien (3,6), Polen (3,4), Belgien, Italien, Zypern und die Slowakei (je 3,0), Österreich, Ungarn und Finnland (je 2,9), Malta und Niederlande (je 2,5), Schweden (2,4), Rumänien (2,1), Griechenland (1,6), Tschechien (1,4), Litauen (1,2), Lettland (1,1), Dänemark (1,9), Estland (0,4) sowie Deutschland und Luxemburg als die beiden einzigen der 28 EU-Staaten mit einem Überschuss von je 0,2 Prozent.

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Rekordschulden erreicht

Österreich wird in der EU-Herbstprognose für das laufende Jahr mit 87 Prozent die bisher höchste Staatsschuld vorausgesagt. Allerdings soll es in den nächsten Jahren besser werden. Für 2015 wird ein Absinken auf 86,1 Prozent prophezeit, für 2016 ein weiterer Rückgang auf 84,0 Prozent.

Die 87 Prozent stellen auch eine deutliche Erhöhung gegenüber der Frühjahrsvorschau dar. Damals waren noch vorhergesagt worden. Mitursache für diese übermäßige Steigerung ist auch eine neue Berechnungsmethode durch Eurostat.

EU-weite Schuldenberge

Die Eurozone soll 2014 eine durchschnittliche Staatsverschuldung von 94,5 Prozent aufweisen, die EU von 88,1 Prozent. Für 2015 wird die Eurozone weiter auf 94,8 Prozent steigen, die EU auf 88,3 Prozent. 2016 prophezeit die Herbstprognose für beide Gebiete nach Jahren des stetigen Anstiegs erstmals wieder ein Absinken der Staatsschulden - für die Währungsunion auf 93,8 Prozent und für die EU auf 87,6 Prozent.

Griechenland auf Platz 1

Im laufenden Jahr hat weiterhin Griechenland mit 175,5 Prozent die höchste Verschuldung, gefolgt von Italien (132,2), Portugal (127,7), Irland (110,5), Zypern (107,5) und Belgien (105,8). Die niedrigsten Werte weisen Estland (9,9 Prozent), Luxemburg (23,0) und Bulgarien (25,3) auf.

Während für das krisengebeutelte Griechenland eine Verbesserung auf 168,8 Prozent 2015 und auf 157,8 Prozent 2016 vorausgesagt wird, soll es für Italien mit 133,8 Prozent im folgenden Jahr schlechter werden, ehe 2016 mit 132,7 Prozent ein leichter Rückgang erfolgt. Den sechs Ländern mit einer Schuldenquote von über 100 Prozent des BIP wird laut Herbstprognose 2015 Spanien als siebentes Land folgen, das von 98,1 Prozent 2014 auf 101,2 Prozent 2015 steigen wird. Die Iberer haben auch für 2016 nichts Gutes zu erwarten - eine weitere Erhöhung auf 102,1 Prozent wird prophezeit.

Frankreich nähert sich ebenfalls langsam der 100er-Grenze. Heuer werden noch 95,5 Prozent Verschuldung vorausgesagt, 2015 eine Steigerung auf 98,1 Prozent und 2016 bereits auf 99,8 Prozent.

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Österreich hat fünfthöchste Inflation

Österreich weist in der EU-Herbstprognose für heuer mit 1,5 Prozent gemeinsam mit Großbritannien die höchste Teuerungsrate auf. Der EU-Durchschnitt liegt bei 0,6 Prozent, die Eurozone wird mit 0,5 Prozent ausgewiesen. Nächstes Jahr soll die Inflation in der Eurozone auf 0,8 Prozent steigen, in der EU auf 1 Prozent.

Österreichs Teuerung steigt im kommenden Jahr auf 1,7 Prozent an. Für 2016 ist ein weiterer Anstieg der Inflation prognostiziert. Die Währungsunion soll dann bei 1,5 Prozent liegen, die EU bei 1,6 Prozent und Österreich bei 1,8 Prozent.

5x Deflation

Eine Deflation - Die Preise steigen nicht sondern fallen - haben im laufenden Jahr fünf EU-Länder gehabt. An der Spitze liegt Bulgarien mit -1,4 Prozent Inflation, gefolgt von Griechenland (-1,0), Zypern (-0,2), Spanien und Slowakei (je -0,1).

Für kommendes Jahr wird die höchste Preissteigerung für Ungarn mit 2,5 Prozent angenommen, gefolgt von Rumänien und Luxemburg (je 2,1 Prozent), Lettland (1,8) und Österreich (1,7). Die niedrigste Inflation dürfte dann Griechenland mit 0,3 Prozent aufweisen.

2016 wird laut Herbstprognose Ungarn mit 3,0 Prozent am höchsten liegen. Dann kommen Rumänien (2,7) und Lettland (2,5). Österreich liegt mit 1,8 Prozent an zehnter Stelle. Am geringsten wird die Inflation für 2016 mit 0,9 Prozent in Portugal angenommen.

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Wachstumserwartung niedriger

Die EU-Kommission senkt auch ihre Erwartungen an die wirtschaftliche Lage in Europa 2015. Sie erwartet für die Eurozone nur mehr 1,1 Prozent Wachstum - nach einer Prognose von 1,7 Prozent im Frühjahr. Für die gesamte EU sind es nun 1,5 Prozent (nach 2 Prozent). Und Österreichs Wirtschaft soll nächstes Jahr um nur 1,2 Prozent wachsen - anstelle von 1,8 Prozent.

Für heuer spricht die Herbstprognose hingegen nur mehr von einer "langsamen Rückkehr zu einem bescheidenen Wirtschaftswachstum". In Summe werden für die Eurozone heuer ein Wachstum von 0,8 Prozent prognostiziert, für die gesamte EU sind es 1,3 Prozent. Im Frühjahr war die Kommission noch von 1,2 Prozent für die Eurozone und von 1,6 Prozent EU-weit ausgegangen.

Tief gefallen

In Österreich liegt man mit 0,7 Prozent besonders stark unter den Erwartungen, war die Kommission im Frühjahr doch noch von einem Plus von 1,6 Prozent ausgegangen. Positiver fällt der Blick auf 2016 aus. Die Eurozone soll dann 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum aufweisen, die EU auf 2 Prozent steigen. Österreich kann mit einem Plus von 1,5 Prozent rechnen.

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