Virtuelle Zeitreise in die Hallstätter Salzbergwerke

Die Salzbergwerke in Hallstatt sind die ältesten Kultur- und Industrielandschaften der Welt. Via Virtual Reality können nun Besucher in die 3.000 Jahre alten Stollen eintauchen.
Auch Menschen, die sonst nicht besonders an Geschichte interessiert sind, ist das oberösterreichische Hallstatt ein Begriff. Zu Recht, denn die Funde, die in dem kleinen Ort im Salzkammergut gemacht wurden, reichten aus, um einen ganzen Epoche einen neuen Namen zu geben.

Salz wurde in Hallstatt aber lange vor der Hallstattzeit, die Historiker zwischen etwa 800 und 450 vor Christus angeben. Seit rund 7.000 Jahren wird hier Salz abgebaut, damit ist Hallstatt die älteste Kultur- und Industrielandschaft der Welt. Ein Faktum, das auch mit dem Unesco Weltkultur- und Naturerbe ausgezeichnet wurde.

Bergwerkshallen zwölf Mal so lang wie der Besucherraum der Wiener Staatsoper

Wer sich bei Bergwerk enge Stollen vorstellt, liegt im Fall von Hallstatt falsch. Denn tatsächlich erschlossen die Menschen der Hallstattzeit um 700 vor Christus bereits horizontale Hallen erschlossen werden, die so hoch waren wie ein achtstöckiges Haus. "Dazu waren sie an die 300 Meter lang und zum Teil über 30 Meter breit. Diese Größe entspricht in Höhe und Breite dem Besucherraum der Wiener Staatsoper – nur waren die Hallen 12 Mal länger", erklärt Hans Reschreiter, Prähistoriker am Naturhistorischen Museum. "Auch die Kammern der Bronzezeit um 1.100 vor Christus sind riesig. Aktuell wird ein Abbauraum in 100 Metern Tiefe erforscht, der über 50 Meter lang, über 25 Meter breit und bis zu 10 Meter hoch war."

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Virtual Reality lässt Dimensionen erahnen

Von den einst gigantischen Hallen ist heute nichts mehr übrig. Im Salzstock sind keine Hohlräume erhalten geblieben, weil sie entweder vor Jahrtausenden verschüttet wurden oder weil der Bergdruck alle Abbauräume der Althallstätter wieder geschlossen hat. Die einstigen Dimensionen lassen sich heutzutage aus den kleinen, frei gelegten Forschungsstollen nur mehr schwer erahnen. Um sich die gigantische, fast unvorstellbare Größe der Abbaue vorstellen zu können, tüftelten Wissenschafter des NHM Wien gemeinsam mit den 3D-Grafikern der Firma Scenomedia an einer Virtual Reality (VR)-Version des bronzezeitlichen Bergwerks.



VR-Brille macht Alltag im Bergwerk erlebbar

Ausgestattet mit Virtual Reality-Brille und zwei Controllern können sich Besucher nun auf die Spuren der bronzezeitlichen Salzarbeiter machen. Für die Visualisierungen wurde das Alltagsleben im Salzberg aus der Zeit um 1.300 vor Christus erstellt. Jedes Detail, von den Bergwerksräumen und Stollen bis hin zu Kleidung, Werkzeug und Abläufen basiert auf jahrzehntelanger archäologischer Forschung. Per Controller kann in den gigantischen Hallen navigiert werden, gefundene Gegenstände können angeklickt werden. Etwa bei einem der vielen Speckstücke, die in der virtuellen Bergwerkshalle zu finden sind. Per Klick erfährt der Besucher, dass Hallstatt zur Bronzezeit der größte Fleischproduzent Europas war.

Aktuellen Wissensstand modern vermitteln

Die Funde, die im Hallstätter Salzbergwerk in den letzten Jahren entdeckt wurden, offenbaren ihre Einmaligkeit oft nicht auf den ersten Blick – wie etwa die gleich alte Totenmaske von Tutanchamun. Vielmehr sei es notwendig, diese scheinbar unscheinbaren braunen und grauen Fell-, Leder-, Textil- und Holzobjekte mit der entsprechenden Zusatzinformation zu versehen. Durch dieses in Kontext setzen, die mit Hilfe der Virtual Reality-Technik spannend aufbereitet wird, zielen die Wissenschafter darauf ab, die kultur- und wirtschaftsgeschichtliche Bedeutung von Funden wie dem ältesten Rucksack Europas, der ältesten bekannten Holzstiege, dem ältesten Handschutz und vielem mehr auf moderne, spannende Weise einer breiten Öffentlichkeit näher zu bringen.

Hallstatt mit neuem Programm: "Salzwelten Exklusiv"

Die Salzwelten Hallstatt sind mit jährlich rund 380.000 Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt ein Ausflugsziel von überregionaler Bedeutung. Im Rahmen des neuen Produkts "Salzwelten Exklusiv" haben Gäste die Möglichkeit, mittels Virtual Reality-Brillen einen Einblick in den prähistorischen Bergbau zu gewinnen. Dafür wurde gemeinsam mit dem Naturhistorischen Museum Wien und der Salinen Austria AG eine virtuelle Umgebung der exakten Ausmaße des Hallstätter Bergwerks um 1.100 v. Christus kreiert. Diese Verschränkung von Wissenschaft, Wirtschaft und Tourismus stellt ein Novum dar.



Ab 2020 werden auch animierte Rundgänge durch das prähistorische Bergwerk über die Homepage der Salzwelten und des NHM Wien abrufbar sein. Ebenso soll im Hallstätter Hochtal sowie im Ort Hallstatt direkt ein Fernrohr, mit dem ein "Blick in den Berg" möglich sein wird, installiert werden.



3D-Bergwerk startet dieses Wochenende in Hallstatt

Selbst in die Bronzezeit eintauchen können Interessierte ab diesem Wochenende in Hallstatt und an drei Terminen im Herbst im Wiener Naturhistorischen Museum. Am Samstag, 17. August und Sonntag, 18. August laden das Naturhistorische Museum Wien und die Salzwelten Hallstatt zur Veranstaltung "Archäologie am Berg 2019". Dabei können Besucher in Hallstatt die virtuellen Salzabbaustellen erstmals mittels VR-Brille erkunden.



Die Veranstaltung zum Mitmachen, Ausprobieren und Entdecken wendet sich an Familien und Interessierte. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Zu bezahlen ist die Auffahrt mit der Salzbergbahn.

VR-Technologie holt Hallstatt nach Wien

Wer es nicht nach Hallstatt schafft, kann auch in Wien auf Zeitreise gehen. Im Rahmen von Sonderführungen, die am 18. September, dem 6. Oktober und dem 16. Oktober stattfinden, lassen sich die bronzezeitlichen Bergwerke im Naturhistorischen Museum erkunden.

Gestartet werden die eineinhalbstündigen Touren im Hallstattsaal (Saal 12 im Halbstock). Nach dem im Depot die über 3.000 Jahre alten Originalfunde aus dem Bergwerk besichtigt und ihre faszinierende Funktion an Hand von Rekonstruktionen selber getestet werden, gibt es zum Abschluss mit Hilfe der VR-Brille das Eintauchen in die gigantischen Abbauräume der Bronzezeit. So wird Leben und Arbeiten im Salz vor 3.000 Jahren fast hautnah erlebbar.

(lok)

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