Box-Champion Voraberger plötzlich "obdachlos"

Eva Voraberger und ihre beeindruckende Titel-Sammlung
Eva Voraberger und ihre beeindruckende Titel-SammlungBild: heute.at
"Heute" traf die fünffache Box-Weltmeisterin Eva Voraberger zum Interview. Warum sie plötzlich "obdachlos" ist und mehr verrät sie hier.
Eva Voraberger hat sich in Deutschland bereits ihren fünften Weltmeister-Titel erboxt. Die Steirerin holte sich den WBC-Silver-Titel im Superfliegengewicht. Doch der Kampf war nur der Plan B, denn eigentlich hätte die 27-Jährige in der Schweiz antreten sollen. Die Absage des Kampfes wurmt das Box-Aushängeschild immer noch. Außerdem ist ihr Box Team Vienna ab August plötzlich obdachlos, weil die Immobilie ohne Vorwarnung verkauft wurde. Wir haben Eva Voraberger zum "Heute"-Talk getroffen.

"Heute": Gleich zu Beginn: Bei Ihnen geht es in den letzten Wochen ganz schön rund. Zuerst die Absage des WM-Kampfes, dann der WBC-Titelgewinn, nun die Nachricht, dass Ihr Box-Team plötzlich keine Trainingsstätte mehr hat und die Mitglieder auf der Straße stehen. Wie haben Sie das aufgenommen?

"Plötzlich auf die Straße gesetzt zu werden, ist einfach schlimm. Vor allem ging das so schnell, in wenigen Tagen. Innerhalb von vier Wochen müssen wir raus aus unserem Gym. Gerade für unsere Mitglieder ist das sehr hart, weil wir das alles über zwei Jahre lang aufgebaut haben. Für mich als Einzelperson ist es nicht ganz so tragisch, ich muss ab August im Fitnesscenter trainieren und mein Boxtraining in einem anderen Gym absolvieren. Peter Pospichal sucht gerade nach Alternativen in Wien 22 oder 21."

Wie schwer war es für Sie nach der Absage des WM-Kampfes in der Schweiz, (Hier geht's zur Story!) sich auf die neue Gegnerin einzustellen und wie haben Sie die gesamte Situation verarbeitet?

"Wir waren gerade im Trainingslager und ich habe gerade locker ausgeboxt, plötzlich läutet das Handy und Peter Pospichal ist dran. Ich weiß genau, dass er nicht während des Trainings anruft, außer es passt irgendwas absolut nicht. Da habe ich schon meinen Trainer angeschaut und geahnt: Aniya Seki hat sicher abgesagt. Es war genau eine Woche vor dem Kampf und wir haben uns sogar schon auf das Gewichtmachen konzentriert, also komplett auf der Zielgeraden. Ich hab sofort meine Handschuhe ausgezogen und auf den Boden geworfen und hab lautstark herum geflucht. Für mich ist eine richtige Welt zusammengebrochen, weil es meine erste Titelverteidigung im Ausland gewesen wäre. Ich war topfit und war so sicher, dass ich den Kampf gewinne. Es war eine richtige Watschn, ein klassisches K.o."

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Wie ging es dann für Sie und Ihr Team weiter?

"Relativ schnell war klar, dass wir unbedingt einen Kampf haben wollen. Mein Team war sofort bemüht, um Alternativen zu finden. Da ging es noch gar nicht so sehr um die WBC-Sache. Auf einmal hat sich ein Boom entwickelt, die Absage hat hohe Wellen geschlagen. Die Leute rundherum haben mir sehr leidgetan, weil Flüge in die Schweiz gebucht waren."

Nach dem Sieg am Samstag haben Sie gleich fünf Gürtel, wie fühlt sich das eigentlich an?

"Es ist eigentlich alles gleich wie früher. Es ist schön, endlich einen WBC-Gürtel zu haben. Es ist ein schöner Trostpreis diesen Titel jetzt zu haben, aber es ärgert mich immer noch, dass der Kampf mit Aniya Seki nicht stattgefunden hat. Ich will diesen Kampf unbedingt haben. Wenn der steigt, will ich ihr meine Meinung auch im Ring sagen, das ist mein nächstes Ziel - sportlich gesehen ist er nicht so wichtig, aber persönlich muss das einfach sein. Ich weiß auch, dass ich besser bin als sie. Sie ist zwar eine gute Boxerin, aber ich habe einfach den größeren Willen."

Wie ist das eigentlich, wenn man nach so einem langen Trainingslager einen Kampf nach 103 Sekunden per K.O. gewinnt?

"Erst einmal möchte ich mich bei meiner Gegnerin bedanken, weil sie auch sehr kurzfristig angenommen hat. Es ist schade, dass es so schnell vorbei war, weil ich auch zeigen wollte, was ich an Taktik und Technik dazugelernt habe. Auf der anderen Seite war doch die Vorbereitung schon sehr lange und das ein oder andere Wehwehchen war dabei. Natürlich freut man sich immer über ein K.o."

Sie trainieren auch immer wieder in Deutschland, welche Vorteile bringt das mit sich?

"Meine beiden Trainer ergänzen sich einfach perfekt. In Deutschland habe ich einfach meine Ruhe und kann mich voll auf das Training konzentrieren, es gibt dort auch mehr Frauen, mit denen man Sparring-Runden absolvieren kann."

Jetzt sind Sie mit 27 im besten Boxer-Alter, gibt es aber auch schon Pläne für die Zukunft?

"Ich bin ja noch jung im Boxen, meine Gegnerinnen sind meistens älter als ich. Mit 27 ist man einfach robuster. Die jungen Babies sind körperlich einfach noch nicht so ausgereift. Ich denke von Kampf zu Kampf. Ich will weitermachen, solange es geht. Aber ich kann dem Sport auch als Trainerin erhalten bleiben. So weit nach vorne will ich auch nicht denken, ich sehe mich einfach im Moment als aktive Sportlerin."

Kampfsport, wie MMA oder Kickboxen, wird in Österreich immer beliebter. Was kann man als traditionelle Boxerin unternehmen, um die Leute auch für das ursprüngliche Boxen zu motivieren?

"Klassisches Boxen verlangt Taktik, Technik und Schlagkraft. Auch das Damenboxen hat einen unheimlichen Fortschritt gemacht. Das Niveau ist mittlerweile sehr hoch. Bei allen MMA-Sportarten ist auch Boxen dabei, also ganz ohne geht es nicht. Mit guten Kämpfen kann man die Leute auch begeistern. Man braucht ein Aushängeschild, das Land sollte mitfiebern und seine Idole anfeuern. Dazu braucht man auch eine gewisse Präsenz in den Medien. Da ist es egal, ob man Boxer, Kickboxer oder MMA-Fighter ist, die Fans brauchen einen Bezug."

Sie als fünffache Weltmeisterin kommen ja leider in den Medien nur sehr untergeordnet vor…

"Ich gebe erst dann auf, wenn in Österreich das Boxen populärer ist. Beim Kampf in Deutschland ist das ganz anders, da ist eine Begeisterung da. Das fehlt in Österreich. Auch die Medien sind da gefordert, jetzt haben wir eine Weltmeisterin, die man durchaus herzeigen kann. Im ORF Sport+ laufen zwar meine Kämpfe eine Woche später, aber es muss einfach auch live gezeigt werden. Natürlich muss man sich auch um Dinge wie Facebook kümmern, das ist auch eine tolle Eigenwerbung. In meinem Team kennt jeder seinen Part und trägt dazu bei, dass es aufwärts geht. Wir machen das auch, weil wir das Boxen lieben und nicht wegen dem Geld. Dank meiner Sponsoren kann ich mich zu 100 Prozent auf meinen Sport konzentrieren. Ich will ja nicht reich werden mit dem Boxen, sondern ich möchte, dass Boxen einen höheren Stellenwert hat in Österreich, damit es auch für die jungen Talente in Zukunft einfacher wird. Wir haben ja wirklich gute Leute, die Österreich repräsentieren."

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