Warum das neue Wanda-Album "Ciao!" heißt

Wanda haben mit "Heute" über ihr neues Album "Ciao!", die Bedeutungen dahinter und ihre Zukunftspläne geplaudert.
Am 6. September erscheint mit "Ciao!" das neue, mittlerweile schon vierte Album der Wiener Band Wanda. Längst ist das Quartett kein Geheimtipp mehr, im deutschsprachigen Raum gibt es wahrscheinlich kaum jemanden, der noch nichts von Wanda gehört hat.

Bei einem gemütlichen Interview in der Silverbar im Hotel "Das Triest" haben sich Sänger Marco Michael Wanda und Gitarrist Manuel Christoph Poppe Zeit genommen, ein wenig über das neue Material und dessen Entstehung zu plaudern. Auch die Grundstimmung der Platte, die eventuelle Bedeutung hinter einzelnen Songs sowie das Thema von Experten und Nicht-Experten wurde ausgelotet.



CommentCreated with Sketch.0 Zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Heute: Wie kann man den Titel der neuen Platte deuten? Ihr verabschiedet euch nicht mit dem kommenden Album "Ciao!"?

Marco Wanda: "Ciao!" ist ein hübsches, kleines Wortspiel, weil es kann Abschied und Begrüßung meinen. Was damit explizit gemeint ist, weiß ich nicht. Am Ende ist es nur ein Titel, den wir immer gerne sehr knapp halten. Wenn man irgendwas daraus lesen will, kann man das wahrscheinlich schon. Vermutlich, dass es eher eine Überfahrt in eine neue Lebensphase bedeutet. Es hat sich in unserem Leben was geändert, das Publikum ist ein bisschen älter geworden. Auf der anderen Seite thematisiert es auch die Frage, wo wir überhaupt hinsteuern, welches Versprechen löst sich ein? Wird das eine bessere oder eine schlechtere Welt? Oder gibt es sowas überhaupt? Also das sind für mich so Assoziations-Rahmen. Aber zu viel hinein zu philosophieren in ein Wort ist schwierig. Das hab ich wahrscheinlich jetzt schon übertrieben.

Manuel Christoph Poppe: Es hat wieder fünf Zeichen. Mit Rufzeichen sind es wieder fünf.

Marco Wanda: Genau. Damit ist es das vierte Album, dessen Titel fünf Zeichen hat. (stimmt nicht ganz - Amore (5), Bussi (5), Niente (6) und eben Ciao! (5), Anm.)

„Als Nicht-Virtuosen sind uns gewisse Grenzen gesteckt."




Heute: Das Album trägt insgesamt noch den typischen Wanda-Signature-Sound, trotzdem gibt es Songs wie "Nach Hause gehen", die neue Seiten von euch zeigen. Wie ist es dazu gekommen?

Marco Wanda: Das ist natürlich alles so ein bissi ein unbewusster Prozess. Das ist schwer zu beantworten. Man hat nicht unbedingt die Deutungshoheit über so ein Album. Gerade, nachdem man es eingespielt hat. Wir haben so gut gearbeitet wie wir können, das machen wir seit Jahren. Wir spielen auf Augenhöhe mit unseren Fähigkeiten. Wenn man eine Weiterentwicklung in diesem Album lesen möchte, dann freuen wir uns schon. Als Nicht-Virtuosen sind uns gewisse Grenzen gesteckt. Innerhalb dieser Grenzen schlagen wir uns ganz tapfer.

Heute: Wie kann man sich so einen Songwriting-Arbeitstag bei Wanda als Außenstehender vorstellen?

Marco Wanda: Es geht schon eher ins Spirituelle irgendwie. Es geht auch nicht immer, in Wahrheit. Aber erstaunlicher Weise ging alles sehr schnell diesmal. Die Songs waren eigentlich in zwei, drei Wochen geschrieben. Das Album eingespielt haben wir in neun Tagen.

Manuel Christoph Poppe: Wir haben uns ein Haus gemietet, in das wir ein Studio reingebaut haben. Um acht in der Früh wurden wir aufgeweckt, dann gab es mal eine Runde Fußballspielen zum Aufwachen. Dann haben wir pro Tag drei Lieder aufgenommen. Dazwischen ein bisschen gegrillt, am Abend dann Fußball geschaut im Fernsehen.

Marco Wanda: Es war entspannt, aber doch sehr konzentriert.

Manuel Christoph Poppe: Ein bisschen so wie in einem Ferienlager, wo man statt einem Haus ein Album baut. Es war im Waldviertel, Nahe der Tschechischen Grenze.

Marco Wanda: In der Nähe von Litschau, wo die Schrammelmusik herkommt. Vor den Fenstern und rund um den Aufnahmeraum war halt Wald. Das gibt schon eine andere Ruhe. Es war toll, so zu arbeiten. Es habe dort zwar viele Familien gelebt, es war aber kein Problem für niemanden. Das Grundstück war auch nicht umzäunt, wir waren quasi eine transparente Rockshow für neun Tage.

Heute: Sind dort auch noch Songs entstanden, oder war das Material in der Rohfassung schon fertig konzipiert?

Marco Wanda: Wir gehen schon gerne, wie im Fußball, mit einer soliden Taktik in so eine Albumaufnahme. Aber wie im Fußball üblich muss man ab der Halbzeit die Taktik auch ändern können. Es gibt immer den Faktor X und das ist das Intuitive, das Mentale. Das passiert dann aber von selbst.



Heute: Inhaltlich schwingt in vielen Tracks Wehmut mit.

Marco Wanda: Über das Leben kann man nur dann Singen, wenn man sich mit dem Leben beschäftigt und das Leben von allen Seite zu verstehen sucht. Ich glaub aber nicht, dass finstere Qualitäten unsere, meine treibendste Kraft sind. Sondern eher der Wille, darüber zu triumphieren. Ich bin viel mehr interessiert an Lebensfreude und Leidenschaft als an den Schattenseiten. Textlich passiert glaub ich seit Jahren alles in diesem Kosmos. Es geht immer wieder um Aufstehen und Weitermachen. Egal, wie schwer das Leben ist.

Manuel Christoph Poppe: Die Betonung sollte auf Mut liegen. Nicht auf Schwermut.

„Ich glaube nicht, dass wir Experten sind für Irgendwas. Außer für's Zigarettenrauchen und Gitarrespielen."


Heute: Zwei Songs sind vom Titel her wieder berühmten Persönlichkeiten gewidmet. "Gerda Rogers" und "Domian".

Marco Wanda: Ich wollte das eigentlich schon in "Columbo" erzählen. Mich fasziniert schon seit langem, was die Motivation ist für einen Teil dieser Gesellschaft, in so einer Form an Wissenschaft und Politik zu zweifeln, dass man sich in diesem Vakuum, dass das hinterlässt, Scheinexperten hingibt. Nicht das Gerda Rogers und Domian Scheinexperten sind, aber so in Ermangelung anderer Figuren hab ich die nur symbolisch genommen. Mich hat vielmehr interessiert, warum man sich von einem YouTuber erklären lässt, dass die Erde eine Scheibe ist. Oder warum man sich so bereitwillig von Nicht-Experten über das eigene Leben oder über die Gesellschaft allgemein etwas erklären lässt. Das ist ein Phänomen, das mich total fasziniert hat.

Heute: Wenn man den Gedanken jetzt vorsetzt, seid ihr ja auch irgendwie Experten, die durch eure Musik und eure Texte den Fans etwas mitgeben. Wie man mit Dingen fertig wird, wie man Dinge sehen kann.

Marco Wanda: Das sind Vorschläge, aber als Experte würde ich mich niemals bezeichnen. Es sind keine ausformulierten Ratschläge. Es ist Musik. Ich glaube nicht, dass wir Experten sind für Irgendwas. Außer für's Zigarettenrauchen und Gitarrespielen.

Heute: Gibt's für euch irgendwelche Experten, von denen ihre euch Ratschläge holt?

Marco Wanda: Absolut überhaupt nicht. Das ist schwierig, weil man lernt wenige Menschen kennen, die das machen was man selber macht. Und wenn ich mal jemanden treffe, der lange dabei ist, dann bin ich bemüht zuzuhören und lerne eher passiv etwas. Wirkliche Vorbilder haben wir nicht als Musiker.

„Rock'n'Roll ist auch in seiner kulturhistorischen Geschichte kein trennendes Idiom, sondern war immer dazu da, gesellschaftliche Klassen zu überwinden."


Heute: Ihr habt im deutschsprachigen Raum schon fast alles erreicht. Gibt's noch irgendwelche Ziele, wo ihr sagt, dass das schon noch in der Vita stehen muss?

Marco Wanda: Ich glaube, wir haben längst nicht alles erreicht, was man erreichen kann. Im großen Maßstab in Deutschland zum Beispiel, glaub ich nicht, dass wir alles erreicht haben. Aber wir sind ganz zufrieden mit dem, was wir erleben dürfen und was für eine Lebenskraft wir daraus beziehen können. Und dass wir in der Lage sind, das was wir lieben zu teilen, ist ein großes Privileg und ein großes Geschenk, das man demütig annehmen muss. Und darüberhinaus ist es unfassbar, dass bei unseren Konzerten so viele unterschiedliche Menschen mit so vielen unterschiedlichen Denkweisen und Ideologien oder Lebensweisen zusammenkommen und sich nach 90 Minuten schwitzend, lachend und weinend in den Armen liegen. Das ist der Grund, warum wir diese Band gegründet haben. Das zu erleben. Rock'n'Roll ist auch in seiner kulturhistorischen Geschichte kein trennendes Idiom, sondern war immer dazu da, gesellschaftliche Klassen zu überwinden. Das wir Teil von dieser Geschichte sein dürfen, ist herausragend.

„Aber wenn sie uns nicht mehr wollen, dann hören wir auf."


Heute: Könntet ihr euch vorstellen, so wie die Stones, Elton John oder Paul McCartney, mit Mitte 70 auch noch auf der Bühne zu stehen?

Marco Wanda: Es wäre schön, es so weit zu bringen. Musik ist das natürlichste auf der Welt für uns, und das ein Leben lang mit vielen Menschen teilen zu können, das wäre das Ziel, das wäre schön. Aber wenn sie uns nicht mehr wollen, dann hören wir auf.

Bevor das eventuell der sehr unwahrscheinliche Fall werden wird, gibt es Wanda noch auf großer Tour zu "Ciao!" zu sehen. In Wien stehen die Jungs am 15. und 16. Mai 2020 auf der Bühne der Wiener Stadthalle.

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