Warum Bluthochdruck für Frauen gefährlicher ist

In jungen Jahren sind Frauen in puncto Blutdruck besser unterwegs als Männer. Das ändert sich später.
In jungen Jahren sind Frauen in puncto Blutdruck besser unterwegs als Männer. Das ändert sich später.
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Laut einer norwegischen Studie führt schon gering erhöhter Blutdruck bei Frauen ab 40 zu einer Verdoppelung der Herzinfarkthäufigkeit ab 50 Jahren.

Ergebnisse früherer Studien deuten darauf hin, dass sich bestimmte arterielle Veränderungen bei Frauen früher entwickeln und schneller fortschreiten, einschließlich des Umbaus der kleinen Arterien, der wiederum mit einer koronaren, mikrovaskulären Dysfunktion und einem erhöhten Herzinfarktrisiko in Verbindung gebracht wurde. Darauf basierend war es Ziel der Studie von Ester Kringeland von der Universität in Bergen in Norwegen, zu testen, ob ein leicht erhöhter Blutdruck in den frühen 40er Jahren für Frauen ein anderes Risiko für ein akutes Koronarsyndrom in der Lebensmitte mit sich bringt als für Männer.

Dazu untersuchten sie 12.329 Teilnehmer, davon waren 51 Prozent Frauen mit einem Durchschnittsalter von 41 Jahren. Die Teilnehmer wurden nach Blutdruckkategorie gruppiert: Normaler Blutdruck (< 130/80 mmHg), Hypertonie Stadium 1 und Stadium 2 (≥140/90 mmHg). Ein akutes Koronarsyndrom war definiert als Hospitalisierung oder Tod aufgrund eines Myokardinfarkts oder einer instabilen Angina pectoris während der 16-jährigen Nachbeobachtungszeit.

Doppelt so hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Zu Beginn der Studie hatte ein geringerer Anteil der Frauen als der Männer eine Hypertonie im Stadium 1 bzw. 2 (25 vs. 35 Prozent und 14 vs. 31 Prozent). Während der Nachbeobachtung erlitten 1,4 Prozent der Frauen und 5,7 Prozent der Männer ein Akutes Koronarsyndrom. Nach Adjustierung für Diabetes, Rauchen, Body-Mass-Index, Cholesterin und körperliche Aktivität war Hypertonie im Stadium 1 bei Frauen mit einem höheren Akuten Koronarsyndrom-Risiko verbunden, während der Zusammenhang bei Männern nicht signifikant war. Nach zusätzlicher Adjustierung für den systolischen bzw. diastolischen Blutdruck war die diastolische Hypertonie im Stadium 1 bei Frauen mit einem Akuten Koronarsyndrom in Zusammenhang, nicht jedoch bei Männern. Während die systolische Hypertonie im Stadium 1 bei beiden Geschlechtern nicht mit einem Akuten Koronarsyndrom assoziiert war.

Das Ergebnis: Nur wenig erhöhter Blutdruck war bei Frauen mit dem doppelten Risiko einer akuten Koronarerkrankung im mittleren Lebensalter verbunden. Diese Korrelation wurde bei Männern nicht gefunden.

Studienautorin Kringeland sieht die Ergebnisse als weiteren Beleg dafür, dass für Frauen offenbar der Blutdruck als Risikofaktor für Herzinfarkt oder instabile Angina pectoris als Vorstufe von größerer Bedeutung ist als bei Männern: "Unsere Analysen bestätigten, dass schon gering erhöhter Blutdruck das Risiko für Koronarerkrankungen in einer geschlechter-abhängigen Weise beeinflusst. Das verstärkt die Hinweise darauf, dass Bluthochdruck speziell bei Frauen negative Auswirkungen auf das Herz hat. Junge Frauen haben im Durchschnitt geringere Blutdruckwerte als Männer, aber in ihrem dritten Lebensjahrzehnt steigen die Blutdruckwerte stärker an. Weil aber die Grenzwerte für Hypertonie für Männer und Frauen gleich sind, wird die Diagnose bei Frauen zumeist erst nach einem stärkeren Anstieg der Blutdruckwerte diagnostiziert als bei Männern."

Ideale Werte

Die Empfehlung der Expertin: Frauen sollten ihre Blutdruckwerte kennen, besonders auf das Körpergewicht, eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung achten. Als optimal werden von den Hypertonie-Fachleuten Blutdruckwerte unter 120/80 mmHg (systolisch/diastolisch) angesehen. Normal: 120-129/80-84 mmHg, Hochnormal: 130-139/85-89 mmHg. Darüber beginnt die Hypertonie. Die Diagnose erfolgt durch den Arzt.

Zur Bestimmung des Blutdrucks werden zwei Werte ermittelt, der systolische und der diastolische Blutdruck:

Der systolische Druck(oberer Messwert) entspricht dem während der Anspannungs- und Auswurfphase der linken Herzkammer maximal entwickelten Druck. Die Anspannungs- und Auswurfphase wird als Systole bezeichnet.

Der diastolische Wert (unterer Messwert) entspricht dem niedrigsten Druck während der Entspannungs- und Erweiterungsphase des Herzmuskels. Die Phase zwischen größter Druckentwicklung (systolischer Druck) und größtem Druckabfall (diastolischer Druck) wird als Diastole bezeichnet. Während der Diastole füllen sich die Herzkammern mit neuem Blut.

Der Blutdruck wird in mmHg angegeben. 1 mmHg ist der Druck, den ein Millimeter (mm) einer Quecksilbersäule (Hg) ausübt. Dabei entspricht: 1 mmHg = 0,00133 bar.

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