Warum die Kriminalstatistik ein "gutes Zeichen" ist

Bild: Helmut Graf

Die Präsentation der Kriminalstatistik sorgt jedes Jahr für Aufsehen. Man könnte glauben, dass die Kriminalität in Österreich explodiert. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch klar: Die Zahlen verfälschen das Bild. Ein Experte erklärt.

Kriminalsoziologe Arno Pilgram erklärt in der "ZIB24", warum die Kriminalstatistik für 2016 eigentlich ein Grund zum Jubeln ist. Zwar sind die Anzeigen im Vergleich zum Jahr 2015 angestiegen, beobachtet man aber einen Zeitraum von 10 Jahren, sieht man, dass sie im Vergleich mit 2006 um 9,6 Prozent gesunken ist.

Keine Angst vor Asylwerbern

Fast 61 Prozent der Angezeigten sind Österreicher. Bei den rund 39 Prozent der "fremden" Angezeigten führen Rumänen, Deutsche und Serben die Statistik an. Für den insgesamten Anstieg der Anzeigen im Vorjahr sind vor allem die "leichten Körperverletzungen" verantwortlich. Diese Zahl ist stark gestiegen, aber: 75 Prozent betrifft Gewalt von Asylwerbern untereinander.

"Zweitbestes Jahr"

Wie bei jeder Statistik ist auch die Anzeigenstatistik Ansichtssache: "Wenn man einen Zeitraum von zehn Jahren hernimmt, haben wir heuer das zweitbeste Jahr", so Pilgram. Berücksichtigt man dazu noch das Bevölkerungswachstum seit 2006, wäre eigentlich ein Anstieg von 8 Prozent normal gewesen. Stattdessen sind die Straftaten im 9,6 Prozent gesunken.

Nichts miteinander zu tun

Anzeigen (das was die Statistik erhebt) haben nicht unbedingt etwas mit dem Ansteigen der Kriminalität zu tun. Sie spiegeln lediglich die angezeigten Straftaten wider. Dass es mehr Anzeigen im Vergleich zum Vorjahr gegeben hat, hat auch damit zu tun, dass neue Straftatbestände eingeführt wurden.

So ist etwa "Po-Grapschen" oder die "Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung" erst seit 2016 strafbar. Solche Delikte sind zwar auch schon 2015 passiert, konnten damals jedoch noch nicht zur Anzeige gebracht werden.

Emanzipation

Mehr Anzeigen sind für Pilgram auch ein Zeichen der Emanzipation. Bei 2 von 3 Gewaltdelikten sind Beziehungstaten. Es ist als positiv zu werten, wenn die Opfer sich auch trauen, eine Anzeige zu erstatten.

Die gestiegenen Anzeigen drücken also auch aus, dass es eine wachsende Bereitschaft in der Bevölkerung gibt, zur Polizei zu gehen, der Pilgram ein vertrauenswürdiges und kompetentes Image bescheinigt.

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