Warum in Österreich die Wölfe wieder verschwinden

2018 lebten noch drei Wolfsrudel in Österreich - 2019 nur noch eines. Die Tiere scheinen spurlos zu verschwinden. Wolfsexperte Kurt Kotrschal zieht Bilanz.

(Text von Kurt Kotrschal; Wolfsexperte, Verhaltensforscher und Biologe.)

Polizei und Gerichte scheinen diese Affen– pardon, Wolfsschande nicht sonderlich ernst zu nehmen.

In den letzten 20 Jahren stieg die Zahl der Wölfe in Italien auf etwa (Wölfe zählen ist nicht einfach) 2.000 Tiere, in Frankreich auf 500 und in Deutschland auf 1.000.

Experten meinen, Österreich wäre ein sehr guter Lebensraum für Wölfe, mit Platz für 100-200 Rudel, je nachdem, wen man fragt. Trotzdem kam es erst 2016 zur ersten Rudelgründung am geschützten niederösterreichischen Truppenübungsplatz in Allentsteig.

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Bundesheer passt auf Wolfsrudel auf

Seitdem passt das Bundesheer gut auf „ihre" Wölfe auf, jährlich gibt es Nachwuchs. Man konnte erwarten, dass es nun auch in Österreich, wie in Italien, Deutschland oder anderswo in Europa, jährlich mehr Rudel geben würde. Gegründet durch Zuwanderer, während der Nachwuchs aus Allentsteig weit weg versuchen würde, Partner zu finden, wie es eben Wolfsart ist.

Daher war es keine Überraschung, als 2018 zwei weitere Rudel im nördlichen Niederösterreich auftauchten, eines davon nahe Karlstift, ein weiteres nicht allzu weit weg, direkt an der Grenze zu Tschechien.

Aus drei Rudeln wurde wieder eines

Für 2019 war mit weiteren Rudeln zu rechnen, aber es kam anders. Bereits im Frühsommer verschwand der Rüde des Kalstifter Rudels, bis Jahresende der Rest. Bleibt im Moment bloß das einsame Rudel in Allentsteig.

Aber Wolfsrudel verschwinden nicht von selber. Es wird offenbar illegal getötet, was das Zeug hält.

Den Beleg dafür lieferte heuer im Herbst jener Schütze, der im Tiroler Sellrain einen Wolf erschoss, den Kopf abschnitt und den Körper liegen ließ. Außerdem existieren wissenschaftliche Modellrechnungen, die klar die Wilderei als Hauptgrund für die langsame Rückkehr der großen Beutegreifer, Luchs, Wolf und Bär verantwortlich machen.

In Österreich verschwinden Wolf, Luchs und Bär

Besonders schlimm ist es in Österreich. Hier werden Luchse im Nationalpark abgeschossen, mit anschließenden „Siegesfeiern" in lokalen Wirtshäusern. Hier wurden um die Jahrtausendwende die Braunbären wieder ausgerottet. Wie schon 150 Jahre zuvor.

In Österreich werden die Wölfe weniger, nicht mehr. Ohne Bundeheer wären auch sie bereits wieder ausgerottet.

Und das zu Zeiten von Klimawandel und Artensterben. Ist den Wilderern eigentlich klar, dass sie sich mit dem Töten von Wölfen, Bären, Luchsen und Greifvögeln gegen jeden gesellschaftlichen Konsens ins eigenen Knie schießen? Und uns allen gleich mit.

Es ist vernünftig, das Klima und die Arten zu schützen

Polizei und Gerichte scheinen diese Affen– pardon, Wolfsschande nicht sonderlich ernst zu nehmen. Die Politik auch nicht, selbst die Grünen schweigen dazu. Man kann aber nicht das Klima und die Arten schützen und gleichzeitig Wölfe, Luchse und Greifvögel abknallen.

Es ist Zeit, dass endlich etwas geschieht. Und dass die immer ach-so-gesetzestreuen Jagdverbände Ordnung im eigenen Saustall schaffen.

Wenig tröstlich übrigens, dass Österreich als wildbiologischer Schandfleck in Europa nicht alleine dasteht. Eben wurde in Schweden wieder die Jagd auf das gefährdete Vielfraß und auf mehrere hundert Luchse pro Jahr freigegeben – ein Gutteil der Population! Jagdliche Unvernunft hält Europa in Geiselhaft. Es wird Zeit, daran etwas zu ändern.

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