"Wenigstens seid ihr hier" – So geht Clown in Corona

Marie Miklau schlüpft schon seit 10 Jahren in die Rolle der Clownin: "Dr. DI Dagmar"
Marie Miklau schlüpft schon seit 10 Jahren in die Rolle der Clownin: "Dr. DI Dagmar"©Rote Nasen
Seit 1996 bringen die Clowndoktoren der "ROTEN NASEN" Humor in die Spitäler und Altenheime. Gerade während der Pandemie sind sie oft der letzte Halt.

Mit dem passenden Slogan "Ihre Medizin ist der Humor" bringen die Clowns und Clowninnen der ROTEN NASEN seit 1996 Schmunzeln und Gekicher in die öden und sterilen Krankenzimmer. In der schweren Corona-Zeit leiden natürlich pflegebedürftige Personen - egal ob alt oder jung - unter der Isolation aufgrund der oft harten Maßnahmen. Heute.online sprach mit Marie Miklau, oder besser gesagt "Dr. DI Dagmar" die ihren Berufsalltag als Clownin schilderte.

Nach der Clownschule in Spanien

"Ich kam eigentlich per Zufall zu den ROTEN NASEN. Ich habe die Clownschule (witzig, oder?) in Spanien besucht und konnte mir unter der Arbeit der Clowndoktoren so gar nichts vorstellen, aber dann blieb ich dabei", so Miklau. Vorausschicken muss man hier, dass die Personen hinter der Rolle des Clowns allesamt Künstler sind. Sänger, Musiker, Tänzer, Schauspieler, und Artisten setzen sich den rosa Ball auf die Nase, entwickeln gemeinsam lustige Geschichten und tun alles, um kranken und alten Menschen ein Lächeln zu entlocken.

Warum eigentlich Clowns?

Miklau lacht: "Vor allem seit der Neuauflage von Stephen Kings 'ES', kommt diese Frage häufiger. Ich finde den Vergleich zum gruseligen und kinderverschlingenden Monster eigentlich ganz witzig. Vor allem Jugendliche kann man hier wunderbar aufziehen und ihnen ein bisschen den Schneid abkaufen - am Ende des Tages lachen wir dann gemeinsam, wenn ich scherzhaft versuche besonders gruselig ins Krankenzimmer zu hopsen." Die Philosophie der Clowns, erklärt uns Miklau, sei die des Begegnungskünstlers. Ein Clown kann praktisch alles sein und in seinen Reaktionen immer flexibel agieren.

Impfung, Tests und Maske

Miklau schlüpft bereits seit 10 Jahren in die Rolle der "Dr. DI Dagmar" mit der roten Nase und freut sich auf jeden neuen Arbeitstag. "Während des ersten Lockdowns mussten auch wir eine Pause machen, weil noch niemand genau wusste, ob und wie wir zu den Patienten kommen könnten", erzählt die Clownin, "mittlerweile sind wir alle geimpft, werden natürlich vor jedem Besuch getestet und arbeiten auch immer mit Maske. Am Anfang mussten wir uns umstellen, um die Emotionen fast ausschließlich mit den Augen zu transportieren. Nach fast einem Jahr, hat sich aber die Bevölkerung an die Maske gewöhnt und beobachtet die Mimik Nase aufwärts."

Zoom-Meetings und Hebebühnen

"Wir mussten kreativ werden. Wir bieten Online-Besuche aus dem 'Clownzimmer' an und in der Steiermark und in Kärnten standen einige von uns sogar auf Hebebühnen vor den Spitalsfenstern". Bei den Senioren sind die Clowns und Clowninnen ebenfalls beliebt und oft kennt man sich schon jahrelang. Was bei den Kindern eher eine Momentaufnahme während einer Behandlung ist, so freuen sich die älteren Semester auf Hofkonzerte der Klinik-Künstler, die sie geschützt aus dem Balkon genießen können.

"Wenigstens ihr kommt!"

Miklau hatte sich im Vorfeld auch auf negative Aussagen während der Pandemie eingestellt, aber die kamen nicht. "Ich dachte mir oft, dass uns doch manche Leute vermutlich zum Teufel schicken würden, weil ihre Familie nicht kommen darf, wir aber schon - ganz im Gegenteil - vor allem die Senioren riefen uns schon am Flur zum Zimmer freudestrahlend entgegen, dass wenigstens wir kommen würden."

An ihrer Stimme erkennt man ab der ersten Sekunde, dass Miklau ihren Beruf einfach liebt. "Oft braucht es so wenig, um jemanden aus seinem traurigen Alltag zu reißen. Es reicht oft nur ein Blick durch den Türspalt oder ein völlig doofer Witz. Es ist einfach schön!"

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account tine Time| Akt:
KrankenhausGesundheitÖsterreich

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen