West-Nil-Virus breitet sich auf dem Balkan aus

An Land, vom Wasser und sogar von Helikoptern aus: In Serbien lassen die Behörden nichts unversucht, um die Übertragung des West-Nil-Virus zu blocken.

Seinen Namen verdankt das West-Nil-Virus dem Ort, wo es 1937 erstmals isoliert wurde: dem West-Nil-Distrikt von Uganda. Seither hat es sich weit verbreitet. Inzwischen wurde es auch in Europa mehrfach nachgewiesen, unter anderem in Österreich, Italien und Deutschland. Auch in Serbien ist der Erreger seit einigen Jahren regelmäßig anzutreffen, wie Telegraf.rs schreibt: Von 2012, als er erstmals in dem Land nachgewiesen wurde, bis 2019 erkrankten 1016 Menschen in Serbien am West-Nil-Fieber, 98 starben (siehe Box).

Für dieses Jahr erwarten Experten eine Plage, so Violeta Rakic, Epidemiologin am Gesundheitsamt in der serbischen Hauptstadt zu Informer.rs: In Belgrad seien bereits die ersten infizierten Mücken entdeckt worden. Sie sind diejenigen, die das Virus zum Menschen bringen. Zwar ist den Behörden im Land noch keine Ansteckung bekannt. Aber man wisse, dass vom ersten Nachweis des Virus bei einer Mücke bis zur Infektion eines Menschen in der Regel etwa zwei Wochen vergehen. Entsprechend sei es nun an der Zeit, die Bevölkerung zu warnen.

Das erwartet Infizierte

In Einzelfällen kann der Erreger das Nervensystem befallen und es kommt zu Hirn- und Hirnhautentzündungen. Meist bleibt eine Infektion allerdings ohne Folgen. Bei etwa 20 Prozent entwickeln sich grippeähnliche Symptome wie Gliederschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühle, Kopfweh und geschwollene Lymphknoten. Rund 80 Prozent der Infizierten überstehen die Infektion ohne Symptome. Impfungen gibt es nicht.

Das West-Nil-Virus wird vor allem von Stechmücken zwischen wild lebenden Vögeln übertragen. An Vögeln infizierte Mücken können das Virus aber auch auf Säugetiere wie Pferde und Menschen übertragen. Oftmals dienen Häufungen von Fällen toter Vögel und erkrankte Pferde als Auslöser dafür, die Fallsuche auch auf Menschen auszudehnen. Inzwischen ist auch bekannt, dass sich das Virus über Organtransplantation, Bluttransfusionen sowie während der Schwangerschaft übertragen kann. In der Schweiz haben medizinische Dienste wie Blutspendedienste darauf bereits reagiert.

Heiße Phase beginnt

Rakic rät den Menschen in Serbien, besonders mückenreiche Gebiete wie Wälder, Flüsse und Sümpfe zu meiden – vor allem am Morgen und am Abend. Zudem empfiehlt sie, wann immer möglich lange und weite Kleidung zu tragen und Mückenschutzmittel zu nutzen. Auch Moskitonetze und Fenstergitter seien ratsam. Zudem sollten mit Wasser gefüllte Regentonnen und Blumenuntersetzer regelmäßig geleert werden, weil Wasserstellen ideale Brutstätten für Mücken sind.

Übertragungen des West-Nil-Virus auf den Menschen werden auf dem Balkan am häufigsten in der zweiten Julihälfte und im August registriert. Grund dafür sind die Wetterbedingungen. Insbesondere wenn auf Regen warme Sommertage folgen ist mit einer erhöhten Anzahl von Mücken zu rechnen: "Wir haben bereits einen Anstieg des Wasserspiegels der Donau am Eingang zu Serbien, und wir erwarten ihren Anstieg hier in der Vojvodina in den kommenden Tagen – es ist unvermeidlich, dass dieser Anstieg des Wasserspiegels neue Mückenquellen bildet", sagt Dario Acimovic von der Helikopter-Firma Ciklonizacija gegenüber Telegraf.rs. Gemeinsam mit seinen Kollegen überwacht er die Mückensituation an Land, vom Wasser und aus der Luft und versprüht Insektizide (siehe Box).

Gefährlich für Bienen

Die Ausbringung der Insektizide soll bis 1. August dauern, teilt das Helikopter-Unternehmen auf Facebook mit. Versprüht wird dabei eine Kombination der Insektizide Lambda-Cyhalothrin und Deltamethrin, einer nicht nur für die Mücken tödlichen Mischung: "Imker werden davor gewarnt, dass das Insektizid für Bienen giftig ist und die Bienenstöcke mindestens fünf Kilometer von den genannten Sprühpunkten entfernt sein sollen", schreibt die Firma. Die Wirkung des Produkts hält drei Tage lang an. Auch Menschen sollten sich während dieser Zeit wohl besser von den Orten fernhalten.

Dass wegen des West-Nil-Virus überhaupt außerhalb Afrikas ein solcher Aufwand betrieben werden muss, ist dem Klimawandel geschuldet. Aufgrund von steigenden Temperaturen kann das Virus auch in Stechmücken überwintern. Temperaturen über 20 Grad sind Expertinnen und Experten zufolge für die Vermehrung dieser Viren ideal.

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