Wiener City bekommt Parkplätze für Anrainer

Bild: Büro BV Ursula Stenzel / Fotolia

Ein Parkplatz vor der Haustüre - auf diesen Traum jedes Autobesitzers haben die Bewohner der Wiener Inneren Stadt jetzt zumindest deutlich bessere Chancen. Denn der erste Bezirk hat sich mit der Stadt geeinigt und führt flächendeckend Anrainerparkplätze ein. Die ersten 1.000 Plätze sollen noch bis Herbst entstehen, kündigte Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (ÖVP) am Donnerstag an. Die Wirtschaftskammer Wien kritisiert das Vorhaben.

am Donnerstag an. Die Wirtschaftskammer Wien kritisiert das Vorhaben.

Zukünftig dürfen auf insgesamt 20 Prozent aller verfügbaren Parkplätze nur noch Bewohner des ersten Bezirks mit einem Parkpickerl sowie Personen mit einem Behindertenausweis halten und parken. "Da sich die Parkraumbewirtschaftung für die Bewohner der Inneren Stadt als nachteilig erwiesen hat, sind die Bewohnerparkplätze dringend notwendig geworden", erklärte Stenzel bei einer Pressekonferenz und freute sich über diese fraktionsübergreifende "Pioniertat".

1.000 Parkplätze bis Herbst 2014  

Tatsächlich standen Vertreter aller Parteien auf dem Podium der Pressekonferenz, allerdings mit "verschiedenen Abstufungen der Zufriedenheit", wie es Stenzel formulierte. Sie selbst hätte sich statt der 20 Prozent lieber die Hälfte aller verfügbaren Parkplätze für die Bewohner der Inneren Stadt gewünscht. Nun werden es bis Herbst erst einmal etwa 1.000 Parkplätze, dann wird evaluiert und ein Jahr später die zweite Tranche mit weiteren rund 600 Stellplätzen ausgerollt.

Gleichmäßig auf den Bezirk verteilt  

Dabei habe man darauf geachtet, die reservierten Autoabstellflächen gleichmäßig über den Bezirk zu verteilen und "die Anzahl der vorhandenen Stellplätze in Beziehung zur Anzahl der Bewohner und der bereits vergebenen Parkpickerl zu setzen", wie der Leiter der parteiübergreifenden Arbeitsgruppe, Stephan Unger, erklärte. Einen Platz vor der Haustür garantiert das allerdings auch nicht, denn die Stellplätze sind keiner bestimmten Region zugeordnet. Über die ersten Parkplätze dürfen sich jedenfalls die Menschen im Stubenviertel freuen, wo demnächst 125 Flächen ausgewiesen werden. Schrittweise folgen im Sommer dann die neuen Markierungen im Kärntner-, Schotten- und Burgviertel sowie in der Altstadt.

Parkplätze für Pendler reduziert  

"Wir reduzieren Parkplätze für Einpendler, ohne den Bewohnern des Bezirks zu schaden", freute sich die stellvertretende Bezirksvorsteherin Daniela Stepp (SPÖ). Diese Lösung eigne sich für den ersten Bezirk besondern, da hier der Parkplatz-Druck durch einpendelnde Autofahrer besonders hoch sei. Auch die Bezirksvertreter der ÖVP, Markus Figl, sowie der Grünen, Alexander Hirschenhauser, zeigten sich durchaus zufrieden. "Es ist ein Freudentag, auf den wir siebzehn Jahre gewartet haben", meinte Hirschenhauser, der die Regelung als ein Mosaiksteinchen am Weg zum verkehrsberuhigten Zentrum sah.

Haltemöglichkeiten auf Parkplätzen gewünscht  

Ein bisschen Kritik gab es dagegen von Georg Fürnkranz (FPÖ): Auch wenn man sich dem Kompromiss gerne anschließe, wünschte er sich Haltemöglichkeiten auf reservierten Parkplätzen, etwa für Zustelldienste. "So haben wir jetzt einen Fleckerlteppich und einen Schilderwald statt einer wirklich flächendecken Lösung", kritisierte er. Die Lösung ist nun auch für andere Bezirke angedacht.

Kritik von der Wiener Wirtschaftskammer

Die Wirtschaftskammer Wien befürchtet massive negative Folgen für den Wirtschaftsverkehr und für die Erreichbarkeit der 8300 Betriebe in der Innenstadt und hat neue Vorschläge ausgearbeitet:

Park- anstelle eines Halteverbots, um kurze Liefertätigkeiten zu ermöglichen.
Forderung nach einer zeitlichen Staffelung der Anwohnerzonen entsprechend tatsächlichem Bedarf: Anders als in vergleichbaren Städten würde die neue Wiener Regelung derzeit rund um die Uhr gelten.
Gleichbehandlung Anrainer und Betriebe: Öffnen der Anwohnerzonen für betriebliche KFZ mit Parkkarte für den Ersten Bezirk und für Montage- und Servicefahrzeuge.
Anwohnerzonen nur an einer Straßenseite und nur dort, wo keine Betriebe mit Zufahrts- und Ladebedürfnissen angesiedelt sind.

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