Wiener Kindergarten-Kids machen Ex-Skistar zur Braut

Mit dem Projekt "Beweg dich schlau" will Ex-Skistar Felix Neureuther (37) Kindern die Freude an Bewegung beibringen. Nun startet es auch in Wien.

Dass Bewegung gesund ist, weiß jeder. Dennoch sieht die Realität oft anders aus: Zwischen Büro, Öffis oder Auto und dem gemütlichen Fernsehabend: Der moderne Mensch ist zu einem sitzenden Menschen geworden. Auch Kinder verbringen mittlerweile oft mehr Zeit im Sitzen als bei Laufen, Springen oder Rumtoben. Laut einer Empfehlung des Öffentlichen Gesundheitsportals Österreich sollten Kinder im Kindergartenalter täglich mindestens drei Stunden körperlich aktiv sein. Eingehalten wird das wohl nur selten, dabei würde Bewegung dazu beitragen, Kinder schlau zu machen.

"Life Kinetic"-Übungen für Körper und Geist

Hier setzt das Projekt "Beweg dich schlau" von Ex-Slalomprofi Felix Neureuther (37) an. Darin stellte er ein Training vor, das sich vor allem an die Altersgruppen 1 bis 3 und 4 bis 6 Jahre richtet und den Kleinen die Freude an Bewegung näher bringen soll. Das Programm "Beweg dich schlau" umfasst spielerische Bewegungsübungen, die Kopf und Körper gleichzeitig aktivieren. Trainiert werden Gleichgewicht, Kraft, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Wie genau das aussieht, zeigte Neureuther am Montag im Kindergarten "Katharina von Siena" der St. Nikolausstiftung (Erzdiözese Wien) in der Kundrathstraße 7 (Favoriten) vor.

"Freude in Kinderaugen schöner als jeder Pokal"

"Arbeiten mit Kindern hat mir schon immer Spaß gemacht. Wenn ein Kind nach dem Rennen zu mir kam, um um ein Autogramm zu bitten und dann mit leuchtenden Augen wieder gegangen ist, war das schöner als jeder Pokal", erklärt Neureuther. Die Freude in den Augen der Kinder zu sehen, steht auch im Zentrum seines Programms "Beweg dich schlau".

Aufbauend auf einem Life Kinetic-Training, das er selbst als aktiver Spitzensportler absolvierte, will er schon bei Kindergartenkindern zu mehr Sport motivieren und die Freude an der Bewegung vermitteln. Im September startete das Bewegungsprogramm in Kindergärten seiner bayrischen Heimat, nun kommt es erstmals nach Wien.

Dass nun auch seine zweite Heimat Österreich dabei ist, freut Neureuther besonders. "Wir wollen möglichst viele Kinder erreichen und in eine gesunde Zukunft schicken". Dabei nimmt der Skistar Eltern und Bildungseinrichtungen in die Pflicht. "Die Leute, die jetzt Kinder bekommen, sind noch ohne Handy und Digitalisierung aufgewachsen. Das hat sich massiv verändert". Daher sei es so wichtig, schon möglichst früh bei Kindern die Bewegung zu fördern. 

Start in 26 Kindergärten, Projekt auf zwei Jahre anberaumt

Gestartet wird der Wiener Zweig von "Beweg dich schlau" in 26 Kindergärten der St. Nikolaus Stiftung. Damit die Kids künftig von den Übungen und Spielen profitieren können, müssen deren Erzieher zuerst im Oktober und November die Schulbank drücken. "In einem Basiskurs mit vier Stunden werden die Boxen, deren Inhalt und Einsatzmöglichkeiten erklärt", sagt "Beweg dich schlau"-Head Coach Michael. Für kommendes Jahr ist ein Update-Kurs, wieder mit vier Stunden, geplant. Danach folgt ein eineinhalbstündiges Get Together, bei dem die Pädagogen untereinander Erfahrungen austauschen und das Projekt so weiterentwickeln können.

Das Bewegungsprogramm ist so konzipiert, dass wirklich alle mitmachen können. Nicht jedes Kind muss also sportlich sein. Dabei werden Bewegungsübungen mit Denkaufgaben verbunden. Beispiel: Die gewürfelte Seite des Farbwürfels zeigt gelb. Nun müssen die Kinder schnell von A nach B laufen und eine Hand auf den farblich passenden Gummiring legen. Klingt ziemlich einfach, für ein ein- bis dreijähriges Kind gibt es dabei aber eine ganze Reihe von Aufgaben zu meistern: Das Sehen und Merken der Farbe auf dem Würfel, das Erkennen des passenden Rings und seiner Position, die gezielte Bewegung von einem Ort an einen anderen und schließlich dann noch daran denken, dass eine Hand den Ring berühren muss.

Boxen mit je 120 Einzelteilen für gesunde Entwicklung

Die Spielboxen enthalten je 120 Einzelteile, von Bällen, Bändern, Balanceboards bis hin zu Spielkarten, die weitere Tipps zur Anwendung geben. Zudem sind hier für Pädagogen die Nutzen der jeweiligen Übungen zusammengefasst, dies wurde wissenschaftlich durch die TU München evaluiert. Noch wichtiger: Die Kids, die die Boxen bereits zum Spielen bekommen haben, waren begeistert.

Auch für die Kinder im Kindergarten in der Kundrathstraße gab es nach dem Öffnen der Box kein Halten mehr. Mittendrin Ex-Profisportler Neureuther. Mit sichtlicher Freude lieferte er sich mit den Ballwechsel, probierte aus, welche Schläuche die schönsten Geräusche machen und ließ sich sogar mit Netzen zur "Braut" umgestalten.

Olympia-Zehnkampf im Kinderzimmer

Wer jetzt Lust bekommen hat, einige Übungen selbst auszuprobieren, kann das mit Hilfe des Internets tun. Auf seiner Webseite bietet Neureuther Übungen an, die auf unterschiedliche Altersgruppen zugeschnitten sind und im Schwierigkeitsgrad ansteigen. Das Papierkugel balancieren klingt noch recht harmlos, wenn es aber um ein "Olympia-Training im Zehnkampf" geht, könnte so mancher Elternteil hellhörig werden. Dafür ist die Übung "Kinderzimmer aufräumen" sicher in deren Sinne.

Privatsender unterstützt Bewegung für mehr Bewegung

Hilfe bei seinem Ziel, den Kids auf die Beine zu helfen, erhält Neureuther vom Privatsender ServusTV. Da die finanzielle Hilfe im Vereinsalltag oft gerade im Nachwuchsbereich fehlt, stellt ServusTV für den Nachwuchs (im Alter von 6 bis 16 Jahren) in den 15.000 österreichischen Sportvereinen einen Gesamtbetrag von 15 Millionen Euro zur Verfügung.

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