Wiener leiden täglich unter 8.000 Cyber-Attacken

25.000 Cyber-Angriffe finden täglich in ganz Österreich statt – etwa ein Drittel davon entfällt auf Wien.

"Wien ist der Brandherd der Internet-Kriminalität", bringt es Martin Heimhilcher, Obmann der Sparte Information und Consulting der Wirtschaftskammer Wien, im Rahmen einer Pressekonferenz zum Thema Cybercrime auf den Punkt. Pro Jahr gibt es in ganz Österreich rund 25.000 Cyber-Angriffe, rund ein Drittel davon betrifft die Bundeshauptstadt.

2017 wurden in Österreich 16.804 Internet-Betrugsfälle angezeigt, 3.701 mehr als noch ein Jahr zuvor. Spitzenreiter ist Wien mit 5.596 Fällen. 2016 wurden noch 4.256 Anzeigen wegen Cyber-Kriminalität verzeichnet, das entspricht einer Steigerungsrate von satten 31,5 %. Nur etwas mehr als ein Drittel (38 %) aller Fälle wird aufgeklärt: "Die Aufklärungsquote ist stark deliktsabhängig. Bei technischen Delikten sind die Ermittlungen oft sehr schwierig", erklärt Leopold Löschl, Leiter des Cyber Crime Competence Centers im Bundeskriminalamt.

Im Cyber Crime Competence Center laufen österreichweit alle Fäden zusammen. Rund 50 Mitarbeiter – Techniker und Kriminalbeamte – kümmern sich um die Aufklärung der Fälle, oft in enger Kooperation mit internationalen Organisationen wie Europol und Interpol.

Ransomware als neuer Crime-Trend

Von den früher oft schlecht formulierten Phishing-Mails geht der "Trend" in den vergangenen 1,5 Jahren in Richtung Ransomware. Cyber-Kriminelle hacken sich in ein System und blockieren dann einzelne Computer oder ganze Rechner. Berühmtester Fall 2017: Das Seehotel Jägerwirt auf der Turracher Höhe (Stmk.) wurde Opfer einer Cyber-Attacke, die Kriminellen hatten Zugang zum elektronischen Schlüssel-System und blockierten die Hotelzimmer-Türen. Sie forderten Lösegeld, erst dann, wollten sie die Türen wieder freigeben.

Und noch eine Entwicklung ist spürbar. Die Verbrecher haben dazu gelernt. Die E-Mails werden besser formuliert, die Angriffe immer trickreicher. Oft greifen die Kriminellen ganz bestimmte Unternehmen – betroffen sind meist Klein- und Mittelbetriebe – an, und dies auf unterschiedlichste Arten: "Die häufigsten Angriffswege sind E-Mail, Web-Browser, das Netzwerk, Social Engineering und Datenträger wie USB-Sticks", berichtet IT-Sicherheitsexperte Harald Wenisch, der die meisten Attacken von Russland und China aus ortet.

Vom Hacker zum Cybercrime-Business

Mittlerweile sitzt nicht ein einzelner Hacker vor dem Computer und dringt in Systeme ein – es hat sich ein regelrechtes Cybercrime-Business entwickelt. So gibt es eigene Händler, die etwa Sicherheitslücken und Web-Angriffs-Pakete anbieten. Doch wie können sich Unternehmen und Privatpersonen schützen? "Die verwendete Software, besonders Antiviren-Programme und Firewalls, sollte immer auf dem letzten Stand sein. Veraltete Software öffnet virtuellen Einbrechern Tür und Tor", meint Martin Puaschitz, Obmann der Fachgruppe UBIT Wien (Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie).

Hilfe bietet ab sofort auch die 24-Stunden-Cyber-Security-Hotline der Wirtschaftskammer Wien. Unter 0800 888 133 stehen geschulte Mitarbeiter Unternehmern mit Rat und Tat zur Seite und vermitteln gegebenenfalls auch Wiener IT-Experten, die rasch vor Ort sind. Egal, ob Privatperson oder Unternehmer, in jedem Fall raten die Experten zu einer Anzeige: "Die Anzeigenmotivation ist derzeit leider noch niedrig. Es ist aber keine Schande, Opfer von Cyber-Kriminellen zu werden. Es kann schließlich jeden treffen", resümiert Leopold Löschl, Österreichs oberster Cyber-Ermittler.

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