Wiener Powerfrauen lassen Corona-Patienten durchatmen

Gesangscoach Kerstin Grotrian (r.) und Ärztin Dr. Stephanie Kail bilden das "Culture4Health"-Team.
Gesangscoach Kerstin Grotrian (r.) und Ärztin Dr. Stephanie Kail bilden das "Culture4Health"-Team.HEUTE
Singen ist die beste Medizin! Eine Sängerin und eine Ärztin erzählen "Heute", wie sie Menschen mit vereinten Kräften helfen, wieder durchzuatmen.

Der Verein "Kultur für Gesundheit" bietet Menschen, die aufgrund der COVID-19-Pandemie in ein Tief geraten sind und keine finanziellen Möglichkeiten haben, ein Coaching der besonderen Art: Wer schon mal nach einem gestressten Tag im Auto zur Radiomusik laut losgeträllert hat, weiß vielleicht um die Wirkung von Gesangs- und Atemübungen...

Die ausgebildete Koloratursopranistin Kerstin Grotrian hat jahrelange Erfahrung im Coaching und weiß genau, welchen Effekt Breathing-Techniken haben. Komplettiert wird das Team durch Allgemeinmedizinerin Stephanie Kail, die ihren Fokus auf Vorsorge und Steigerung der Lebensqualität richtet. Zusammen finden sie Wege, Personen zu helfen, die von der Corona-Krise gebeutelt wurden. In einer Wohlfühloase mitten im Karmeliterviertel (Wien-Leopoldstadt) soll der ganzheitliche Ansatz als Balsam für Körper und Seele dienen.

Im unteren Video erzählen die beiden von ihrem Projekt (Video unten).

Aus der Not eine Tugend gemacht

Das Projekt entstand während der dritten Corona-Welle im Frühjahr 2021. Hausärztin Kail kam in ihrer Praxis nicht mehr hinterher, Patienten mit Corona-bedingten Beschwerden, zu behandeln. Im Wartezimmer reichte das Leid von Nackenschmerzen über Long-Covid bis zum Burnout. "Ich konnte die Probleme nicht mehr abfangen mit meinem Personal", erinnert sich sie sich an die turbulente Zeit.

Sängerin Kerstin Grotrian konnte im Lockdown ihren Beruf nicht mehr ausüben, sah ihre Freundin unter Hochdruck arbeiten und wollte nicht einfach still sitzen: "Neben Corona hatten die Menschen Druck und Stress, sie sind an ihr Limit gekommen und sind erstmal bei Ärzten, Physiotherapeuten und Psychologen gelandet. Es wurden immer mehr und mehr. Im Privaten habe ich zuvor manchmal Atemübungen mit Stephanies Patienten gemacht. Durch das Bewusstwerden der eigenen Atmung bis hin zum Singen, werden körpereigene Prozesse aktiviert, die weitaus effizienter sind, als so manche Medikamente. So kam die Idee!"

Singen wirkt: Speichelproben von Sängern zeigen, dass beim Singen das Stresshormon Kortisol abgebaut und das sogenannte Kuschelhormon Oxytocin dagegen vermehrt gebildet wird. Besonders beim gemeinsamen Singen zeigen sich starke Effekte.

Auf Spenden angewiesen

Das professionelle Gesangs- und Atemtraining sowie die ärztliche Expertise fruchteten sofort und der Schülerkreis wächst stetig. "Wir begleiten Menschen aller Altersgruppen dabei, sich über den Zugang der Kultur, ob durch Atmen, Singen, Literatur, Konzerte, Diskussionsgruppen oder Bewegung, seelisch sowie körperlich zu regenerieren. Viele haben es geschafft, wieder im Leben Fuß zu fassen", berichten die beiden stolz.

Das Coaching wird je nach Bedürfnissen individuell angepasst und reicht vom Einzelcoaching bis zum Chorgesang. Da "Culture4Health" ein Non-Profit-Verein ist, sind sie auf Spenden angewiesen.

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