Winehouse-Doku zieht Cannes in seinen Bann

Das Filmfest Cannes 2015 nimmt Fahrt auf. Die früh verstorbene Amy Winehouse bekommt mit der Musik-Doku "Amy" ein schillerndes Film-Denkmal. Matthew McConaughey begibt sich in Gus Van Sants "The Sea of Trees" auf einen spirituellen Trip am Rande des Todes.

Das Filmfest Cannes 2015 nimmt Fahrt auf. Die früh verstorbene Amy Winehouse bekommt mit der Musik-Doku "Amy" ein schillerndes Film-Denkmal. begibt sich in Gus Van Sants "The Sea of Trees" auf einen spirituellen Trip am Rande des Todes.

Noch selten hat eine Dokumentation die Schattenseiten des Ruhms krasser ins Bild gerückt als "Amy", der neue Film über die grandiose Jazz- und Rock-Vokalistin Amy Winehouse, die am 23. Juli 2011 starb. Im Alter von nur 27 Jahren.

Regisseur Asif Kapadia schildert, mit viel privatem und offiziellem Videomaterial, den Karrierestart des Mädchens aus London, das schon als Teenager die schwierigsten Jazz-Balladen atemraubend meisterte. Doch dann laufen bald zwei Storys parallel. Einerseits jene vom märchenhaften Aufstieg der Sängerin, die dank ihrer gloriosen Stimme zum Weltstar wurde. Und andererseits die Story einer von inneren Dämonen gepeinigten Frau, die hemmungslos zum Alkohol und später auch zu Drogen griff. Und die auf dem Höhepunkt ihrer Laufbahn wie eine Gefangene im Goldenen Käfig wirkte.

Kreuzunglücklich schleicht Amy Winehouse immer wieder im Film durch das ewige, unersättliche und unausweichliche Blitzlicht-Trommelfeuer der Paparazzi-Fotografen. Einem ihrer Body Guards vertraute sie kurz vor ihrem Tod an: "Ich würde all meinen Ruhm, meinen Reichtum und auch mein Talent herschenken, wenn ich nur ein einziges Mal unbehelligt durch die Straßen laufen könnte." Unterm Strich ist "Amy" ein bärenstarker und  berührender Film über ein Jahrhundert-Talent. Über eine Künstlerin von Weltformat, die an dem immensen Druck, den das Leben und die Umwelt über sie stülpten, zugrunde ging.

McConaughey auf Selbstmord-Pfaden

"The Sea of Trees". Der Tod ist auch in "The Sea of Trees" ein wichtiges Thema. Regie-Star Gus Van Sant ("Good Will Hunting") begleitet Oscar-Preisträger Matthew McConaughey auf einem Trip nach Japan, der keine Rückkehr haben soll. McConaughey spielt einen Wissenschaftler, der nach dem Tod seiner Frau () aus dem Leben scheiden will - in einem Forstgebiet am Fuße des Fujiyama, der von vielen Selbstmördern aufgesucht wird.

Der Amerikaner begegnet im Wald jedoch einem geheimnisvollen Japaner (Ken Watanabe), der gleichfalls auf dem Todestrip zu sein scheint. Und der sich doch anschickt, seinen Begleiter aus den USA behutsam ins Leben zurück zu geleiten.

Am Ende ist der Amerikaner gerettet und der Japaner verschwunden. Doch dahinter steckt kein Kriminalfall: "The Sea of Trees" mutiert immer mehr zum spirituellen Drama, in dem es um den Sinn des Seins und um die Kommunikation mit geliebten Menschen geht, die schon verstorben sind. So etwas muss man mögen: Für den Film, mit dem Gus Van Sant im Wettbewerb um die Goldene Palme antritt, gab es neben Beifall auch vernehmliche Buhs.

Gunther Baumann, Cannes

 

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