Schulbuch propagiert Sex-Verbot für Teenager

"Selbstbefriedigung führt zu Abhängigkeit, bei Pornografie werden Menschen ausgebeutet": Das (unter anderem) steht in einem Sexualkunde-Buch geschrieben.
"Wir Powergirls" (das schlaue Mädchenbuch) und "Rakete startklar" (Wie aus Jungs echte Kerle werden): So heißen die neuen Lehrmittel zur Sexualkunde für 10- bis 13-Jährige von der Stiftung "Zukunft CH". Mit 4.000 Briefen wurden sie in der Deutschschweiz fleißig beworben. Laut Stiftung haben 300 Schulen die Bücher bereits bestellt.

Wie der "Tages-Anzeiger" berichtet, ist das Schulbuch auf den ersten Blick nach methodisch geltenden Standards aufgebaut und enthält niedliche Zeichnungen. Trotzdem zeigt sich der nationale Dachverband Sexuelle Gesundheit Schweiz (SGCH) äußerst besorgt. Er verschickte letzte Woche einen zweiseitigen Brief an Regierungsrätin Silvia Steiner (CVP). Darin heißt es, das Schulbuch widerspreche der menschenrechtsbasierten Sexualaufklärung und decke nicht alle Themenbereiche ab, die im Lehrplan verankert seien.

Christkonservative Organisation

Die Stiftung Zukunft CH sei eine christkonservative Organisation, so die Zeitung. Der Gründer, ein ehemaliger Pfarrer, spricht sich klar gegen "die schleichende Einführung der Scharia" aus und engagiert sich etwa auch gegen Schwangerschaftsabbrüche.

Gegen den Vorwurf, christliche Propaganda zu verbreiten, wehrt sich nun aber die Mitautorin des Buches, Regula Lehmann. Sie kritisiert die "Mainstream-Sexualkunde" als zu explizit. Viele Kinder fühlten sich davon abgestoßen und in ihrem Schamgefühl verletzt, wenn im Unterricht über einzelne Sexualpraktiken berichtet werde. Diese Verletzung mache die Kinder anfälliger für Missbrauch und frühen Pornokonsum.

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In ihrem Lehrmittel will Lehmann die Informationen auf kindgerechte Art vermitteln. Die Autorin räumt zwar ein, ihr Buch sei "wie jedes andere Lehrmittel auch" von Wertvorstellungen geprägt. Sie sehe es als Ergänzung zu herkömmlichen Schulbüchern.

"Lehrmittel ist lustfeindlich"

Bei Fachleuten kommen die umstrittenen Inhalte nicht überraschend schlecht an. Sie raten Schulen davon ab, das Buch zu benutzen. Annelies Steiner von "Sexuelle Gesundheit Schweiz" kritisiert unter anderem, dass bei der Erklärung der Anatomie des weiblichen Körpers die Klitoris fehle: "Sie ist das Lustorgan der Frau. Dies zeigt, wie lustfeindlich das Lehrmittel ist."

Hier ein paar Auszüge:



• Sex:"'Sex haben' ist nicht für Kinder oder Teenager gedacht, sondern gehört ins 'Reich der Erwachsenen'"

• Selbstbe­friedigung: "Führt in Abhängigkeit"

• Abtreibung: "Kinder sind ein Wunder und keine Ware, die man wegmacht"

• Pornografie: "Menschen werden benutzt und ausgebeutet" (red/20 Minuten)

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