Zweiter Lockdown: "Die Reserven sind aufgebraucht"

Eniss Agrebi eröffnete im November 2014 den Salon "Die Wiener Friseure" mit drei Freunden. Nach dem ersten Lockdown sind die Reserven aufgebraucht.
Eniss Agrebi eröffnete im November 2014 den Salon "Die Wiener Friseure" mit drei Freunden. Nach dem ersten Lockdown sind die Reserven aufgebraucht.Paulina Kotowska
Vor sechs Jahren eröffnete Eniss Agrebi "Die Wiener Friseure" im Herzen von Wien. Die Coronakrise ging auch an ihnen nicht spurlos vorbei.

Schon der erste Lockdown im Frühjahr hat viele österreichische Unternehmen aus fast allen Branchen hart getroffen - darunter auch die Friseure. Eine erneute Schließung, nach einem ohnehin schon recht schwierigen Sommer, wäre für einige Betriebe fatal. Die Verunsicherung unter der Bevölkerung ist groß, der nächste Haarschnitt oder das Färben der grauen Haare wird schon jetzt trotz Maskenpflicht verschoben. Wir haben mit Eniss Agrebi, Inhaber des Salons "Die Wiener Friseure" in der Seilerstätte 22, über die vergangenen Monate und die Zukunft gesprochen:

Wie ist es Ihnen nach dem ersten Lockdown ergangen?

Uns hat die Kurzarbeit während dem Lockdown über die zwei Monate geholfen, in denen wir geschlossen hatten. Zum Glück waren wir eine der wenigen Branchen, die danach gestürmt worden sind. So haben sich Kündigungen oder Verlängerung der Kurzarbeit vermeiden lassen.

Das ist schön zu hören. Ist der Zustrom der Kunden immer noch so stark?

Jetzt, kurz vor den neuen Maßnahmen ist ein merklicher Kundenrückgang zu vermerken.

Könnte das auch mit der Lage der "Wiener Friseure" im 1. Bezirk zusammenhängen?

Ja, meiner Meinung nach gibt es keinen Ort in ganz Österreich, den es härter getroffen hat, als die Innenstadt. Der komplette Tourismus ist weggebrochen. Und für unsere Branche noch viel spürbarer ist, dass fast alle Büros unbesetzt sind. Durch Homework ist die Frequenz komplett zurückgegangen.

Welche Folgen hätte es für Sie, wenn die Friseure beim zweiten Lockdown wieder zusperren müssen?

Ich glaube, dass ein zweiter Lockdown wirklich verheerend für die Wirtschaft wird. Die "Wiener Friseure" haben ja nur Unterstützung während des Lockdowns gebraucht, ansonsten keine weitere Hilfsmaßnahmen benötigt, da wir vorher schon sehr gesund gewirtschaftet haben. Alle Stundungen sind sofort nach der Öffnung bezahlt worden, alle Kredite sind nach dem Lockdown ausbezahlt worden. Aber die Reserven sind aufgebraucht! Hinzu kommt erschwerend die Verunsicherung der Menschen.

Die Leute trauen sich also nicht zum Friseur?

Zwar gehört ein Friseur mittlerweile zu einem Grundbedürfnis, doch die Verunsicherung hinsichtlich der steigenden Krankheitsfälle - obwohl es keinen einzigen bei einem Friseur gab - und der zukünftigen finanziellen Situation lässt die Häufigkeit eines Friseurbesuchs sinken. Die Zeiten sind jetzt schon unglaublich herausfordernd, aber wie es nach einem zweiten Lockdown wird, ist wirklich schwer zu sagen.

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