Der bisherige Winter war 2,7 Grad Celsius zu warm

Die vorläufige Winterbilanz der ZAMG bringt Klimatologen zum Schwitzen. In Österreich war es im Schnitt um 2,7 Grad Celsius zu warm.

"Der Winter 2019/20 war extrem mild. Er lag im Tiefland Österreichs um 2,7 Grad über dem vieljährigen Mittel und ist hier der zweitwärmste Winter der 253-jährigen Messgeschichte", sagt Alexander Orlik von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). "An der Spitze liegt der Winter 2006/07 mit 3,4 Grad über dem Mittel. Den dritten Platz teilen sich die Winter 2013/2014 und 2015/2016 mit 2,6 Grad."

Der heurige Winter wurde von wechselhaften Westwetterlagen, die vom Atlantik milde Luft nach Österreich schaufelten, und Hochdrucklagen, mit sonnigem, mildem Wetter im Bergland und teils zähem Nebel im Flachland, dominiert. Kalte Wetterlagen mit Nord- oder Ostströmung gab es dagegen nur selten.

Selbst auf den Bergen war es deutlich zu warm. Im Februar gab es sogar vereinzelt Rekorde. So hatte es am 17. Februar am Sonnblick, in 3.106 Meter Seehöhe, +3,9 Grad. Das war die höchste Temperatur in einem Februar seit Beginn der Messungen am Sonnblick im Jahr 1886. Zum Vergleich: An einem durchschnittlichen Tag im Februar beträgt das Tagesmaximum der Lufttemperatur am Sonnblick -9 Grad.

Winter werden immer wärmer

Die aktuellen Werte bestätigen den Trend zu immer milderen Wintern in den letzten Jahrzehnten. "Deutlich zu kalte Winter waren in den letzten 50 Jahren die Ausnahme, die meisten Winter waren überdurchschnittlich warm. Die vier wärmsten Winter unserer Messgeschichte waren in den 2000er-Jahren", so Orlik weiter. Laut dem Klimatologen ist der Winter 2005/06 einer der wenigen in den letzten Jahren gewesen, der deutlich unter dem Mittel der Klimavergleichsperiode 1981 bis 2010 lag.

Der Winter 2019/20 brachte im Großteil Österreichs nur ein Viertel der üblichen Eistage mit ganztägigen Temperaturen unter 0 Grad. An den ZAMG-Wetterstationen Innsbruck Universität und Salzburg Freisaal gab es sogar im gesamten Winter keinen einzigen Eistag. Das kam in der Messgeschichte dieser Messstationen erst ein Mal vor, im Winter 2013/14. Linz erreicht diesen Winter mit nur zwei Eistagen einen neuen Negativrekord. In einem durchschnittlichen Winter friert es hier an 20 Tagen durch.

Kaum Schnee im Flachland

Auch die Schneemengen blieben laut ZAMG im Großteil Österreichs deutlich unter dem Durchschnitt. "In fünf Landeshauptstädten gab es noch nie so wenige Tage mit einer geschlossenen Schneedecke wie in diesem Winter. Das waren Bregenz, Linz, St. Pölten, Graz Universität und Wien Hohe Warte", führt Orlik weiter aus. Die Summe der täglichen Neuschneemenge lag selbst in höheren Lagen meist um 10 bis 50 Prozent unter einem durchschnittlichen Winter. Nur ganz vereinzelt gab es um 10 bis 30 Prozent höhere Neuschneesummen.

Viel Sonne, trockener Osten und Süden

Die Zahl der Sonnenstunden lag in diesem Winter in der österreichweiten Auswertung um 20 Prozent über dem Mittel und war eine der fünf höchsten der vergangenen 95 Jahre.

Sehr unterschiedlich verteilt waren die Niederschlagsmengen. Im Süden und stellenweise im Osten Österreichs war der Winter 2019/20 um 15 bis 50 Prozent trockener als im Mittel. Der Westen und der Norden Österreichs verzeichneten hingegen größtenteils um 15 bis 40 Prozent mehr Niederschlag als im Mittel.

Hintergrund

Die vorläufige Klimabilanz zum Monatsende basiert auf der ersten Auswertung der rund 270 Wetterstationen der ZAMG sowie auf der räumlichen Klimaanalyse an 84.000 Datenpunkten in Österreich mittels SPARTACUS . Die Daten der Wetterstationen reichen zum Teil bis ins 18. Jahrhundert zurück. Die SPARTACUS-Daten sind flächendeckend bis ins Jahr 1961 verfügbar.

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