Buwog-Prozess Tag 8

09. Januar 2018 17:20; Akt: 09.01.2018 17:44 Print

Grasser musste Personalien korrigieren

Der 8.Prozesstag war für Hochegger wieder ein Frage-Marathon. Doch auch Grasser hatte ein kurzes Intermezzo im Zeugenstand.

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Der erste Prozesstag nach der Weihnachtspause setzte dort fort, wo man am 21. Dezember aufgehört hat. Mit Peter Hochegger im Zeugenstand. Überraschend: Auch Grasser setzte sich freiwillig nochmal vor die Richterin.

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Protokoll korrigiert
Ausgelöst durch die Medienberichte über Grassers US-Konto, auf dem 1,1 Mio. Dollar liegen sollen, strebte er an, das Protokoll bezüglich seiner Personalien zu korrigieren. Lesen Sie hier mehr zum Millionenkonto!

Im Protokoll sei vermerkt worden, dass Grasser zu Beginn des Prozess angegeben hat, über "kein Vermögen" zu verfügen. Das sei aber nicht richtig, führt Anwalt Ainedter aus. Die Tonbandaufnahme vom ersten Prozesstag wird beschafft, am Nachmittag setzt sich Grasser dann vor die Richterin und lauscht dem Tonband.

Und tatsächlich: Grasser wurde nicht zu seinem Vermögen befragt. Die richtigen Personalien lauten: Das Kürzel "o.B." im Protokoll bezieht sich nicht auf Grassers Religionsbekenntnis (danach wurde nicht gefragt), sondern auf "ohne Beschäftigung". Er hat also keinen Arbeitgeber. Aus den Abfragen des Gerichts im Grundbuch und im Kfz-Verzeichnis geht hervor, dass Grasser kein Haus und kein Auto besitzt.

Auf die Frage nach seinem Nettoeinkommen sagte Grasser damals, er möchte dazu "keine Angaben" machen. Heute ergänzt er: Auch zu seinem Vermögen möchte er keine Angaben machen.

"Ich sehe, dass jemand fehlt"
Zu Beginn des Prozesses fällt der Richterin jedoch auf, dass eine Person weniger auf der Anklagebank sitzt. Norbert Wicki ist - vermutlich jetzt länger - abwesend. Sein Anwalt Herbert Eichenseder erklärt, warum. Wicki fehlt aus Krankheitsgründen. Wicki möchte, dass das Verfahren ohne hin weitergeführt wird und verspricht, seine Krankheit später auch nicht als Nichtigkeitsgrund auszunutzen. Das Verfahren will er auf keinen Fall dadurch verzögern.

Hochegger belastet sich selbst
"Schönen guten Morgen", sagt Hochegger und lässt sich danach den ganzen Tag lang geduldig mit Detailfragen zu seinen Aussagen vor dem U-Ausschuss löchern. Er belastet sich dabei auch selbst, denn er gibt zu, in früheren Aussagen gelogen zu haben.

Ist sein Geständnis inszeniert?
"Ich muss in den Spiegel schauen können, das ist für mich wichtig", erklärt Hochegger seinen Sinneswandel in den letzten Jahren. Auch das Burnout, das ihm 2010 diagnostiziert wurde, hat dazu beigetragen.

Schmunzel-Momente
Für ein Lächeln sorgt das beherzte Anpacken von Grasser-Anwalt Ainedter als es darum geht, den Bildschirm, mit dem die Anwälte Hochegger von vorne bei seiner Aussage beobachten können, an die richtige Stelle zu rücken.

Auch der wiederholte Hinweis der Richterin, dass man "Nicken nicht protokollieren kann", ist mittlerweile ein Running Gag. Es geht darum, dass jedwede Zustimmung aller Beteiligten mit einem wörtlichen "Ja" ausgedrückt werden muss, fürs Protokoll.

Zuletzt sorgt ein Missverständnis zwischen Anwalt Manfred Ainedter und der Richterin für Lacher. Er liest ganz genau mit, wenn Marion Hohenecker aus den Protokollen zitiert. Dabei hat er oft Schwierigkeiten, obwohl die Richterin die Seitenzahl nennt. Des Rätsels Lösung: Auf den Protokollen sind zwei Seitenzahlen gedruckt, Ainedter und Hohenecker haben jeweils die andere verwendet. Mit: "Können wir uns auf eine Zählweise einigen? Auf meine?", setzt die Richterin der Verwirrung schließlich ein Ende.

Staatsanwaltschaft am Wort
Die Befragung der Richterin endet um 15.20 Uhr. Damit stellte allein Hohenecker fast drei ganze Prozesstage lang Fragen. Die Schöffen haben nach diesem Marathon keine weitere Fragen, der Staatsanwalt ist am Wort. Dieser will vor allem zum Provisionsvertrag nähere Details wissen.

Damit endet der Prozesstag. Am Mittwoch wird der Staatsanwalt weitere Themenbereiche anschneiden.

Lesen Sie hier alles zum 8. Prozesstag im Live-Ticker nach:

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(csc)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dalegstdinieder am 09.01.2018 14:17 Report Diesen Beitrag melden

    So what!

    War es nicht einmal so, dass dem Gericht Respekt zu zollen war? Auch in Form von passender Kleidung? Wäre schön, wenn man erkennen könnte, dass es sich hier um einen Prozess handelt, nicht um Kindertheater.

  • TantePolly am 09.01.2018 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Gockel-Show der Anwälte.

    Fehlt aber noch einer mit einem Vogel auf der Schulter, so wie einst der Leherbauer.

    einklappen einklappen
  • Max Mustermann am 09.01.2018 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Die Paradisvogel-Anwälte

    Endlich!!! Die Anzüge der Anwälte sind das allerwichtigste an dem ganzen Prozeß. Wer wem wieviele Millionen zugeschanzt hat, und auf welchen Konten die versteckt werden, ist doch völlig uninteressant. ;-)

Die neusten Leser-Kommentare

  • The Toster am 10.01.2018 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Nanu,...

    Noch kein Tag 9 in der Berichterstattung? Noch nichts von der scharfen Rüge gegen Ainedter, der verbotenerweise die Schöffen ansprach, und Recherchen über ihr Privatleben zugab? Ist das nicht schon als Gefährliche Drohung zu verstehen? Ist das nicht der Stil der Rechten?

  • Statistiker am 10.01.2018 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nicht verdrehen

    Die Headline ist falsch! Nicht Grasser musste seine Angaben korrigieren, sondern das Gericht! Ich bitte um größere Sorgfalt.

  • Mia am 10.01.2018 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Hab schon

    geglaubt, dass er sich als Minderjährig ausgewiesen hat.

  • ray becker am 10.01.2018 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    jeder richtet sich wie er es braucht

    ich erinnere mich dass es mal in den medien war dass grasser laut steuerausgleich kein einkommen hat, aber anscheinend vermögen. er wusste doch seit jahren dass der Prozess kommt und er keine Immobilien oder Fahrzeuge offiziell besitzen darf. Hauptsache die Sparbücher der kleinen sparer dürfen nicht anonym sein.

  • Sophie am 09.01.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Clown

    also die beiden Clowns von Rechtsanwälte hätte ich wegen Missachtung des Gerichtes schon mal vom Saal verwiesen,und so gut wie den Herrn Grasser hätte ich auch gern das es mir geht das ich einfach vergesse das ich irgendwo noch 1.1 Millionen herum liegen hab wie man sieht Geld ist anscheinend genug vorhanden