Wirtschaft

Erste Zahlen, wie stark die Wirtschaft einbrach

13.09.2021, 13:47
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Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) hat erstmals eine Einschätzung veröffentlicht, wie stark die heimische Wirtschaft von der Corona-Krise getroffen wird.

Laut der aktuellen Schnellschätzung des WIFO sank die österreichische Wirtschaft im ersten Quartal 2020 gegenüber dem Vorjahr um 2,7 Prozent. Damit zeigen sich die wirtschaftlichen Effekte der COVID-19-Pandemie und der einhergehenden Maßnahmen (ab Mitte März) bereits im Wachstum der ersten drei Monate. Vor allem die Bereiche Tourismus, Verkehr, Handel, persönliche Dienstleistungen sowie Kunst, Unterhaltung und Erholung waren von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen. Auch in der Industrie und der Bauwirtschaft kam es aufgrund der Einschränkungen zu Wertschöpfungseinbußen, so WIFO. Gegenüber der Vorperiode sank das Bruttoinlandsprodukt um 2,5 Prozent (Kennzahl laut Eurostat-Vorgabe). Einen Rückgang dieser Größenordnung hat es zuletzt während der Finanzmarktkrise 2008/09 gegeben, wobei zum Unterschied von damals der Wachstumseinbruch aktuell bereits zu Beginn der Krise ein hohes Ausmaß annimmt. Handel und Dienstleistungen stark getroffen Die Entwicklung im ersten Quartal 2020 wurde maßgeblich durch die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie in der zweiten Märzhälfte bestimmt und betraf vor allem die Handels- und Dienstleistungsbereiche, so das WIFO. Allen voran die Bereiche Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie. Hier sank die Wertschöpfung gegenüber dem Vorjahr um 7,3 Prozent und war mit –1,5 Prozentpunkten für mehr als die Hälfte des BIP-Rückganges verantwortlich.

Ebenfalls stark betroffen waren die Bereiche Sport‑, Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen sowie persönliche Dienstleistungen (z. B. Frisöre), hier reduzierte sich das Wachstum insgesamt um 8,1 Prozent. Der Einfluss auf den gesamten Rückgang fällt hierbei aber deutlich geringer aus. Gestützt wurde die Wertschöpfungsentwicklung hingegen von Dienstleistungen, wo nicht unmittelbar persönlicher Kontakt notwendig ist bzw. Tätigkeiten auch mittels Online-Kommunikation durchführbar sind. Ebenfalls positiv beigetragen haben die Bereiche der Öffentlichen Verwaltung.

Um 3,6 Prozent weniger Privatausgaben Auch in den Sektoren Bergbau, Herstellung von Waren, Energie- und Wasserversorgung, Abfallentsorgung kam es zu Rückgängen in der Wertschöpfung. Nachdem in der Industrie die wirtschaftliche Dynamik bereits im vergangenen Jahr zurückging, verstärkten die Produktionsausfälle im März diese Entwicklung weiter. Die Konjunktur in der Bauwirtschaft verlief hingegen bis zum Ausbruch der Krise sehr gut. Hier dürfte auch die günstige Witterung einen positiven Effekt verzeichnet haben. Durch Baustellenschließungen wurde dann in der zweiten Märzhälfte auch hier die Produktion eingeschränkt, so dass die Wertschöpfung um 0,5 Prozent sank. Von den Nachfragekomponenten wurde das BIP vor allem vom privaten Konsum eingeschränkt, da die Angebotsbeschränkungen im Handels- und Dienstleistungsbereich unmittelbar einen Nachfrageausfall mit sich gezogen haben. Die privaten Konsumausgaben sanken nach vorläufigen Berechnungen um 3,6 Prozent und lieferte einen negativen Wachstumsbeitrag von 1,8 Prozentpunkten. Die außenwirtschaftliche Dynamik war von der weitreichenden Betroffenheit der COVID-19-Pandemie beeinflusst, sowohl die Exporte (–3,9%) als auch die Importe wurden gegenüber dem Vorjahr eingeschränkt (–4,4%).