Balkan-Blog

06. März 2019 05:00; Akt: 06.03.2019 06:26 Print

Balkaner ist gleich Balkaner? Von wegen!

Machen Sie sich auf eine geballte Ladung Klischee gefasst: Was Serben, Kroaten und Bosnier wirklich unterscheidet.

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Der serbische BMW, der kroatische Stolz und das türkische Bosnien. Am Balkan gibt es klare Unterschiede zwischen den Nationen - die man mit einem Zwinkern betrachten sollte. Von Außen wirkt es wohl so, als ob alle Jugos gleich heißen würden. Stimmt natürlich nicht. Und die immer gleiche Endung ist auch gar nicht so besonders. Šaban Šaulic ist der Größte. Da gibt es keinen Zweifel. Seine Musik wird ewig weiterleben. Laut Karl Lagerfeld würde man die Kontrolle über sein Leben verlieren, wenn man eine Jogginghose trägt. Demnach herrscht am Balkan Anarchie. Eine Ein-Zimmer-Wohnung in Wien, aber eine Villa am Balkan. Und das nur, um sie dann ein paar Tage im Jahr zu nutzen. Unser Blogger wuchs am Balkan auf. Dort hat er einige Dinge kennengelernt, die wohl jedem Jugo-Kind bekannt sind. Kennen Sie zum Beispiel Vegeta oder Argeta? Auch in anderen Lebensbereichen gibt es Konfliktpotenzial. Stichwort: Alkohol. Unser Autor rührt nämlich bis heute keinen Rakija an. Als Abstinenzler fühlt er sich am Balkan manchmal wie ein Alien. (Ja, das auf dem Bild neben dem Teletubbie ist wirklich unser Blogger.) Wenn wir schon beim Thema Kulinarik sind - ein kurzer Rückblick Balkan-Kinder wachsen von klein auf mit Unmengen an Fleisch auf. Kommen Vegetarier zu Besuch, wird es kritisch. Denn ein Spanferkel gehört bei uns zu jedem guten Fest. Unser Blogger kennt die Konflikte, Für seine Mama ist dieser Umstand nach wie vor schwer zu verdauen. So eine Hochzeit ist am Balkan das höchste der Gefühle. Unser Blogger verbrachte seine ersten Lebensjahre am Balkan. Eine Beziehung zu Wien bestand aber schon damals: Man beachte das Wiener Kennzeichen. In seinem Blog berichtet er jede Woche von seinem Leben zwischen Sarma und Wiener Schnitzeln. Mehr unter heute.at/balkanblog

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Wer aus einem Balkan-Staat kommt, weiß, dass hier in Österreich oftmals alle Ex-Jugos über einen Kamm geschert werden. Auf den ersten Blick mag das durchaus nachvollziehbar sein: Immerhin sprechen wir alle dieselbe Sprache. Das reicht doch, oder? Nicht ganz.

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Kannten Sie die Unterschiede der Nationalitäten?
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21 %
4 %
16 %
Insgesamt 300 Teilnehmer

Denn es gibt da das eine oder andere Merkmal, an dem man ziemlich genau feststellen kann, aus welcher Region der Balkanhalbinsel das Gegenüber kommt. Ein – nicht ganz ernst gemeinter – Überblick:

Der Serbe und sein BMW

Die größte Balkan-Gruppe in Österreich bilden die Serben. Rund 120.000 Menschen mit der serbischen Staatsbürgerschaft leben laut Statistik im Alpenland. Und so erkennt das geübte Auge einen echten Serben:

Heißen Männer Milan oder Nebojsa, und hören Frauen auf die Namen Zorica oder Ceca, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man es mit Serben zu tun hat.

Wertvolle Hinweise liefert auch das Mobilitätsverhalten: Ein echter Serbe hat ein Auto. Häufig einen BMW oder einen Mercedes, vielleicht auch einen Audi (ich habe euch ja gewarnt, dass wir um das eine oder andere Klischee nicht herumkommen werden).

Natürlich lässt eine Automarke noch nicht auf die Nationalität schließen. Ein weiteres Indiz bietet der Rückspiegel. Denn um jenen hat gefälligst ein orthodoxer Rosenkranz zu hängen. Dieser ist im Idealfall so groß, dass er den Spiegel beinahe runterreißt und den Blick nach vorne versperrt.

Das reicht euch noch nicht? Ihr wollt so richtig auf Nummer sicher gehen? Dann empfiehlt sich ein Besuch auf einer serbischen Hochzeit. Egal auf welcher. Denn auf eine serbische Hochzeit werden gefühlt alle Serben der Welt eingeladen. Ist die fragliche Person nicht vor Ort, dann gehört sie ziemlich sicher auch nicht zur serbischen Community.

Rühre nicht den Stolz des Kroaten an

Apropos Musik: Die ist zwar bei allen Balkan-Hochzeiten auf 120 Prozent gedreht, doch den Serben legt man aber meistens noch eine Scheibe drauf. Und zwar in Form von Live-Musikern, wie zum Beispiel Geigern und Ziehharmonika-Spielern, die versuchen, den Turbo-Folk zu übertönen, der aus den Boxen dröhnt.

Bei den Kroaten geht es im Vergleich etwas gemächlicher zur Sache. Dafür kann es in Sachen "Nationalstolz" nie genug sein. So sieht man den Kroaten in "freier Wildbahn" nicht selten mit einem rot-weiß-kariertem Trikot herumlaufen. Besonders während einer Welt- oder Europameisterschaft wird das Shirt des Nationalteams zu einer zweiten Haut. Unter keinen Umständen wird es ausgezogen. Auch ziert die Flagge des Landes zu der Zeit das Auto des Kroaten. Damit ist auch der Unterschied zu einem serbischen BMW offensichtlich.

Haben Kroaten aus unerfindlichen Gründen mal kein Trikot an, dann posaunen sie ihren Migrationshintergrund spätestens nach 0,2 Sekunden heraus. Zu groß ist der Stolz auf die Heimat, der sich einfach nicht unterdrücken lässt. Dabei betonen sie auch hin und wieder, wie wenig man Nicht-Kroaten leiden kann. Besonders Bewohner anderer Balkan-Staaten. Naja, und wenn man schon dabei ist, regt man sich auch gerne mal über andere Kroaten auf.

Der Bosnier, der eigentlich ein Türke ist

Ein wenig schwieriger wird es, einen Bosnier zweifelsfrei zu identifizieren. Da wären einmal die drei großen Ethnien: Die Serben, die Kroaten und die Bosniaken – also bosnische Moslems. Was alle drei vereint? Sie lieben Fleisch – mehr noch als alle anderen Balkaner. Sarma, Cevapcici, Burek ...

Bosnien ist zudem stark von der türkischen Kultur geprägt. Das kommt nicht nur in den unzähligen Moscheen im Land zum Ausdruck, sondern oftmals auch im Alltag. So wird in einem bosnischen Haushalt niemals Tee, sondern immer "Čaj" getrunken. Dazu gibt es vielleicht noch ein Stück türkischen Honig oder Baklava. Die Verbindung zur Türkei sollte man einem Bosnier aber nie unter die Nase reiben. Stolz eben...

Aber Achtung: Bevor es in eine Wohnung eines Bosniers geht, muss man unbedingt "Papuče" anziehen. Das sind Hausschuhe, die ein wenig so aussehen, als ob sie Aladin während der Tausendundeinen Nacht getragen hätte. Diese eignen sich bei Müttern auch sehr gut als Waffe. Blitzschnell sind sie vom Fuß und werden dem "Feind" nachgeworfen. So wird jeder Übeltäter in die Flucht geschlagen.

Am Ende sind wir alle "Esterreicher"

Natürlich habe ich einmal mehr übertrieben: Die Unterschiede zwischen Kroaten, Serben und Bosniern sind in Wahrheit sehr, sehr fein. Im Endeffekt sind wir allesamt stolz und froh, in Österreich zu leben. Aber ein paar Klischees muss man eben erfüllen. Das sind wir unseren Wurzeln schuldig.

Warum Balkan-Mamas so oft fluchen? Wieso wir vom Balkan immer Jogger tragen?
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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joseph am 06.03.2019 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kreuzarl

    Denn um jenen hat gefälligst ein orthodoxer Rosenkranz zu hängen. Dieser ist im Idealfall so groß, dass er den Spiegel beinahe runterreißt und den Blick nach vorne versperrt. Vor dem Krieg hat sich keiner um die Kirche gescherrt, und jetzt die Hochreligiösen Menschen

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  • Johann am 08.03.2019 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles super analysiert

    Herzlichste Gratulation für die humorvolle Analyse einer Mentalität... Ich amüsiere mich beim Balkan Blog köstlich... Bin selbst mit einer Bosnierin liiert und erlebe alles live so wie es geschrieben steht... Für mich wunderbar und möchte diese Menschen mit dieser Mentalität nicht missen.. Es freut mich besonders dass sich jemand findet, dies auf diese amüsante Weise zu schreiben!.. Super!

  • Miss am 06.03.2019 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht wahr

    Eigentlich anders rum: Serben sind weniger beliebt... Kroaten hingegen sehr

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Johann am 08.03.2019 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles super analysiert

    Herzlichste Gratulation für die humorvolle Analyse einer Mentalität... Ich amüsiere mich beim Balkan Blog köstlich... Bin selbst mit einer Bosnierin liiert und erlebe alles live so wie es geschrieben steht... Für mich wunderbar und möchte diese Menschen mit dieser Mentalität nicht missen.. Es freut mich besonders dass sich jemand findet, dies auf diese amüsante Weise zu schreiben!.. Super!

  • Miss am 06.03.2019 20:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht wahr

    Eigentlich anders rum: Serben sind weniger beliebt... Kroaten hingegen sehr

  • Joseph am 06.03.2019 19:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kreuzarl

    Denn um jenen hat gefälligst ein orthodoxer Rosenkranz zu hängen. Dieser ist im Idealfall so groß, dass er den Spiegel beinahe runterreißt und den Blick nach vorne versperrt. Vor dem Krieg hat sich keiner um die Kirche gescherrt, und jetzt die Hochreligiösen Menschen

    • Zoki am 06.03.2019 22:43 Report Diesen Beitrag melden

      Gott sei Dank

      50 Jahre Gotteslästerung und Verleumdung führten nun mal zu den Geschehnissen in den 90er Jahren, da muss man eigentlich froh sein, dass die Menschen zurück zur Kirche finden.

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  • Hrvat am 06.03.2019 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Kroaten

    Wer Kroaten als Balkaner bezeichnet, hat wirklich keine Ahnung von Geographie und ebenso nicht von den verschiedenen Ethien.

    • NeroWien am 06.03.2019 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hrvat

      Es gibt 2 Definitionen vom Balkan und in beiden ist Kroatien ein Teil ;)

    • RVBRVB am 06.03.2019 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      Religion

      Kroaten sind katholische Serben sowie Serben orthodoxe Kroate sind. Es ist ein Volk, welche durch Religion getrennt ist - es hat m.M.n. mit Ethnien nichts zu tun.

    • Marko am 06.03.2019 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hrvat

      Habe sehr viele kroatische Freunde, die heiße Branko, Mirko, Mijo, Dragan, Milan,..... und bei allen enden die Nachnamen mit ....vi, genau so wie die Serben, warum schämst du dich?

    • Susi am 06.03.2019 21:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hrvat

      Das stimmt muss hrvat recht geben, bitte lernt geschichte

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