Debatte um Rebsorte

10. Dezember 2018 14:46; Akt: 10.12.2018 19:29 Print

Nazi-Vergangenheit: Neuer Name für den Zweigelt?

Wiener Aktionisten fordern eine Namensänderung des beliebten Rotweins: Denn dessen Schöpfer, Friedrich Zweigelt, war ein "glühender Nazi".

Weintrauben an der Rebe. Symbolfoto. (Bild: picturedesk.com)

Weintrauben an der Rebe. Symbolfoto. (Bild: picturedesk.com)

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Soll der Zweigelt, die wichtigste Rotweinsorte der österreichischen Weinbauregionen, umbenannt werden? Eine Namensänderung sei längst überfällig, wie das Künstlerkollektiv "Institut ohne direkte Eigenschaften" (IODE) bei einer Pressekonferenz im Rahmen der Aktion "Abgezweigelt" am Montag festhielt: Damit soll auf die nationalsozialistische Vergangenheit dessen Schöpfers, Friedrich Zweigelt, aufmerksam gemacht werden. Das meldet die Nachrichtenagentur "APA".

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Der Zweigelt ist eine Neuzüchtung aus den Sorten St. Laurent und Blaufränkisch, die dem gebürtigen Steirer Friedrich Zweigelt im Jahr 1922 in Klosterneuburg (NÖ) gelang. Dieser nannte seine Kreation in Folge "Rotburger" – eine Kombination der Weinfarbe und des Herkunftorts. Dieser wurde allerdings im Jahr 1975, lange nach Zweigelts Tod, durch die Qualitätsweinrebsorten-Verordnung nach seinem Schöpfer benannt.

Zweigelt war ein "glühender Nazi"

Für die Initiatoren der Aktion "Abgezweigelt" wird dadurch "eine traurige Wahrheit sichtbar". Die heimische Weinwirtschaft schweige sich wie kein anderer Wirtschaftszweig über die nationalsozialistische Vergangenheit aus.

Und das obwohl Friedrich Zweigelt ein "glühender Nazi" und bereits ab April 1933 ein Mitglied, der damals noch verbotenen, NSDAP war. Den Anschluss soll der Steirer den Recherchen des Historikers und Autors ("Wein des Vergessens") Robert Streibel zufolge, so kommentiert haben: "Der böse Traum wurde fortgescheucht von den dröhnenden Schritten deutscher Soldaten. Jüdischem Spekulationsgeist ist für alle Zeiten der Boden entzogen."

Volksverhetzer als Namenspatron

Zudem hätten Mitglieder der lokalen Widerstandsgruppe Zweigelt vorgeworfen, er hätte die Auslieferung eines Schülers an die Gestapo verhindern können. Zweigelt dürfte auch persönlich von der Machtergreifung der Nazis profitiert haben: Ab 1938 bis zur Befreiung Österreichs war er Direktor der HBLA Klosterneuburg für Wein- und Obstbau. Nach Kriegsende wurde Zweigelt dieser Posten zwar wieder entzogen und er wegen Volksverhetzung hinter Gitter gebracht, doch er kam bereits nach sechs Monaten wieder frei.

Zwar habe es noch keine intensive historische Aufarbeitung von Zweigelts Leben und Wirken gegeben, aber "eine Person, nach der man eine Weinsorte benennen sollte, ist er sicher nicht", so Streibel. Auf der anderen Seite, bat der Geschäftsführer des Unternehmens "Österreich Wein Marketing", Wilhelm Klinger, schriftlich um einen sachlichen Umgang mit der Thematik. Auch Streibel bekräftigt, es brauche erstmal noch hieb- und stichfeste Beweise: "Dann wird es für die Handelnden umso schwieriger den Namen Zweigelt zu verteidigen."

Neuer Name vorgeschlagen

Und wie soll die Rebsorte nun in Zukunft heißen? "Blauer Montag", lautet der Vorschlag des IODE. Zwei Winzer aus Niederösterreich und das Café Vindobona in Wien-Brigittenau wollen den Wein künftig unter diesem Namen in Verkehr bringen und über dessen Vergangenheit aufklären.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Silberstein am 10.12.2018 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freundschaft

    Die Geschichte kann man nicht löschen! Gebt es endlich auf ! Wir können nichts für diese Zeit!

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  • Gerlinde M am 10.12.2018 15:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur mehr bekannt aus Büchern...

    Haben manche keine anderen Sorgen? Irgendwann muss Schluss sein!

  • Nimmer Lang am 10.12.2018 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Die ewigen Hetzer

    Genau so gut könnten sie die Röm. Kath. Kirche an den Pranger stellen, den unter der Patronanz dieser wurden Millionen Menschen Gott nähergebracht. Und der Papst ist noch immer ein glühender Christ.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Eberhard Ultra am 12.12.2018 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    VOLKSWAGEN verdächtig ?

    VOLKSWAGEN klingt auch verdächtig nach einer vergangenen Ideologie. Wo bleibt da das (vermutlich subventionierte) Künstlerkollektiv "Institut ohne direkte Eigenschaften"? Oder geht es nur gegen wehrlose Verstorbene?

  • Johann am 11.12.2018 21:38 Report Diesen Beitrag melden

    Brotlose Künstler?

    Dieses Künstlerkollektiv sagt eh schon alles. Haben die nichts anderes zu tun als die Vergangenheit aufzuwärmen? Es gibt weitaus andere Probleme in unserem Land. Ich kaufe den Rotwein auch weiterhin als Zweifelt. Von den Künstlern werde ich allerdings nichts kaufen.

  • oesterreichbild am 11.12.2018 19:27 Report Diesen Beitrag melden

    Geist der Vergangenheit

    Gut, dass es ins Bewusstsein der Menschen gelangt.

  • Epi am 11.12.2018 18:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weinkeller befüllt, eine Katastrophe!

    So ein Mist aber auch, habe erst vor kurzem meinen Weinkeller mit Zweigelt befüllt! Muss ich den jetzt in den Abfluss kippen um nicht als Wiederbetätiger angezeigt zu werden! Schön langsam frage ich mich was bei uns im Land los ist und ob noch alle ganz dicht sind mein Wein ist es sicher!

  • Max Maxin am 11.12.2018 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    wichtigeres

    schaut nach VORNE und nicht ZURÜCK. Wir haben JETZT genug andere Probleme als den Namen für einen Rotwein.