"Unglaubliche Angst"

12. Juli 2018 05:00; Akt: 12.07.2018 09:49 Print

Von Wienfluss weggespült: Jetzt spricht Arbeiter (27)

Die in einem finsteren Tunnel vom Wienfluss mitgerissenen Arbeiter haben nur mit viel Glück überlebt: „Die Flut stieg blitzschnell an. Wir saßen in der Falle.“

Der aus dem Wienfluss gerettete Arbeiter Daniel D. (27) schloss gestern wieder seinen Sohn (6) in die Arme. (Bild: Helmut Graf, privat)

Der aus dem Wienfluss gerettete Arbeiter Daniel D. (27) schloss gestern wieder seinen Sohn (6) in die Arme. (Bild: Helmut Graf, privat)

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Als der Anruf kam, war es bereits zu spät. "Wir bohrten im Tunnel unter dem Schwarzenbergplatz, da hatte ich den Chef am Handy", schildert Daniel D. im "Heute"-Gespräch.
Was sein Vorgesetzter sagte? "Dass wir zusammenpacken sollen, da wegen eines heftigen Gewitters eine Schleuse geöffnet wurde." Sekunden später spürte der Burgenländer schon einen Luftzug: "Und dann donnerte eine gewaltige Wasserwalze auf uns zu." Die drei Männer reagierten blitzschnell: "Wir erkannten sofort, dass es kein Entkommen gibt, da es bis zum 400 Meter entfernten Ausgang viel zu weit war."

"Nur noch ums Überleben gekämpft"

Also kraxelten sie auf die Hebebühne des Lkws: "Wir haben den Motor gestartet und uns hinaufmanövriert. Doch nach einer Minute soff der Motor ab und das Wasser stieg unaufhörlich."
Bald war der Pegelstand des sonst als Rinnsal dahin kriechenden Wienflusses bei gut zwei Metern: "Wir haben selbst die Feuerwehr gerufen – und dann nur noch ums Überleben gekämpft."

So schwammen die Autos im Wienfluss

Der 27-Jährige fasste sich also ein Herz und sprang ab. Die Fluten rissen ihn sofort mit – ein 700 Meter langer Höllenritt war die Folge, Ausgang ungewiss: "Natürlich hat man in so einer Situation unglaubliche Angst. So etwas sieht man normalerweise ja nur in Filmen. Als ein Pfeiler bedrohlich nahe kam, dachte ich: Jetzt ist es vorbei."

"Warum hat man uns vergessen?"

Bereits aus dem Tunnel gespült, sah er aus dem Augenwinkel, dass Schaulustige auf der Zollamtsbrücke Fotos machten: "Einige dirigierten aber auch die Einsatzkräfte. Ich krallte mich in den Steinfugen fest und sie retteten mich."
Während einer seiner Kollegen gestern noch in einem Wiener Krankenhaus wegen starker Kopfschmerzen behandelt wurde, war Daniel D. schon zuhause – und konnte seine Freundin und seinen sechsjährigen Sohn glücklich in die Arme schließen. "Meine Geldbörse, mein Handy sind weg, mir sind nur blaue Flecken geblieben." Und der Ärger: "Warum hat man uns drei dort unten vergessen, während sogar Radwege gesperrt wurden?"

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(coi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Karl am 12.07.2018 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Schutz

    Zum Glück haben es die Arbeiter überlebt! Hoffe sehr, dass man durch das 'worst case scenario' lernt und den Arbeitern professionellen Schutz bietet, inklusive Schulungen, um diesen Höllenritt den Arbeitern zu ersparen.

  • franz am 12.07.2018 05:50 Report Diesen Beitrag melden

    Flut

    so war das der Herr vom Magistrat hat aber im Orf was anderes behauptet. sowas sollte man Lücke los aufklären beim nächsten x geht dort unten eine Schülergruppe Wandern und dann kommt die Flut

    einklappen einklappen
  • Helmut am 12.07.2018 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wien ist sehr anders.

    In Wien funktioniert nicht einmal mehr die Warnung von gefährdeten Mitarbeitern. Woanders würde der Vorgesetzte angezeigt.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Alfred Gorbach am 12.07.2018 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Auhof-Auffangbecken

    In Auhof ist ein riesiges Auffangbecken für den Wienfluss um ein Hochwasser zu drosseln. Da waren die Wehren sicher nicht richtig eingestellt, weil ja schon viele Jahre nichts passiert ist

  • Leser am 12.07.2018 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Fahrlässiges Handeln der MA45

    Schon im ersten Bericht dazu hat ein Leser treffend die MA45 dafür verantwortlich gemacht. In Hadersdorf gibt es mehrere Rückhaltebecken. Die Schleusen werden nur geöffnet, wenn diese voll sind. Dazu muss sich aber die MA45 vergewissern, dass niemand mehr im Wienfluss ist. Der Regen wurde 3 Tage vorher angekündigt.

  • Ich am 12.07.2018 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Ich

    Hauptsache ist das es euch gut geht. Das nichts schlimmeres passiert ist.Handy oder Geldbeutel lässt sich ersetzen. ..

  • Helmut am 12.07.2018 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wien ist sehr anders.

    In Wien funktioniert nicht einmal mehr die Warnung von gefährdeten Mitarbeitern. Woanders würde der Vorgesetzte angezeigt.

  • Karl am 12.07.2018 06:42 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Schutz

    Zum Glück haben es die Arbeiter überlebt! Hoffe sehr, dass man durch das 'worst case scenario' lernt und den Arbeitern professionellen Schutz bietet, inklusive Schulungen, um diesen Höllenritt den Arbeitern zu ersparen.