Kritik an Arbeitsbedingungen

12. Juni 2019 17:13; Akt: 13.06.2019 16:59 Print

Amazon-Mitarbeiter aus dem Weinviertel packt aus

Die Arbeitsbedingungen beim Online-Versandhändler Amazon stehen seit Jahren in der Kritik. Nun hat auch in Österreich erstmals ein Beschäftigter ausgepackt.

Unfassbare Zustände beklagen Amazon-Mitarbeiter in Österreich.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Seine Vorwürfe reichen von Überwachung über Disziplinierungsmaßnahmen bis hin zu erniedrigenden Vorschriften, denen die Beschäftigten ausgesetzt seien. Seit Oktober 2018 hat der Onlineriese auch in Österreich ein Verteilzentrum.

Der Holländer Maarten N. arbeitet seit sechs Monaten im Verteilzentrum von Amazon in Großebersdorf (Bezirk Mistelbach). "Wir wollen nicht, dass Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bei uns respektlos und menschenunwürdig behandelt werden", sagte die Vorsitzende der Privatangestellten-Gewerkschaft GPA-djp, Barbara Teiber, am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Wien. Maarten N. hat sich an die Gewerkschaft gewandt. Er ist wie die meisten seiner Kollegen über eine Leiharbeitsfirma bei Amazon beschäftigt. Derzeit seien lediglich 16 Filialmanager bei Amazon selbst angestellt, so Teiber. Operativ arbeite das Unternehmen ausschließlich mit Leiharbeitern. Derzeit seien es etwa 150.

Mitarbeiter: "Ständige Überwachung"

"Am schlimmsten ist es, dass man am Anfang der Woche nicht weiß, ob man am Ende der Woche noch einen Job hat", sagte Maarten N. vor zahlreichen Journalisten. Im November 2018 habe er einen 25-Stunden-Vertrag unterzeichnet. Nach dem Weihnachtsgeschäft sei seine Arbeitszeit reduziert worden, da es weniger Geschäft gab. Mitarbeiter seien unter der Androhung von Personalreduktion ersucht worden, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Doch trotz Stundenreduktionen seien Beschäftigte gekündigt worden, erzählte er.

Den Arbeitsdruck im Verteilerzentrum schilderte der Holländer als hoch. Da Amazon räumliche Anpassungen vorgenommen habe, um mehr Pakete pro Tag ausliefern zu können, sei es in der Halle sehr eng. Zudem seien die Beschäftigten einer ständigen Überwachung ausgesetzt. Ein Scanner, der als Arbeitsgerät benutzt wird, registriere die Arbeitsleistung. Die Mitarbeiter selbst hätten keine Erlaubnis, ihre Daten einzusehen. Die gewonnenen Daten würden aber zur Entscheidung über eine Verlängerung der Beschäftigung herangezogen.

"Keine persönlichen Gegenstände"

Während der Arbeitszeit dürften die Beschäftigten im Verteilzentrum keine persönlichen Gegenstände wie Handys, Uhren, Gürtel oder sogar Kaugummi bei sich haben. "Wer etwas dabei hat, steht unter Pauschalverdacht, es womöglich aus einem Paket entwendet zu haben", so Maarten N. Abgesehen von den Umkleideräumen gebe es überall Überwachungskameras.

Der Onlinehändler arbeitet in Österreich mit Auslieferungsboten zusammen, darunter Intersprint, Albatros, Veloce und LTS. Die Fahrer liefern pro Tag zwischen 80 und 300 Pakete aus. Ihnen drohten bei "Fehlverhalten" wie falscher Bekleidung Disziplinierungsmaßnahmen, erzählte Maarten N. Zur Strafe müssten sie dann jedes Paket unter Aufsicht einzeln scannen, obwohl es die Möglichkeit einer gruppierten Scannung gebe.

Gewerkschaft will gegen Online-Riesen vorgehen

Die Gewerkschaft will nach den bekannt gewordenen Vorwürfen eines Mitarbeiters im Amazon-Verteilzentrum in Niederösterreich gleich an mehreren Fronten gegen den Onlineriesen vorgehen. "Solche Verhältnisse werden wir nicht zulassen", stellte die Vorsitzende der Privatangestellten-Gewerkschaft, Barbara Teiber, klar. Angerufen werden Arbeitsinspektorat, Gebietskrankenkasse und Sozialministerium.

In einem schriftlichen Statement hat der Onlinehändler Amazon Stellung zu den Vorwürfen eines Mitarbeiters im Verteilzentrum in Großebersdorf (NÖ) genommen. "Wir denken nicht, dass die Vorwürfe die Wirklichkeit in unseren Gebäuden widerspiegeln", hieß es am Mittwoch zur APA.

Amazon: "Gesundheit hat höchste Priorität"

An allen Standorten seien seit dem Start von Amazon sichere und attraktive Arbeitsplätze entstanden. "Die Gesundheit und Sicherheit unserer Mitarbeiter haben dabei immer die höchste Priorität. Wie jedes Unternehmen erwarten wir eine bestimmte Leistung von den Mitarbeitern. Deshalb arbeiten unsere Manager eng mit den Mitarbeitern zusammen, um sie zu fördern und zu unterstützen", so das Unternehmen.

Der Onlineriese ist seit Jahren in der Kritik von Gewerkschaften. In Deutschland etwa wird die Bezahlung der Beschäftigten in den Logistikzentren kritisiert. Die deutsche Gewerkschaft verdi fordert, dass die Amazon-Beschäftigten nach dem Tarif für den Einzel- und Versandhandel bezahlt werden. Amazon betonte bisher, man könne auch ohne einen solchen Vertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein.

Im Verteilzentrum in Niederösterreich sind die meisten Beschäftigten gar nicht bei Amazon selbst angestellt, sondern über Leiharbeiterfirmen. Sie werden nach dem Leiharbeiter-Kollektivvertrag bezahlt.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

Jetzt kommentieren

Kommentar lesen

(wes)

Hier können Sie einen Kommentar zum Thema verfassen:

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realist am 12.06.2019 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pff

    Gott sei Dank weiß keiner wie es bei der Post zugeht! "Verschwiegenheitsklausel"

    einklappen einklappen
  • franzwie am 12.06.2019 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Ortsüblich

    Ich kann das nicht beurteilen, aber das Leiharbeiter eingesetzt werden ist in Österr. LEIDER ,, ortsüblich" meiner Meinung nach gehört es Verboten. Kaugummi nicht erlaubt, kann ich verstehen, ich möchte keine Lieferung mit gebrauchten Gummi im Paket bekommen

  • Erich Silvester am 12.06.2019 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Moderner Sklavenarbeit

    Politik schaut zu wie Leihfirmen das Geschäft auf dem Rücken der Arbeiter macht.Die Käufer fördern die Sklavenarbeit auch noch,weil Geiz geil ist.

    einklappen einklappen

Die neuesten Leser-Kommentare

  • etymos am 13.06.2019 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    schwarz gemischt mit türkis ergibt grau

    wenn ich als pensionist 20 euro draufbekomme, die alleine schon durch mieterhöhung wieder weggefressen werden, wenn die sogenannten dinge des täglichen bedarfs ungeniert um 20% teurer werden, wenn die packungsgrößen bei bestenfalls gleichbleibenden preisen von 250 auf 225 g schrumpfen, wenn energiepreise um ein x-faches der pensionserhöhung steigen, wo werde ich bitte kaufen MÜSSEN ? solange sich die menschen alles von der politik gefallen lassen, mit phrasen abspeisen lassen, wird das so sein und weiter ausgereizt werden.

  • etymos am 13.06.2019 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    was zählt schon ein mensch ?

    ist die globalisierte welt nicht schön ? es lebt sich doch wunderbar in der EU ! die welt der türkisen und auch die roten glühten vor 25 jahren ! die menschen gehen wählen und wählen genau das ! also !

  • Yusi am 13.06.2019 00:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amazon

    Diese fahrer sind alle geringfügig angemeldet und vom ams bekommen sie auch ich habe 2 wochen dort gearbeitet und die Dispatcher führen sich dort wie Präsidente auf oder glauben es so ! Wahnsinn sollte mehr kontroliert werden Amazon spielt mit dem Fahrern wie ein sklave herum . 100 stops in einem tag ist nicht wenig kein weinachtsgeld kein urlaubsgeld garnichts !!!

    • Petz Schmauser am 13.06.2019 03:52 Report Diesen Beitrag melden

      Frage

      Warum macht jemand dann so einen Job wenn es ihm nicht gefällt oder zu stressig ist ?

    • Reini am 13.06.2019 08:35 Report Diesen Beitrag melden

      Wo soll er sonst hackeln

      Er ist Holländer - eine Schlüsselarbeitskraft.

    • etymos am 13.06.2019 09:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Petz Schmauser

      es ist nicht unehrenhaft so einen job anzunehmen. es ist unehrenhaft , menschen so auszubeuten . unschuldsvermutung.

    einklappen einklappen
  • Zuaheit Nitram am 13.06.2019 00:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zzz

    groß aufregen... aber beim 1. Satz Deutsch scheitern... Amazon ist und bleibt 1A punkto Preis/Leistung... mir persönlich egal wies den Menschen dort geht... mich fragt auch keiner... aber Wichtig ist dass die Züge fahren (Wr. Linien)

    • joda am 13.06.2019 05:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zuaheit Nitram

      richtig so es wird ja keiner gezwungen dort zu Arbeiten.

    einklappen einklappen
  • Cordula Grün am 12.06.2019 23:00 Report Diesen Beitrag melden

    Was kümmerts mich

    Wenn es ihm nicht passt , dann soll er sich einen anderen Job suchen . Scheinbar hat er in seinem Leben mehrere falsche Entscheidungen getroffen , sonst müsste er nicht aus Holland hier her kommen um dann bei Amazon als Leiharbeiter angestellt zu sein . Ganz ehrlich , es ist mir egal wie Amazon seine Mitarbeiter oder Leiharbeiter behandelt . Sollen doch froh sein das sie einen Arbeitsplatz haben . Ich bin Kapitalistin . Hauptsache die Ware ist günstig . Der Rest ist mir egal .

    • Katharina am 13.06.2019 00:21 Report Diesen Beitrag melden

      Menschliche Ungustln

      Sie werden es vielleicht auch noch billiger geben müssen. Vieles kommt auf einen zurück.

    einklappen einklappen