Drama in der Steiermark

14. März 2019 05:00; Akt: 14.03.2019 06:06 Print

Mann bei OP beschädigtes Herz eingesetzt: Er starb

Nur vier Tage nach der Herztransplantation starb Drago Stelcer mit 60 Jahren. Ihm wurde in Graz ein kaputtes Herz eingesetzt, seine Witwe Blanka will Gerechtigkeit.

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Drago Stelcer litt an einer Herzschwäche und wurde auf die Herztransplantationsliste gesetzt. Am 17. Mai 2016 gegen 22:30 wurde er telefonisch verständigt, dass ein Spenderherz verfügbar sei. Der Mann wurde sofort mit der Rettung aus Köflach (Steiermark) ins Landeskrankenhaus Graz gebracht.

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Die Operation zur Herztransplantation begann erst am 18. Mai 2016 um 11:57 Uhr. Aber: Bereits bei der Entfernung des Spenderherzens soll es zu erheblichen Verletzungen des Organs gekommen sein. Die Pulmonal-Arterie (Anm.: transportiert das Blut vom Herz zur Lunge) wurde zu kurz abgetrennt, der Bereich der Hauptschlagader eingeschnitten und nach dem Einriss der Aorta fehlten die Vorderwand und das linke Koronarostium zur Gänze. Somit waren das Spenderherz und die herznahen Gefäße gravierend verletzt. Aber: Das Empfängerherz von Drago Stelcer wurde zu diesem Zeitpunkt bereits entnommen. Er verstarb, laut Witwe, vier Tage später, am 22. Mai 2016, an den Folgen der Implantation des beschädigten Spenderorgans.

Chirurgisch-technisches Problem

Die Witwe, Blanka Stelcer, hat ein Schlichtungsverfahren eingeleitet. In diesem wurde vor der Steiermärkischen Ärztekammer, im Einvernehmen mit der KAGes als Rechtsträger des LKH Graz, ein Sachverständiger mit der Gutachtenserstattung beauftragt. Dieser Sachverständige stellte in seinem Gutachten vom Jänner 2018 fest, dass "ein chirurgisch- technisches Problem, das nur mit mangelnder Fachkenntnis und Erfahrung sowie mangelnder Übung oder ungenügenden chirurgisch-technischen Fähigkeiten zu erklären ist."

Es handelt sich laut Gutachter also eindeutig um ein gravierendes Organisationsverschulden, das nur mit fachlichem und kommunikativem Versagen erklärbar ist. Durch die erfolgten Verletzungen bei der Entnahme des Spenderherzens ist es laut Gutachter auch zu einer signifikanten und relevanten Verlängerung der Operationszeit gekommen, sodass – soweit für den Sachverständigen rekonstruierbar – eine Operationsverlängerung von etwa vier Stunden vorgelegen ist.

Drago Stelcer musste auch an die Herz-Lungen-Maschine (ECMO) angeschlossen werden, welche auch keine ausreichende Sauerstoffversorgung des Patienten erreichen konnte. Das Empfängerherz darf laut Gutachter erst dann herausgeschnitten und das Freigabekommando kommuniziert werden, wenn der Chirurg, der das Spenderorgan entnimmt, das herausgeschnittene Herz inspiziert und für geeignet befunden hat.

"Es ist deshalb zu hinterfragen, ob eine Abteilung wie die Grazer Transplantationsklinik, die jährlich nicht mehr als zwei bis maximal vier Herztransplantationen durchführt, überhaupt dem Qualitätsanspruch genügen kann, der für die Durchführung von Herztransplantationen unbedingt erforderlich ist", so das Gutachten. Seitens der Rechtsabteilung der KAGes wurde laut Anwältin Karin Prutsch in einer schriftlichen Stellungnahme unter anderem entgegnet: "Nicht in allen Fällen wird das Empfängerherz erst dann entnommen, wenn das Spenderherz bereits im Operationssaal ist und inspiziert wurde. Dieses Vorgehen kann man sicherlich kritisch betrachten und war in diesem Fall leider kontraproduktiv, da ja ein möglicher Rückzug nicht mehr möglich war.“

KAGes mit Privatgutachten

Die KAGes hat im Schlichtungsverfahren ein Privatgutachten in Auftrag gegeben, welches bezugnehmend auf die Verletzungen des Spenderherzens ausführt, dass sich der Kenntnis des Gutachters entzieht, bzw. aus den Unterlagen nicht sicher beurteilbar ist, warum die Aortenklappe des Spenderherzens insuffizient war. Der Privatsachverständige unterlässt eine gutachterliche Beurteilung über die Verletzung des Spenderherzens bei Explantation.

Auf "Heute"-Nachfrage meint ein Sprecher der KAGes:
"Das angesprochene Schlichtungsangebot wurde in Abstimmung mit der Rechtsvertretung der Witwe gelegt. Inhaltlich liegen bisher zwei Gutachten vor, die sich in wesentlichen Punkten unterscheiden. Auch die KAGes ist logischerweise an der Klärung noch offener Fragen höchst interessiert."

12.000 € und kein Wort

Die Witwe wurde im Schlichtungsverfahren von der renommierten Anwältin Karin Prutsch vertreten. "Die KAGes hat der Witwe einen Vergleichsbetrag mit € 12.000 angeboten. Bei entsprechender Konsequenz und Verantwortungsübernahme der involvierten Ärzte hätte meine Mandantin grundsätzlich auch Interesse gehabt, den Vergleich anzunehmen. Aber die Abfertigungserklärung war für die Witwe überhaupt nicht akzeptabel", so Prutsch. Der Inhalt der Abfertigungserklärung laut Anwältin: "Frau Blanka Stelcer und ihre Anwältin Dr. Karin Prutsch verpflichten sich weiters zur Verschwiegenheit, sowohl über den Verlauf des Schlichtungsverfahrens, wie auch über den Inhalt und die Höhe dieser Prozesskostenablöse und wissen, dass ein Verstoß gegen diese Verschwiegenheitsverpflichtung Schadenersatzansprüche der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft mbH begründen kann".

Jetzt Staatsanwalt eingeschaltet

Karin Prutsch über die (wörtliche) Reaktion ihrer Mandantin: "Sie wollen mich zum Schweigen bringen, damit niemand weiß, was sie mit meinem Mann gemacht haben. Das werde ich nicht zulassen, sie können mich nicht kaufen."

Jetzt geht Karin Prutsch gegen die KAGes vor und wird eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Graz wegen grob fahrlässiger Tötung einbringen. Blanka Stelcer bekam noch einen Anruf von der Rechtsabteilung der KAGes, dass sie das Schreiben unterfertigen solle. Daraufhin hat Karin Prutsch am 21. Februar 2019 ein Schreiben an die KAGes verfasst und diese aufgefordert Frau Stelcer nicht mehr anzurufen, da diese keine Bereitschaft hat, einen Vergleich mit einer Verschwiegenheitsverpflichtung abzuschließen.
J. Lielacher

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Die Niederösterreicherin am 14.03.2019 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Österreichischen Standard erfüllen

    Ich habe mal eine Kardiologin gefragt was der Unterschied zwischen einer Links- und Rechtsherzinsuffizienz ist! Ihre Antwort:" Ist Herzinsuffizient (mit gebrochenem Deutsch)" Wenn schon ausländische Ärzte, dann sollen diese 1. die Sprache Deutsch lernen!und 2. Sollen diese ein für unseren Standard angemessenes Studium in Österreich oder eine Nostrifizierung ablegen!

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  • Hajit am 14.03.2019 06:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waren

    da wohl schon die ersten Facharbeiter am Werk,

  • Mik R. am 14.03.2019 06:47 Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nicht viel

    Die Klage bring ihren Mann auch nicht mehr zurück. Andererseits hat die Dame ein Recht auf eine Entschädigung

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • PeterKarl am 15.03.2019 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnte man da nicht

    irgend einen Bauern verklagen? Zumindest gäbe es dann mehr Geld. Ironie off. Mein Beileid den Hinterbliebenen.

  • MrRay am 14.03.2019 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Es handelt sich laut Gutachter also eindeutig um ein gravierendes Organisationsverschulden, das nur mit fachlichem und kommunikativem Versagen erklärbar ist.......ein Skandal würde ich mal schlichtweg sagen, wenn sowas Laien anvertraut wird, da bekommt man ja Angst.

    • Venus am 14.03.2019 17:08 Report Diesen Beitrag melden

      @MrRay

      Operationen sind kein Kindergeburtstag. Da kann immer etwas passieren. Die Zeit für ihn war warscheinlich abgelaufen, sonst würde er noch leben. Für mich ist das Schicksal.

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  • Hausmasta am 14.03.2019 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Ich gehe davon aus, daß er ohne OP ohnehin verstorben wäre! So schlief er friedlich mit Hoffnung ein! Ich finde es immer äußerst pietätlose, einen verstorbenen Partner zu Geld zu machen! Und selbst wenn es ein Ärztefehler war: auch Ärzte sind keine Götter!

    • Dadokta am 14.03.2019 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      Götter nicht, aber

      Der Mann hätte mit entsprechenden akzeptierten Einschränkungen 100 Jahre alt werden können, wenn nicht unglaubliche Schlamperei und Pfusch an allen Ecken und Enden im Spiel gewesen wäre. Das war KEIN Kunstfehler (der wirklich passieren kann und darf). Ein Patient ist KEIN Übungsobjekt für Provinzschnippsler! Das ist fahrlässige Tötung, bzw. Körperverletzung mit Todesfolge und hat mit Medizin rein gar nichts zu tun.

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  • Gerhard am 14.03.2019 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Mal ehrlich

    Heute setzt sich ein Arzt an Bett erklärt etwas und man soll unterschreiben. Voll mit Klauseln usw. Hat man hier wirklich gepfuscht, stand nichts in Aufklärung? Früher gab es 1 Klinik dazu in Österreich Innsbruck. Heute macht es jeder, um in der Presse zu stehen. Innsbruch baute den modernsten Transplations Saal Europa. Graz die Landesregierung denkt momentan Spitäler zu schließen wie im Ennstal, wo Volksbefragung kommt. Selbst wurde man vor 10 Jahren in Bielefeld ( Kopf) operiert, mit Video über USA weil es in Österreich keine Klinik gab. Nun macht man es hier, zweifelt aber wegen Technik

  • helmar am 14.03.2019 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Es wurde versucht

    Dem Mann zu helfen. Das Problem wird wohl gewesen sein dass vielleicht zu wenig erfahrene Ärzte das Spenderherz entnommen haben. Es gibt keine Garantie für erfolgreiche Transplantationen. Auch wenn das viele glauben und hoffen.

    • Dadokta am 14.03.2019 15:57 Report Diesen Beitrag melden

      Glück?

      Es gibt Vorschriften und entsprechende mehrfach abgesicherte Vorgangsweisen. Genau deswegen! Menschen mit abgeschlossener Grundschule können daher keine Fehler machen, wenn sie sich nur an die Vorgangsweise halten. Wenn das Spital das nicht garantieren kann, hat es solche OPs zu unterlassen! Fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge hat nichts mit Schicksal, Glück oder Pech zu tun.

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