Niederösterreich

05. November 2018 06:30; Akt: 05.11.2018 12:11 Print

Stabil aus Spital entlassen, kurz danach war er tot

Schwere Vorwürfe von Christine Petermichl gegen das St. Pöltner Spital: "Mein Josef wurde angeblich stabil entlassen, 120 Minuten später war er tot. Er wurde zum Sterben vor die Tür gesetzt."

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Laut Befund stabil, nur zwei Stunden später war Josef G. (64) tot: Christine Petermichl (67) schwankt zwischen Trauer und Wut – ihr geliebter Josef wurde laut ihren Aussagen zum Sterben aus dem Krankenhaus geworfen.

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Wird die Versorgung in Spitälern und Pflegeheimen immer schlechter, ist sie stabil oder wird sie besser?
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Ende Mai war der pensionierte Voith-Kranführer mit einer Lungenentzündung ins Spital St. Pölten gekommen. Am 4. Juni wurde seiner Partnerin (Anm.: 36 Jahre mit Josef G. liiert) mitgeteilt, dass er in zwei Tagen bereits entlassen werde. "Ich ging freudig ins Spital und wollte ihm eine Handy-Wertkarte bringen. Er saß teilnahmslos am Bett, konnte kaum reden, hatte offensichtlich einen Schlaganfall. Ich ging zur Ärztin, die meinte nur, es sei alles in Ordnung. Es dauerte Stunden bis die Ärzte endlich und vor allem richtig reagierten", so Petermichl. "Die Rede war dann von einem leichten Schlagl", so die 67-Jährige. Am späten Abend verließ Christine Petermichl das Klinikum.

Mehrere Schlaganfälle

Am nächsten Tag kam der Anruf aus dem Krankenhaus, dass Josef G. mehrere Schlaganfälle erlitten hatte. "Dabei wurde ernsthaft betont, dass er die Schlaganfälle erst am nächsten Tag, also in der Nacht auf 5. Juni oder am 5. Juni, erlitten hätte", berichtet die 67-Jährige. Der Zustand von Josef G. wurde schlimmer, dennoch wurde der Patient schließlich von der Neuro 1 auf die Neuro 2 verlegt; im August kam er dann ins Pflegeheim Pottenbrunn. Einen Reha-Platz bekam Josef G. trotz Bemühungen anfangs nicht. Aufs Pflegeheim selbst ist die Ex-Lebenspartnerin von Josef G. auch nicht gut zu sprechen: "Wenn du da als Patient keine Angehörigen hast, bist du arm dran." Einziger Lichtblick: Josef G. kam auf die Horner Neuro, um dort für eine allfällige Reha in Allentsteig untersucht zu werden. "Die Ärzte meinten nur zu mir: Was haben die mit Ihrem Mann gemacht?", erzählt die Rentnerin.

Anfang Oktober wurde Josef G. mit einem Infekt wieder ins Klinikum eingeliefert, am 10. Oktober um 12.01 Uhr in stabilem Zustand (Anm.: laut Befund, siehe Fotos) ins Heim entlassen. "Keine Stunde später kam der Anruf aus dem Heim, dass mein Mann sterben würde, ich eilte rein, aber kam zu spät, um 14 Uhr war Josef bereits tot – zum Sterben vor die Tür gesetzt. Unmenschlich. Er hatte zum Schluss gerade mal 45 Kilogramm", so die Hinterbliebene.

Das sagt Sprecherin des Spitals

Zum Erkennen des Schlaganfalls: "Aufgrund einer neu aufgetretenen Sprachstörung wurde am 4.6. ein CT sowie eine neurologische Begutachtung veranlasst, bei der keine Indikation zur cerebralen Lysetherapie gegeben war. Aufgrund der neurologischen Verschlechterung wurde der Patient am nächsten Tag zur Beobachtung an die neurologische Intensivstation transferiert."

Zum Aufenthalt samt Entlassung im Oktober: "Herr G. wurde am 2.10. aufgrund eines Infektes aufgenommen und antibiotisch therapiert. Der weitere Therapieverlauf gestaltete sich im Wesentlichen komplikationslos. Am 10.10. wurde der Patient vom Ärzteteam der Station visitiert. Er zeigte sich in stabilem, entlassungsfähigem Zustand und der Entlassungstermin wurde ärztlicherseits bestätigt. Es wurde unmittelbar vor Entlassung mit dem Pflegeheim Pottenbrunn Kontakt aufgenommen, um die reibungslose Übergabe der Pflege des Patienten zu gewährleisten. Herr G. war zum Zeitpunkt der Entlassung unter Berücksichtigung seiner schwerwiegenden Vorerkrankungen und seiner Behinderung in stabilen Allgemeinzustand und in jedem Fall für die weitere Pflege im Pflegeheim Pottenbrunn geeignet."

Klinikum drückt Beileid aus

Die Sprecherin des Krankenhauses meint abschließend: "Wir bedauern den tragischen Verlust für die Angehörigen und drücken unser aufrichtiges Beileid aus. Wir möchten jedoch betonen, dass die akute Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Patienten aus ärztlicher Sicht nicht vorhersehbar war."

Kommt jetzt Gutachten?

Der Fall landete auch bei der Patientenanwaltschaft, Gerald Bachinger sagt dazu auf "Heute"-Nachfrage: "Wir haben die Krankengeschichte und eine Stellungnahme der internen Abteilung des Spitals St. Pölten und erwarten noch eine Stellungnahme der Abteilung für Neurologie. Es handelt sich um einen schwerwiegenden Vorwurf, den wir sehr ernst nehmen und genau überprüfen. Es kann sein, dass wir auch noch ein Gutachten einholen, um eine umfassende sachlich-fachliche Bewertung zu haben."

Trauriges Detail am Rande: Am Tag der Beerdigung kam die Reha-Bewilligung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wienerberg am 05.11.2018 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    mein aufrichtiges Beileid...

    .., und viel Kraft der Hinterbliebenen. Das zeigt wieder das wir doch diese 2 Klassen-Medizin haben. Traurig, aber im Spital bist nur mehr eine Nummer.

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  • Luise am 05.11.2018 07:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt viele solcher Fälle

    Eine der überheblichsten Aussagen die es gibt. Aus ärztlicher Sicht nicht vorhersehbar. Die meisten Ärzte sehen erst gar nicht hin oder nur 10 Min, da ist es klar das die nichts sehen. Die wissen das sie an der Macht stehen und selbst die Patientanwaltschaft hinter sich stehen haben.

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  • ti am 05.11.2018 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mein Beileid

    Furchtbare traurige Geschichte, mein Beileid an die Gattin.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Manuela am 06.11.2018 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Puppi 1

    Es wird einfach zu wenig kontrolliert, und die Menschlichkeit wird einfach angestellt

  • Alex am 06.11.2018 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Die Ärzte hören einem einfach nicht mehr zu und die guten alten Ärzte, gehen oder sind leider schon in Pension.

  • Nadja am 05.11.2018 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Meine Mutter wurde nach einer Lungen Operation ins AKH St. Pölten gebracht wegen Luftnot. Stationäre Aufnahme. Nach nur 3 Tagen wurde uns gesagt dass Mama sterben würde und wir uns verabschieden sollen. Und das 3 mal! Wir entschieden sie nach Krems ins Kh zu bringen. Sie brauchte nur mobilen Sauerstoff. Heute 3 Jahre später lebt sie ohne Sauerstoff. Ihr Sauerstoff Mangel kam von 2 löchern im Herzen, das nie in St. Pölten untersucht wurde. Heute bekommt Mama Panik wenn sie darüber nachdenkt in einem Notfall da rein zu müssen.

    • Leonie am 05.11.2018 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wünsche viel Kraft!

      Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Habe ähnliches mit meiner Mutter erlebt. Die Welt ist leider nicht so wie sie sein sollte. Und das tut sehr weh. Ich wünsche der betroffenen Familie das allerbeste!

    • manola am 05.11.2018 23:26 Report Diesen Beitrag melden

      Spitäler

      Das ist leider kein Einzelfall , könnte ein Buch schreiben von all den Gegebenheiten und Spitalsaufenthalten meiner Mutter , leider alles sehr , sehr traurig und man hat kaum eine Chance dagegen.

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  • franczo am 05.11.2018 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    gesunder rein kranker raus

    daß ist in st.pöltner Krankenhaus nichts neues,meine frau wurde nach einen pfusch am fuß mit einer 10x5 cm langen und 4 cm tiefen offenen wunde nachhause geschickt und nur gesagt trocken verbinden und nach drei Wochen wieder auf kontrolle !!!! nach 7 tagen war der fuß zum abnehmen wenn wir nicht ins KRANKENHAUS AMSTETTEN gefahren währen,und unser super Patienten Anwalt BACHINGER hatt nicht uns geholfen sondern SEINEN KH-St.Pölten mit einer Ferndiagnose von einen wiener proffesor der denn Patienten gar nicht gesehen hatte,wenn es uns nicht paßt können wir das spittal privat klagen !!!!!!!!!

  • TantePolly am 05.11.2018 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Ping-Pong Systemfehler.

    Laut Gesetz muss ein Patient mit einem akuten medizinischen Problem (vom Pflegeheim oder von zuhause) in ein Spital überstellt werden. Im Spital gilt ein Patient der nicht selbständig essen kann als Pflegefall für welchen ein Spital nicht zuständig ist (also zurück ins Pflegeheim oder nachhause). Ohne Besucher, welche ihn füttern, würde er im Spital verhungern (45 kg) weil dort niemand dafür zuständig ist. Ein kaum bekannter Ausweg aus diesem Ping-Pong ist der Wunsch nach einer Entlassung zur palliativen Pflege weil danach die Pflicht zur Spitalseinlieferung entfällt

    • Alice im Wunderland am 05.11.2018 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @TantePolly

      Gefüttert werden Enten. Im Krankenhaus wird sehr wohl Essen verabreicht, wenn der Patient dazu nicht in der Lage ist!

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