Von Privatversicherung

01. Februar 2019 06:30; Akt: 01.02.2019 07:27 Print

Stress als Unfall? Mann forderte 601.000 Euro

Bei der Wohnungssanierung hatte ein 59-Jähriger eine Gasleitung angebohrt, wählte den Notruf, war derart im Stress, dass er einen Schlaganfall erlitt. Von seiner Versicherung forderte er 601.000 €, blitzte aber ab.

Unfall oder nicht? Mann bohrte Gasleitung an, erlitt Schlaganfall; kl. Foto: Anwalt (Bild: iStock, privat)

Unfall oder nicht? Mann bohrte Gasleitung an, erlitt Schlaganfall; kl. Foto: Anwalt (Bild: iStock, privat)

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Aus Angst vor einer möglichen Gas-Explosion (nachdem er die Gasleitung angebohrt hatte) war ein sportlicher 59-jähriger Akademiker in einer derartigen Stresssituation, dass er einen schweren Schlaganfall erlitt. Er forderte von seiner privaten Unfallversicherung 601.000 Euro, bekam am Wiener Handelsgericht und auch in zweiter Instanz Recht.

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Insgesamt 189 Teilnehmer

OGH kippte Urteil

Jetzt ging der Fall zum Obersten Gerichtshof (OGH), dieser kippte das Urteil. Der mittlerweile über 60-Jährige bekommt nichts, muss der Versicherung aber knapp 77.000 € für Anwalts- und Gerichtskosten zahlen. In Summe (mit dem eigenem Anwalt, Gutachter) muss er rund 177.000 € zahlen.

Die Begründung: Ein Unfall ist ein plötzlich von außen auf den Körper der versicherten Person einwirkendes Ereignis, wodurch diese unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet; ein von außen auf den Körper wirkendes Ereignis liegt vor, wenn Kräfte auf den Körper einwirken, die außerhalb des Einflussbereichs des eigenen Körpers liegen. Werden äußere Ereignisse von der versicherten Person bloß sinnlich wahrgenommen, ohne dass jene sie unmittelbar körperlich beeinträchtigen, dann liegt kein Unfall vor, auch wenn dieses äußerlich bleibende Geschehen bei der versicherten Person innerkörperliche psychische Reaktionen (Stress- und Alarmreaktionen) auslöst, welche dann zu körperlichen organischen Schädigungen führen. Die Gefahren einer krankhafte Folgen auslösenden innerkörperlichen Stress- und Angstreaktion auf eine äußerlich bleibende (und sich auch nicht verwirklichende) Bedrohung der körperlichen Integrität sind in der Unfallversicherung nicht gedeckt.

Also kurzum: Das nicht toxische Gas führte zu keiner äußeren Verletzung, also ist es kein Unfall.

Das rät Badner Anwalt

Der Badner Anwalt Gottfried Forsthuber: "Die Entscheidung des OGH zeigt eindeutig, wie wichtig es ist, das Kleingedruckte zu lesen, genau nachzufragen und dem richtigen Berater zu vertrauen. Der Mann ist zu 100% invalid und bekommt deswegen trotzdem keinen einzigen Cent von seiner privaten Versicherung!"

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Franz am 01.02.2019 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Hää?

    Ich versteh das Problem nicht, ein Schlaganfall ist kein Unfall! Warum also das "Kleingedruckte" lesen - da gibts nichts zu lesen. Dafür ist eine Unfallversicherung nicht da! Ich kann ja einen Arbeitsunfall auch nicht bei der KFZ-Kasko geltend machen oder?

  • Ehklar am 01.02.2019 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur ich

    Diese Unfalldefinition ist seit ewigen Zeiten geltendes Recht. Ich verstehe nicht, wie er in zwei Instanzen recht kriegen konnte. Jedenfalls muss ihm nach Beratung seines Anwalts das außerordentliche Prozessrisiko bewusst gewesen sein.

  • Mia am 01.02.2019 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Können Akademiker

    mit Stress nicht umgehen ? Hätte sich alles ersparen können, wenn er sich für die Sanierung der Wohnung geeignete Fachleute geholt hätte. Da war er sich zu gierig ?

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Esslinga am 03.02.2019 04:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Akademiker

    und Heimwerken, eine unendliche Geschichte.

  • Martin am 01.02.2019 23:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz klar

    Amerikanische Verhältnisse funktionieren hierzulande nur im Geschäfts und Banken Bereich Aber eine Unfallversicherung ist keine Krankenversicherung und dieser Mann hatte keinen Unfall

  • Censorship am 01.02.2019 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Niemals...

    Geht nie durch, sonst rennen die tausenden Opfer von asozialen, lärmenden Nachbarn, von nun an zu den Versicherungen....

  • Max Mustermann am 01.02.2019 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Versicherung soll zahlen

    Ich habe mich heute so sehr aufgeregt, dass ich Kopfschmerzen bekam. Ich möchte von meiner Versicherung 801.000 Euro. Dann wird es mir sicher gleich besser gehen.

    • Martin am 01.02.2019 23:54 Report Diesen Beitrag melden

      Kopfweh

      Habe auch schon länger Kopfweh. Ganz speziell dann wenn Rechnungen im Postkasten liegen Hau mir uns zamm und machen eine Sammelklage :-)

    einklappen einklappen
  • Mia am 01.02.2019 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Können Akademiker

    mit Stress nicht umgehen ? Hätte sich alles ersparen können, wenn er sich für die Sanierung der Wohnung geeignete Fachleute geholt hätte. Da war er sich zu gierig ?