36.000 Fälle

23. November 2018 14:57; Akt: 23.11.2018 15:03 Print

36.000 Tote: Ex-Wache des KZ Mauthausen angeklagt

Ein 95-jähriger Mann, der im österreichischen KZ Mauthausen Wachmann gewesen sein soll, wurde nun in Berlin angeklagt.

Bild einer Gedenkfeier in Mauthausen. (Bild: MKÖ Sebastian Philipp)

Bild einer Gedenkfeier in Mauthausen. (Bild: MKÖ Sebastian Philipp)

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Dem beschuldigten Hans H. wird Beihilfe zum Mord in über 36.000 Fällen vorgeworfen. Er soll zwischen Sommer 1944 und Frühjahr 1945 bei der 16. Kompanie des "SS Totenkopfsturmbannes" Mitglied gewesen sein. Die Kompanie war im Konzentrationslager Mauthausen aktiv.

Die Anklagebehörde in Berlin teilte am Freitag mit, dass der heute 95-Jährige angeklagt wurde. Der Wachmann habe durch seine Tätigkeit im KZ die vieltausendfachen Tötungen von Insassen des KZ fördern oder zumindest erleichtern wollen.

Ob es zu einem Prozess kommt, muss ein Gericht entscheiden.

36.223 Menschen getötet

Laut Anklageschrift wurden allein während Hans H. im Konzentrationslager arbeitete mindestens 36.223 Menschen getötet. Sie starben größtenteils durch Vergasung, aber auch durch "Totbadeaktionen", Injektionen und Erschießungen. Viele sind auch verhungert oder erfroren. Von all dem soll der Angeklagte nicht nur gewusst, sondern es durch seine Wachtätigkeit auch ermöglicht haben.

Hans H. soll die Häftlinge nachts in der inneren und tagsüber in der äußeren Postenkette bewacht haben. Auch sei er bei der Bewachung bei Märschen zu Arbeitskommandos eingesetzt gewesen, die unter anderem im Steinbruch "Wiener Graben" schuften mussten. Häftlinge die aus diesen Arbeitskommandos flüchteten, wurden von den Wachmännern oft erschossen.

In Mauthausen, einem der größten Konzentrationslager der Nazis, wurden insgesamt 200.000 Menschen inhaftiert, 100.000 starben.

Nicht der Einzige

Dass der Mann überhaupt angeklagt wird, ist das Resultat einer neuen Rechtssprechung in Deutschland.

Früher kamen nur Verdächtige vor Gericht, die sich direkt an den Tötungen beteiligt hatten. Der Bundesgerichtshof ist seit 2016 aber der Meinung, dass unterstützende Tätigkeiten von KZ-Wachleuten als Beihilfe zum Mord eingestuft werden. Deshalb gab es in letzter Zeit mehrere Anklagen gegen ehemalige KZ-Wachmänner.

Mord und damit auch Beihilfe zum Mord verjähren in Deutschland nicht.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eberhard Ultra am 23.11.2018 16:14 Report Diesen Beitrag melden

    Prügelknabe für Versäumnisse der Justiz

    Was hätte der (damals möglicherweise noch als minderjährig geltende) Wachmann verändern können? Er ist doch ein untauglicher Ersatz (Prügelknabe) für die vielfach unbehelligt gebliebenen Täter. Da verdienen wieder einige viel Geld. Bis zum Prozessende ist der Mann vermutlich auch nicht mehr haftfähig. Besser gehören die Versäumnisse der Justiz aufgearbeitet.

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  • Hui am 23.11.2018 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beeilt euch

    Mit 95 wäre mir jede Anklage sowas von egal, ich würde alles zugeben und bin auch am Krieg schuld. Sperrt mich doch zwanzig Jahre ein, übrigens wenn ich schon hier bin, ich brauche eine neue Hüfte, ein paar neue Bandscheiben und neue Zähne, ist im Knast ja Aufgabe des Staates.

  • Angelika. am 23.11.2018 17:18 Report Diesen Beitrag melden

    Totaler Unfug...

    Ich bin wirklich die Allerletzte, die sich auf die Seite und schützend vor einem mutmaßlichen NS- Kriegsverbrecher stellen täte, aber welchen Sinn hat es, einen derart hochbetagten Mann anzuklagen und vor Gericht zu stellen? Der Mann wird sich aller Wahrscheinlichkeit an kaum bis gar nix erinnern können, noch wird er dem Prozess folgen können. Das er eine allfällige Haftstrafe niemals wird antreten müssen, ist so gut wie sicher! In dem Alter ist man sowieso Haftunfähig. Außer, man sitzt als ,Lebenslängliche(r)' ohne Aussicht auf Entlassung schon Jahrzehnte im Knast und wird dort steinalt.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • koarllustig am 25.11.2018 18:11 Report Diesen Beitrag melden

    nur die Spitze des Eisberges

    Der damals sehr junge Mann wird nur als Exempel herangezogen !! Von den anderen weitaus schlimmeren Herrn sind viele durch die Nürnberger Prozesse gerutscht und haben unter anderem bei der Nasa ihren Platz gefunden !! Das stört bis heute anscheinend niemanden. Und wo sind die ganzen Angeklagten z.B. von der schauderhaften und verbrecherischen Bombardierung von Dresden, den millionenfachen Vergewaltigungen und den verhungerten Kriegsgefangenen ?! WARUM ist es überhaupt zum 2.WK gekommen, ich meine nicht was uns eingeimpft wurde, sondern die WAHRHEIT. Da wird der "kleine Mann" zum Sündenbock !

  • Albert am 24.11.2018 15:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freispruch

    Es gilt die Unschuldsvermutung. Ich denke er hat nicht gewusst was da passiert.

    • Sucher am 26.11.2018 15:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Albert

      Ob er gewußt hat oder nicht, hätte er den Befehl nicht ausgeführt hätten sie ihn umgelegt. Was ist den beim Bundesheer, wenn du nicht einrückst gehst ins Häfen.

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  • Marie Clair am 24.11.2018 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    100 Millionen Tote ungesühnt?

    Ich kann mich nur vielen Meinungen hier anschließen und will das NZ- Regime sowie den Kriegsverbrechern von damals nicht in Schutz nehmen. Aber was ich mich Frage: Der internationale Kommunismus hat 100 Millionen Tote hervorgebracht,...wo bleiben da die Verurteilungen? Aber der wird ja Idealisiert

  • Karl Binder am 24.11.2018 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Starke Leistung

    Was für eine Starke Leistung den Alten Mann Anzuklagen und evt auch Einzusperren. Es ist traurig wenn manche mit der Geschichte nicht Abschließen können.

  • Erich Menon am 24.11.2018 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Immer schön am köcheln halten

    Ich frage mich nur was pasdiert wenn auch der allerletzte der damaligen Akteure verstorben ist? Kommen dann die Nachkommen bis ins 5. Glied zum Handkuss?