Skandal um Aussendung

22. April 2019 12:03; Akt: 23.04.2019 16:03 Print

FPÖ Braunau verärgert mit wirrem Ratten-Gedicht

Entsetzen und Ärger über einen Postwurf-Ostergruß der FPÖ Braunau: Das Gedicht "… die Stadtratte (Nagetier mit Kanalisationshintergrund)" sorgt für Irritation.

Das Gedicht der FPÖ Braunau sorgt für Kritik und Rücktrittsforderungen.  (Bild: Screenshot/FPÖ Braunau)

Das Gedicht der FPÖ Braunau sorgt für Kritik und Rücktrittsforderungen. (Bild: Screenshot/FPÖ Braunau)

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Es sollten Ostergrüße werden, die die FPÖ Braunau dieser Tage an die Haushalte in der Innviertler Stadt per Postwurfsendung ausschickte. Doch es wurde zu einem handfesten Skandal.

Abgedruckt wurde nämlich ein "Gedicht". Der Titel: "… die Stadtratte (Nagetier mit Kanalisationshintergrund)". In dem wirren Text in Reimform geht es um eine Ratte, in deren Umgebung sich alle an die Regeln halten ("auch Gäst' oder Migranten") müssen oder andernfalls "rasch von dannen eilen" sollen.

Allerdings wirft die Ratte aus der Kanalisation dann einen Blick in die Stadt "nach oben" (Braunau ist damit gemeint; Anm.) und da ist alles ganz anders.

In den sozialen Medien erntete man damit einen Shitstorm. In Form und Inhalt erinnere das Gedicht an die Zeit des Nationalsozialismus. Zudem sei der Vergleich von Menschen mit Ratten zumindest problematisch.

Gerstorfer fordert Rücktritt von Haimbuchner

Für die oberösterreichische SPÖ-Chefin Birgit Gerstorfer ist das Gedicht an "Widerwärtigkeit nicht zu übertrumpfen", wie sie in einer Aussendung mitteilt.

"Die FPÖ Braunau stellt sich hier auf ein Niveau der Menschenverachtung und der Schändlichkeit, die ihresgleichen sucht. Das ist schlimmste rechtsextreme Diktion, auch die Nazis haben Menschen mit Ratten verglichen. Erschreckend ist auch, dass dieses Pamphlet in der FPÖ Oberösterreich, deren Vorsitzender Manfred Haimbuchner ist, verlegt und gedruckt wurde, wie das Impressum deutlich macht."

Gerstorfer fordert deshalb den sofortigen Rücktritt von Haimbuchner.

Auch der Braunauer FPÖ-Stadtparteivorsitzende Hubert Esterbauer solle die Konsequenzen ziehen und sein Amt zurücklegen.

Esterbauer zeigte sich laut "Standard" in einer ersten Reaktion unglücklich mit dem Gedicht, verfasst habe es der FPÖ-Vizebürgermeister der Stadt, Christian Schilcher.

Stelzer findet Gedicht widerlich

Von LH Thomas Stelzer (ÖVP) fordert Gerstorfer, "von seinem Koalitionspartner klare Konsequenzen zu verlangen". Stelzer selbst bezeichnete das Werk "widerlich". "In einem weltoffenen Land wie Oberösterreich haben solche Vergleiche keinen Platz und werden auch nicht toleriert. Ich erwarte mir, dass sich die FPÖ rasch und deutlich von diesem 'Gedicht' distanziert", sagte Stelzer zu der APA.

Grüne ebenfalls entsetzt

Auch der Braunauer Bundesrat David Stögmüller reagierte auf die Postwurfsendung mit Entsetzen. Das Gedicht erinnere "in Stil und Inhalt an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte". "Ich fordere FP-Stadtrat Hubert Esterbauer auf, umgehend von allen Ämtern zurückzutreten", sagt er.

FPÖ: Misslungener Versuch zu dichten

Recht eigenwillig reagierte die FPÖ Oberösterreich: Es sei das ganze Gedicht „letztlich ein misslungener Versuch, ein ernstes Thema in Versform aufzuarbeiten", so Landesparteisekretär Erwin Schreiner in einer Aussendung. Man habe mit dem Verfasser ein ernstes Gespräch geführt, er habe sich entschuldigt.

Eine "Botschaft" an die Kritiker – unter anderem auch Bundeskanzler Sebastian Kurz und LH Stelzer – hatte Schreiner auch noch: "Wir danken allen, die sich in der Sache zu Wort gemeldet haben, für die Aufmerksamkeit, die Sensibilität und die absolut berechtigte Kritik."


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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ist Er am 22.04.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

    Mag.

    Es wird kein anderer Mensch, schon gar kein Migrant als Ratte bezeichnet, wenn man lesen kann und es auch tut!

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  • Ist Er am 22.04.2019 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Mag.

    An alle, die sich künstlich aufregen ohne Bescheid zu wissen: das Vorbild ist eine Versfabel von Jean de la Fontaine!

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  • Statistiker am 22.04.2019 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Gefällt mir

    Satire vom Feinsten! Aber Satire darf doch fast alles, zumindest, wenn es sich um linkslinke Satire handelt. Einmal selbst damit konfrontiert, sieht die Sache für sie dann schon ganz anders aus. Aber Sozialkritik aus der Sicht einer Kanalratte, das hat schon was für sich! Analogien befreien ja bekanntlich von eingefahrenen Denkmustern, was aber bei unseren Linken aussichtslos zu sein scheint.

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Klemens am 24.04.2019 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Mag

    Als ob dieses Gedicht unser größtes Problem wäre!!Unsere so genannten Gut Parteien die Jahrzehnte lang unser Land Todregiert haben,sollten vor der eigenen Tür kehren!!

  • Thomas am 23.04.2019 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Perfekt

    Dank der schwachen FPÖ Führung und einigen unverbesserlichen rückt die Absolute für die ÖVP in greifbare Nähe.

  • Pavel am 23.04.2019 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    An alle die das jetzt herunter spielen: Sogar eure Partei verurteilt es.

  • Sic! am 23.04.2019 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Frage:

    Komisch, der Verfasser selbst sagt, dass er es getan hat. Kann Hr. Schilcher selbst nicht lesen?

  • Der/Puuuuuuuuuu am 23.04.2019 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Lieb Österreich.......

    Strache postet, das kommt nicht so gut an. Strache schweigt. Schwups neues Posting da, große Erregung. Strache aus dem Schneider. Taktik erfolgreich. Mit der Zeit entsteht, für mich, der Eindruck,Österreich hat genau die Regierung die es verdient.