Justiz ermittelt

30. Januar 2019 18:17; Akt: 30.01.2019 18:17 Print

17 Monate alter Bub nach Muttermal-OP gestorben

Vor knapp einem Jahr war ein 17 Monate alter Bub nach einer OP im Salzburger LKH gestorben. Er ist an seinem eigenen Erbrochenem erstickt.

Tragödie am Landeskrankenhaus Salzburg. (Bild: Archivfoto)

Tragödie am Landeskrankenhaus Salzburg. (Bild: Archivfoto)

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Die Eltern von David, der im Frühjahr nach einem harmlosen Eingriff am Landeskrankenhaus Salzburg gestorben war, haben sich nun mit besorgniserregenden Details zum tragischen Fall ihres Sohnes zu Wort gemeldet. Der Bub wurde in Narkose versetzt, obwohl er nicht nüchtern war. Ein fataler Fehler, wie sich zeigte.

Aber der Fall von vorne erzählt: Die Eltern brachten ihren 17 Monate alten Sohn David im April 2018 zur Abklärung einer Wunde ins Landeskrankenhaus Salzburg, nachdem dieser zuhause gestolpert war und sich dabei sein Muttermal an der Wange verletzt hatte.

In der Ambulanz wurde die blutende Wunde gereinigt und mit einem Tupfer versorgt. Außerdem wurde zunächst entschieden, dass dem Bub am darauffolgenden Tag das Muttermal operativ entfernt werden soll. David hatte zuvor etwas gegessen, wäre für die Narkose laut einem Bericht vom "Falter" somit nicht nüchtern gewesen.

Jene Entscheidung der Ärztin bestätigte zunächst auch der hinzugerufene Oberarzt. Kurz darauf hatte er sich allerdings wegen eines möglichen "bedrohlichen Blutverlustes" noch umentschieden und doch, trotzdem der Bub nicht nüchtern war, zu einem sofortigen Eingriff geraten. Auf Nachfrage der besorgten Mutter habe der Anästhesist versichert, dass kaum Risiko bestehe.

Narkose ohne Beobachtung

Der Eingriff selbst sei gut und ohne Zwischenfälle verlaufen. Doch beim Ausleiten der Operation im Zuge der Aufwachphase habe das Baby dann Erbrochenes eingeatmet. "Das Problem war die Narkose", erklärte Jürgen Köhler, ärztlicher Direktor des Klinikums, schon im April. Laut "Falter" hatte der zuständige Anästhesist eine Herzüberwachung mittels EKG wegen der Kürze des Eingriffs abgelehnt. Dadurch sei der Herzstillstand des Buben auch nicht rechtzeitig erkannt worden.

Der Vorfall wurde der Staatsanwaltschaft gemeldet. Die Eltern haben den Sachverständigen Matthias Thöns zur Untersuchung des Falls beauftragt. Dieser erklärte dem "Falter" gegenüber, dass die Operation angesichts des fehlenden EKG "grob sorgfaltswidrig" gewesen sei. Laut Thöns dürfe man bei einem nicht nüchternen Kind nur im äußersten Notfall operieren, "einem offenen Bruch, einem Darmriss oder einer Schussverletzung. An einer kleinen Wunde, die man auch noch abdrücken könnte, kann ein gesundes Kind nicht sterben. An einer Narkose bei fehlender Nüchternheit schon."

Chaotische Zustände

Auch eine hinzugerufene Oberärztin, die noch einen Reanimationsversuch unternommen hatte, bekrittelte die vorherrschenden Zustände. Ihrer Aussage zufolge habe sich offenbar niemand zuständig gefühlt. "Am meisten irritierte mich die gefühlte Schockstarre der Beteiligten", gab sie zu Protokoll und sagte weiter: "Wie ich den OP betreten habe, hatte ich den Eindruck, dass der Bub bereits tot ist, und dass ich zu spät gerufen wurde."

Klinikumsleiter Köhler habe den Behörden laut dem Bericht jedenfalls "volle Transparenz" zugesagt. Gleichzeitig sei er aber auch zum Schutz der Ärzte verpflichtet, die nicht vorverurteilt werden sollten. Deswegen seien alle an Davids Behandlung beteiligten Mitarbeiter nach wie vor im Dienst – bis alle Ermittlungen endgültig abgeschlossen sind.

Bedenken wegen Zusatzversicherung

Die Eltern von David befürchten laut "Falter", dass ihr Sohn womöglich wegen der Zusatzversicherung bevorzugt behandelt und deshalb sofort operiert wurde – und ihm diese Entscheidung letztendlich das Leben kostete. Das Spital weist diesen Vorwurf vehement zurück. Die Entscheidung sei ausschließlich aus medizinischen Gründen erfolgt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ein papa am 30.01.2019 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Nur traurig und nicht verständlich. Als Unser kleiner mit 16 Monaten operiert wurde waren Wir oder ein elternteil immer dabei außer kurz in op saal. In der aufwachphase als minuten nach der op sitzt man schon und wartet bist das Kind kommt ist da wenn es aufwacht, das ist zumindest in Wien so...

  • H. J. am 30.01.2019 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Horror

    Wahnsinn! Das Muttermal zu operieren hatte offenbar höchste Priorität, die Nachversorgung so gut wie keine. Das darf doch nicht wahr sein. Noch dazu bei einem so kleinen Kind. Besonders kritisch. Ich bin entsetzt und mir tun die Eltern unendlich leid. Alles Gute und dass sie professionell unterstützt werden.

  • Heimatland am 30.01.2019 23:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ärztliche Kunstfehler gelten bei uns als Bagatelle

    Ich darf raten: im Endeffekt wird eine Geldstrafe von 2000 Euro - natürlich bedingt - für den tödlich endenden Pfusch herauskommen!

Die neuesten Leser-Kommentare

  • K. am 12.02.2019 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweischneidig

    Eine unfassbare Tragödie die für die Eltern nicht furchtbarer sein kann, doch bin ich mir sicher das keiner der Ärzte den Tod des jungen durch seine Entscheidung verschulden wollte. Vielmehr denke ich dies war eine Fehleinschätzung also ein Fehler bei der Arbeit wie er uns allen Tag täglich mal passiert nur nur als Arzt führt es zu so schwerwiegenden Ausmaß! Ich für mich bedaure in diesem Fall beide Seiten den jeder hat an den Folgen schwer zu nagen!

  • Mami 1 am 31.01.2019 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Mami 1

    Wo bleibt der gesunde Hausverstand der "ELTERN", das Kleinkind wegen so einer Bagatelle operieren zu lassen. Im Normalfall desinfiziert man eine Wunde mit einem geeigneten Wunddesinfektionsmittel tut eventuell ein antibakterielles Puder auf die Wunde und ein nicht mit der Wunde verklebendes Pflästerchen!!! Ich bin auch Mutter und viele Spielgefährten meines Kindes hatten fast jeden Tag irgend eine Blessur, da hätte ein KTW Ambulanz in der Siedlung machen müssen!!! 22 Kinder die immer mitsammen unterwegs waren!!

  • Marco Mama am 31.01.2019 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Mein beileid und viel Kraft den Eltern.

  • Heimatland am 30.01.2019 23:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ärztliche Kunstfehler gelten bei uns als Bagatelle

    Ich darf raten: im Endeffekt wird eine Geldstrafe von 2000 Euro - natürlich bedingt - für den tödlich endenden Pfusch herauskommen!

  • ein papa am 30.01.2019 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    Nur traurig und nicht verständlich. Als Unser kleiner mit 16 Monaten operiert wurde waren Wir oder ein elternteil immer dabei außer kurz in op saal. In der aufwachphase als minuten nach der op sitzt man schon und wartet bist das Kind kommt ist da wenn es aufwacht, das ist zumindest in Wien so...