Saharastaub

23. April 2019 15:05; Akt: 23.04.2019 21:29 Print

Über Nacht kommt der Blutregen nach Österreich

In der Luft über Österreich wird aktuell eine hohe Schadstoffbelastung gemessen. Ein Wetter-Experte der Ubimet erklärt, was es damit auf sich hat und was wir beachten müssen.

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Heftige Stürme haben im Norden Afrikas tonnenweise Staub aufgewirbelt und bis in höhere Luftschichten verfrachtet. Dieser Sahara-Staub wird nun von großräumigen Luftströmungen in Richtung Österreich geblasen.

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Laut den Meteorologen sorgt das Phänomen dafür, dass der Index für die Luftqualität durch die Decke schießt: Spätestens ab Mittwoch ist im ganzen Land mit einer sehr hohen Schadstoffbelastung zu rechnen. "Heute.at" hat bei den Experten der Ubimet nachgefragt, was auf uns zukommt:

Um welche Schadstoffe handelt es sich da genau?

Die Luftqualitätsvorhersage (siehe Diashow oben) stellt die zu erwartende Schadstoffbelastung dar. Dabei fließen folgende Schadstoffe in den berechneten Index ein: Stickstoffdioxid (NO2), zwei Sorten Feinstaub (PM2.5 und PM10), Kohlenmonoxid (CO), Ozon (O3) und Schwefeldioxid (SO2). Die Höhe des Luftqualitätsindex richtet sich immer nach dem Schadstoff, für welchen am Boden die höchsten Konzentrationswerte zu erwarten sind.

Warum ist die Belastung ab Mittwoch so hoch?


Für Mittwoch und die darauffolgenden Tage berechnet die ZAMG nahezu in ganz Österreich die höchste Belastungsstufe 5. Ruft man sich in Erinnerung, dass die höchsten Belastungen durch Ozon an extrem heißen Sommertagen erreicht werden und jene durch Feinstaub/Schwefeldioxid/Kohlenmonoxid zum Großteil bei stabilen Inversionslagen im Winter, so kann es jetzt im April eigentlich nur eine logische Schlussfolgerung für die berechneten hohen Werte geben. Der Grund liegt im Sahara-Staub, der sich seit Dienstag in nennenswerten Mengen in der Atmosphäre über Österreich befindet.

Wie lange gilt die "rote Warnung"?

Der Sahara-Staub beschäftigt uns noch bis einschließlich Freitag, dann zieht eine kräftige Kaltfront über uns hinweg. Dahinter strömen am Wochenende deutlich kühlere, dafür aber auch sauberere Luftmassen vom Atlantik nach. Staub aus der Sahara ist dann kein Thema mehr.

Sollte man den Aufenthalt im Freien vermeiden?

Der Sahara-Staub ist in erster Linie in der Atmosphäre aktiv und betrifft uns eigentlich kaum. Sich bei einer Wetterlage mit Sahara-Staub draußen aufzuhalten ist nicht gefährlicher, als im Sommer einen staubigen Feldweg entlang zu laufen. Allerdings sollten sich Menschen mit einer Vorerkrankung (Pollenallergie/Asthma) schonen, für sie stellt der Staub eine zusätzliche Belastung dar.

Wie kommt der Sahara-Staub nach Österreich?

Die verursachende Wetterlage ist selten, aber nicht unbekannt und tritt vornehmlich zwischen November und Mai auf. Immer, wenn Kaltluft über Westeuropa weit nach Süden vorstoßt, können sich beispielsweise über Marokko und Algerien kräftige Tiefdruckgebiete bilden.

Diese bringen viel Wind in die Wüste, der die Sandpartikel kilometerhoch aufwirbeln kann. An der Vorderseite solcher Tiefs findet man zumeist starken Südwind, der neben warmer Luft auch den Sandtransport in den Alpenraum bewerkstelligt. Den Prognosen zufolge zieht die Staubwolke sogar über ganz Mitteleuropa und Island bis nach Grönland.

Wie macht er sich bemerkbar?

Der Sand in der Luft verändert auch die Lichtfarbe. Sonnenuntergänge werden blass und auch das Himmelsblau nimmt weißliche Züge an, was an der starken Streuung des Lichtes an den Staubpartikeln liegt.

Der Staub kann durch zwei Prozesse aus der Atmosphäre zum Boden gelangen. Durch die sogenannte trockene Deposition und durch Regen. Die trockene Deposition (Ablagerung) ist eher ineffektiv, deutlich wirksamer ist das Auswaschen des Staubes aus der Atmosphäre.

Wenn nun mit dem Regen der Wüstenstaub ausgewaschen wird und den Boden erreicht, kann man bei besonders markanten Lagen auch sogenannten Blutregen beobachten. Durch die enthaltenen Staubpartikel hinterlässt der Regen mitunter rötliche Spuren, Autofahrer dürften schon öfters diese Erfahrung gemacht haben.

Für den Menschen ist der Wüstenstaub übrigens harmlos und die Böden bekommen bei solchen Situationen wertvollen Nachschub an Mineraldünger.

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(red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dragonheart am 23.04.2019 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    Staubbelastung

    durch Sahara gehört verboten! Das ist eine Frechheit- wo sind die Grünen jetzt? Beim Dieselmotor warens die Ersten..

    einklappen einklappen
  • David am 23.04.2019 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Grüne

    Laut den Grünen und Roten ist sicher die FPÖ an diesem Geschehen schuld ;)

    einklappen einklappen
  • Zyniker am 23.04.2019 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Mir machen mehr die Fabriken weltweit sorgen die 24 Stunden am Tag wer weiß was in die Luft blasen.

Die neuesten Leser-Kommentare

  • Christian am 24.04.2019 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Die Meldung kommt zu spät !

    Der Blutregen kam schon im Herbst 2015 nach Österreich ! ;)

  • Desert Eagle am 24.04.2019 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe die Aufregung

    nicht. Gelbe, orange oder rötliche Ablagerungen auf unseren Gletschern sind doch nicht außergewöhnlich. Seit Jahrtausenden sind sie im Eis nachweisbar, auch schon in der vorindustriellen Zeit.

  • Hubert Huber am 23.04.2019 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Skandalös

    Diese Aktion der Natur ist skandalös, die Umwelt-Greta wird mehr Atomkraftwerke gegen den Sahara-Staub fordern und die Kinder europaweit noch einen weiteren Streiktag einlegen - und überhaupt, was erlauben sich die Sahara-Beduinen da? Waren sie mit den Kamelen zu schnell unterwegs oder sind sie dieselbetrieben?

  • Manni01 am 23.04.2019 17:44 Report Diesen Beitrag melden

    Bin schon neugierig

    Wie hoch die Strafzahlungen an die EU sein werden.

  • Olli am 23.04.2019 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Staubige Sache

    Uiii, das ist wieder mal eine Demonstration wert. Bin neugierig was den Grüninnen dazu einfällt.