Interview mit dem Grünen-Landessprecher

31. Januar 2016 19:37; Akt: 06.02.2016 03:40 Print

Joachim Kovacs: "Es fehlt Einsatz für kleine Leute"

Smash gegen ein Vorurteil. Nicht alle Grünen töpfern oder modellieren Birkenstocksandalen in ihrer Freizeit. Der neue Landessprecher Joachim Kovacs ist Tennistrainer. Spiel, Satz und Interview.

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"Heute": Wir spielen hier beim Post SV in Hernals. Warum sind Sie nicht bei den Australian Open?

Joachim Kovacs: Ich war mehrfacher Landesmeister und mit 18 Doppelstaatsmeister. Aber mit 19 wusste ich: Das wird nichts mit der Profi-Karriere.

"Heute": Warum?

Kovacs: Verletzungen, Liebe. Und ich konnte es mir schlicht nicht leisten, in der Welt herumzufahren.

"Heute": Wie findet ein Tennistalent zu den Grünen?

Kovacs: Ich stamme aus einer sozialdemokratischen Familie im Südburgenland. Ich habe von Kindheit an miterlebt, wie viel leichter du es mit einem Parteibuch hast. Das hat mich gestört.

"Heute": Ihre Eltern waren…

Kovacs: Die Mutter Lehrerin, der Vater Arbeiter in Wien, Polier, Wochenendpendler.

"Heute": Warum kamen Sie dann in die Politik?

Kovacs: Meine Eltern würden sagen, weil ich schon als Kind laut geschrien habe.

"Heute": Und tatsächlich?

Kovacs: Großes Interesse. Als Jugendlicher habe ich Kabarett gern gehabt. Manche Nationalratssitzungen erinnern mich jetzt daran. Doch die Leute wollen kein Kabarett, die wollen ein besseres Leben. Ich will dafür kämpfen.

"Heute": Sie sind jetzt 31. Was wurde aus den Ambitionen?

Kovacs: Ich bin als Tennislehrer selbstständig. Ich erlebe täglich, wie schwer das ist. Es fehlt am Einsatz für die kleinen Leute.

"Heute": Ein Tennislehrer , der sich vor die Grünen stellt und sagt: "Bei uns ist viel falsch gelaufen." Da ist man beliebt, oder?

Kovacs: Ich habe Politikwissenschaft studiert, aber nie ein Hehl daraus gemacht, dass ich Tennislehrer bin. Und ich bin keiner, der sich wegduckt.

"Heute": Was macht ein Landessprecher eigentlich?

Kovacs: Ich bin viel in Bezirken unterwegs und will die Leute für Rot-Grün begeistern. Wir müssen das Gemeinsame in die Auslage stellen und die sozialen Probleme angreifen.

"Heute": Hören Sie in den Bezirken nicht ständig: Es kommen zu viele Flüchtlinge?

Kovacs: Ich höre viele Sorgen. Ich frage nach. Arbeitslosigkeit, hohe Mietpreise. Wenn man nicht schafft, das zu lösen, dann ist es klar, dass es Ängste gibt. Nicht reden, sondern tun.

"Heute": Ein typischer Tag…

Kovacs: Vormittags Politik, nachmittags Tennis, abends Politik. Ein ständiger Wechsel von T-Shirt und Alltagskleidung.

"Heute": Sie sind Single, oder?

Kovacs: Nein, ich bin seit 2008 mehr als glücklich mit Denise, einer Intensivkrankenschwester, fest liiert.

"Heute": Aber Sie haben keine Kinder?

Kovacs: Nein, aber viele Kinder mit Tennisschlägern am Platz.

"Heute": Sie sind der Einzige, der stolz darauf sein kann, dass er mit Schlägern arbeitet?

Kovacs: Genau (lacht).

"Heute": Sind Sie wenigstens Vegetarier oder Veganer?

Kovacs: Nein.

"Heute": Drei Pläne der Grünen in den nächsten fünf Jahren?

Kovacs: Flächendeckend Gemeinsame Schule. Zweitens: Mehr sozialer Wohnbau und Einführung einer Leerstandsabgabe. Drittens: Willkommenskultur aufgreifen und zeigen, uns gelingt auch Integration.

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