Wiener Hundeführschein:

02. November 2018 06:25; Akt: 02.11.2018 06:25 Print

Prüferin: "Halter müssen Hunde-Verhalten kennen"

von Louis Kraft - Während politisch um den Hundeführschein noch gestritten wird, hatte "Buddy" am Mittwoch seinen großen Tag. "Heute" war bei der Prüfung dabei.

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Seit Juli 2010 ist in Wien ein Hundeführschein für Listenhunde vorgeschrieben. Am Mittwoch legt Staffordshire-Bullterrier-Mischling Buddy (elf Monate) seine Prüfung ab. Los geht's mit einem theoretischen Teil. Frauchen Iris H. (42) muss in einem Multiple Choice-Test 24 aus 30 Fragen richtig beantworten. Hundeprüferin Sabine Koch-Bischof wertet die Antworten gleich aus. Ergebnis: Für Iris sind die Fragen kein Problem. Weiter geht es mit den wichtigsten Pflegemaßnahmen, wie der Kontrolle der Pfoten ... oder der Zähne. Wichtig ist dabei, die für den Hund unangenehmen Vorgänge mit Leckerlis spielerisch zu gestalten und so möglichst positiv zu besetzen. Ganz besonders wichtig ist es, dass Hundehalter ihrem Vierbeiner stressfrei und schnell den Maulkorb anlegen können. Auch das ist für Iris und Buddy kein Problem. "Das Wichtigste ist, dass Halter das Verhalten ihrer Hunde richtig einschätzen können und entsprechend handeln", erklärt Sabine Koch-Bischof. Beim Distanz-Test schätzt Iris, dass sie etwa drei Meter von Buddy weit weg gehen kann und er brav auf "Platz" bleibt. Und tatsächlich: Buddy hat sein Frauchen zwar fest im Blick, macht aber keine Anstalten aufzustehen. Als letzter Punkt steht dann die Interaktion mit anderen auf dem Programm. Wie wird Buddy auf Radfahrer, Jogger, Personen mit Kinderwagen oder andere Hunde reagieren? Iris hat ihren Liebling im Blick, erkennt mögliche Anzeichen von Stress sofort und kann entsprechend reagieren. Bei der Prüfung war das aber nicht nötig, Buddy war vom Radfahrer völlig unbeeindruckt. Buddy und Frauchen Iris meisterten die Prüfung zum verpflichtenden HUndeführschein mit Bravur.

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Mittwoch Vormittag im Wiener Donaupark: Bei strahlendem Sonnenschein steht für den elf Monate alten British Staffordshire-Bullterrier-Mischling Buddy ein besonderer Punkt auf dem Programm. Er absolviert heute mit Frauchen Iris H. (42) den verpflichtenden Hundeführschein.

Umfrage
Sind Sie für Einführung eines verpflichtenden Hundeführscheines für alle Hunde?
55 %
11 %
32 %
2 %
Insgesamt 457 Teilnehmer

Seit 1. Juli 2010 ist der Hundeführschein in Wien für alle sogenannten Listenhunde verpflichtend. "Bei der Hundeführscheinprüfung schauen wir darauf, wie der Hundehalter mit seinem Hund umgeht, ob er die Signale richtig lesen und vor allem, ob er Situationen richtig einschätzen kann", erklärt Hundeverhaltensberaterin Sabine Koch-Bischof. Sie ist eine von 27 Prüfern, bei denen man in Wien den Hundeführschein absolvieren kann.

Prüfung in zwei Teilen

Los geht die Prüfung mit einem theoretischen Teil. Aus einem fixen Fragenkatalog mit 150 Fragen wählt der Prüfer 30 aus, die der Hundehalter in einem Multiple Choice-Fragebogen richtig beantworten muss. "Für das positive Absolvieren müssen 24 Fragen richtig beantwortet werden. Dabei fragen wir aber auch nach, denn die Halter sollen ja nicht auswendig lernen, sondern das Wissen verstanden haben und anwenden können", so Koch-Bischof.

Sobald das erledigt ist, folgt der praktische Teil. "Beginnend mit den wichtigsten Pflegemaßnahmen, wie Kontrolle der Ohren, Zähne und Pfoten, geht er hier darum zu überprüfen, ob der Halter in der Lage ist, auch für den Hund eher unangenehme Dinge stressfrei durchführen kann", erklärt die Prüferin.

Für Buddy ist das alles kein Problem, er lässt die Kontrolle geduldig über sich ergehen. "Aber am ausgefahrenen 'bestes Stück' oder den Schuppen im Fell kann man sehen, dass Buddy aufgeregt ist", erklärt Koch-Bischof. In diesem Fall lag das aber weniger an der Maulkontrolle und mehr an dem "Heute"-Team, das Iris und Buddy interessiert zusah.

Danach folgt das Anlegen des Maulkorbs. "Auch hier ist es wichtig, dass das spielerisch erfolgt, damit der Hund den Beißkorb besser akzeptiert und lernt zu kooperieren", so Koch-Bischof. Wenn hier mit Druck vorgegangen werde, lerne der Hund Maulkorb mit Stress oder Schmerz zu verbinden – das Anlegen wird in der Folge immer schwieriger.


(Video: Video3)

Klappen Befehle wir "Sitz, Platz und Bleib"?

Auch ob die wichtigsten Befehle wie "Sitz", "Platz" und Bleib" funktionieren wird in der rund einstündigen Prüfung kontrolliert. Dazu wechselt Hundehalterin Iris die normale Leine gegen eine lange Ausziehleine. "Hier geht es vor allem darum, dass die Halter richtig einschätzen können müssen, wie weit sie sich von dem Hund entfernen können, ohne das der Hund ihnen nachläuft", erklärt die Prüferin.

"Das wichtigste in der Hundehaltung ist es, das Verhalten des Hundes zu kennen und dementsprechend vorausschauend zu handeln. Das heißt, wenn ich weiß, dass mein Hund besonders auf Radfahrer reagiert, dann muss ich rechtzeitig ausweichen oder, wenn das nicht geht, ihn mit Futter positiv durch die Situation führen. Heftiges an der Leine zerren ist genau das, was nicht sein soll, denn dann verbindet der Hund Radfahrer erst recht mit etwas Negativem und die Chance auf aggressives Verhalten steigt", erklärt Koch-Bischof.

Buddy meistert alle Aufgaben souverän

Für Buddy sind die gestellten Aufgaben (vorbeigehen an anderen Hunden oder das Passieren von Radfahrern) kein Problem. Nur der pelzige Windschutz für das Mikrofon auf der Videokamera findet Buddy's gebannte Aufmerksamkeit, "sieht ja auch aus wie ein Spielzeug", lacht Iris.

Grund für Buddy's ausgezeichnete Performance ist die gute Erziehung: Iris und ihre Familie haben sich zwei Jahre lang auf Buddy vorbereitet, schon vorher viel über Staffordshire-Terrier gelesen. Und schon am ersten Tag hat Buddy's Erziehung begonnen.

"Ausweitung des Hundeführschein für alle ist gute Idee"

"Wir haben uns bewusst als Hommage für einen Listenhund entschieden, weil wir zeigen wollen, das die als Kampfhund verschrieenen Hunde eigentlich das Gegenteil sind. Hunde erziehen ist wie Kinder erziehen, die Entwicklung eines Hundes hängt stark vom Menschen ab. Daher halte ich es für eine gute Idee, wenn der Hundeführschein für alle kommt", so Iris H.

Auch Prüferin Koch-Bischof unterstützt den Vorschlag nach Ausweitung auf alle Hunderassen, denn längst sind nicht alle Hundehalter so verantwortungsvoll wie Iris H. "Jeder sollte eine Ausbildung machen, denn Wissen um das Verhalten des Hundes kann vor Bissvorfällen schützen", so die Hundetrainerin.

"Wir sehen, dass Hunde, die eine Hundeschule besucht haben, deutlich besser mit alltäglichen Situationen umgehen können. Das gilt für alle Hunderassen, nicht nur für Listenhunde", so Koch-Bischof. Gut findet die Prüferin auch die Idee der Wiener Grünen, den Prüfern zum Hundeführschein mehr Kompetenzen einzuräumen. "Es passiert schon, dass das Wissen und die Fähigkeit gerade einmal für den positiven Abschluss des Hundeführschein genügt, aber dennoch klare Lücken festzustellen sind. Hier sollte dann dringend nachgeschult werden", so Koch-Bischof.

Rot-Grüne Gespräche zu Hundeführschein Neu laufen

Nachdem die geplante 12. Novelle des Wiener Tierhaltegesetz nach einem Trick der FPÖ nun doch nicht beschlossen wurde, laufen im Rathaus die Gespräche auf Hochtouren.

Dabei versuchen die Koalitionspartner trotz unterschiedlicher Positionen auf einen grünen Zweig zu finden. Fix ist, dass der verpflichtende Hundeführschein für Listenhunde künftig nach zwei Jahren wiederholt werden muss. Wie berichtet, will der Grüne Tierschutzsprecher Rüdiger Maresch das auf alle Hunderassen ausweiten. Wann die neuen Regelung beschlossen wird, steht derzeit noch nicht fest.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wiener am 02.11.2018 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Gebt doch endlich Ruhe

    Die Medien lassen einfach nicht los. Da wird solange auf einem Thema rumgekaut, damit ja nicht wieder Ruhe und Normalität einkehrt ... Wasser auf den Mühlen der Hundehasser ... was die Grünen wollen? Wen interessiert das noch? Hundehalter zahlen Steuern und es gibt nicht mehr schwarze Schafe als bei Radfahrern, Autofahrern, Eltern etc.

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  • Lionhunter am 02.11.2018 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schnapsidee

    Hundeführschein die Pseudolösung. Klar, dass die Hundeetrainer in die Hände klatschen. Es bringt Geld in die Kassen. Was passiert aber mit Hundepensionen, Dogsittern? Die können nicht für jeden Hund den sie betreuen den Schein machen ...

  • Hundeliebhaberin am 02.11.2018 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hundeführerschein

    Den Hundegegnern ist alles zu wenig: Hundeführerschein, Beißkorb, Leine ... Ich habe einen braven Leonberger. EINE Prüfung für alle Hunde finde ich ganz gut, wiederholte Prüfung für Listenhunde auch. Aber dann sollte es doch reichen Leine ODER Beißkorb anzulegen. Und bitte hört endlich auf, alle Hundehalter zu kriminalisieren!

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Die neuesten Leser-Kommentare

  • Michaela am 02.11.2018 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hundeführerschein prüfung

    Wie geht das zb mit einen Mini Chihuahua mit 1,50kg.

  • Frau am 02.11.2018 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Resi

    Ich weiß nicht immer wieder das gleiche Thema haben wir keine anderen Sorgen

  • Hundeliebhaberin am 02.11.2018 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hundeführerschein

    Den Hundegegnern ist alles zu wenig: Hundeführerschein, Beißkorb, Leine ... Ich habe einen braven Leonberger. EINE Prüfung für alle Hunde finde ich ganz gut, wiederholte Prüfung für Listenhunde auch. Aber dann sollte es doch reichen Leine ODER Beißkorb anzulegen. Und bitte hört endlich auf, alle Hundehalter zu kriminalisieren!

    • Ivy1 am 02.11.2018 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      @hundelieb

      Wenn Sie für eine wiederholungsprüfung sind, dann zahlen Sie mir ja die Prüfung sicherlich freiwillig für meinen braven unauffälligen Listenhund, der die Hunde Schule besucht hat oder? Und schenken mir 1bis 2 urlaubstage. Oder was würden sie davon halten, wenn man ihnen solche Pflichten aufzwingt, obwohl ihr Hund ein braver ist?

    • Sozial am 08.11.2018 23:26 Report Diesen Beitrag melden

      Grüffelo

      Super Idee.Bin ich ganz bei Ihnen mit der Meinung.

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  • Wiener am 02.11.2018 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Gebt doch endlich Ruhe

    Die Medien lassen einfach nicht los. Da wird solange auf einem Thema rumgekaut, damit ja nicht wieder Ruhe und Normalität einkehrt ... Wasser auf den Mühlen der Hundehasser ... was die Grünen wollen? Wen interessiert das noch? Hundehalter zahlen Steuern und es gibt nicht mehr schwarze Schafe als bei Radfahrern, Autofahrern, Eltern etc.

    • Sozial am 08.11.2018 23:27 Report Diesen Beitrag melden

      Grüffelo

      Bin ganz und voll Ihrer Meinung

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  • Lionhunter am 02.11.2018 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schnapsidee

    Hundeführschein die Pseudolösung. Klar, dass die Hundeetrainer in die Hände klatschen. Es bringt Geld in die Kassen. Was passiert aber mit Hundepensionen, Dogsittern? Die können nicht für jeden Hund den sie betreuen den Schein machen ...