Auf Kosten der Steuerzahler

05. Oktober 2018 05:59; Akt: 04.10.2018 22:28 Print

Ludwig macht Verleger Millionengeschenk

Auf Wunsch des Bürgermeisters schlossen die Wiener Linien einen Vergleich mit der Gratiszeitung "Österreich". Verleger Wolfgang Fellner kann das bis zu fünf Millionen Euro bringen.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) (Bild: picturedesk.com/APA)

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) (Bild: picturedesk.com/APA)

Zum Thema
Fehler gesehen?

"Österreich" sieht sich als Opfer. Oft! Wenn sich Wolfgang Fellner waidwund fühlt, übt er Druck aus, viel Druck, hört man. Da Charakter in Österreich (dem Land) leider keine Pflichtimpfung im Mutter-Kind-Pass ist, bekommen viele, vor allem Politiker, Männerschnupfen, wenn sich Fellner bei ihnen meldet, und knicken ein.

Nun auch, besonders peinlich für jemanden, der neu im Amt ist, Michael Ludwig. Vorgeschichte: "Heute" hatte, lange bevor "Österreich" auf den Markt kam, einen Vertrag mit den Wiener Linien abgeschlossen und darf seine Boxen in U-Bahn
Stationen aufstellen. "Österreich" reichte vor gut zehn Jahren (!) dagegen Klage ein. Bisher ohne nachhaltigen Erfolg.

Auch die "alte" Stadtregierung ließ sich durch Klagen nicht "erpressen". In den letzten Tagen aber passierte Wundersames. Der neue Bürgermeister ergab sich nach "Heute"-Infos dem Druck von Fellner und wirkte auf die Wiener Linien ein, einen Vergleich zu schließen.

Für Ludwig ein Doppeljackpot. Er erkauft sich Fellners Gunst, muss das Geld aber nicht selbst berappen – das übernimmt der Steuerzahler. Es geht um satte Summen, von
zwei bis zu fünf Millionen Euro ist die Rede, die Fellners "Österreich" von der Stadt (präziser vom Steuerzahler) in den Rachen geworfen bekommt. Genau weiß man es nicht, der Vergleich ist – Sie erraten es – geheim.

Er ist aus mehreren Gründen auch unsinnig und fahrlässig:

■ Nach Ansicht mehrerer Juristen hätten die Wiener Linien den Prozess ohnehin gewonnen, also gar nichts zahlen müssen.

■ "Österreich" wurde nämlich nicht benachteiligt. "Heute" hat momentan rund 220 Boxen in U-Bahn-Stationen stehen, "Österreich" entsprechend viele davor
und zusätzlich viele weitere – mutmaßlich illegal – aufgestellt.

■ Ein vom Gericht beauftragter Berliner Gutachter stellte deshalb kürzlich fest, dass "Österreich" kein Nachteil aus der Aufstellung der Boxen erwachsen sei.

■ Und: Schadenersatz wurde noch nicht einmal geltend gemacht (dafür hätte "Österreich" – entgegen allen Erwartungen – den Prozess gewinnen müssen). Die Wiener Linien zahlten also ohne Not und kassieren nix für Boxenmiete und Reinigung ("Heute" kommt dafür auf). Die Hunderttausenden Euro werden "Österreich" angeblich erlassen.

Bleiben Sie informiert mit dem Newsletter von heute.at


Das könnte Sie auch interessieren:

(red)