Ein weiterer Wiener Gemeindebau trägt nun einen neuen Namen. Das Gebäude in der Schönbrunner Straße 242 in Meidling wurde offiziell nach dem Maler und Grafiker Josef Mikl benannt. Die Namensgebung fand durch Wohnbaustadträtin Kathrin Gáal und Bezirksvorsteher-Stellvertreterin Barbara Marx (beide SPÖ) statt.
Die Wohnhausanlage wurde zwischen 1960 und 1962 erbaut. Am 11. November 1962 – im Jahr der Fertigstellung – mietete Josef Mikl in dieser Wohnhausanlage ein Atelier an. Der Gemeindebau umfasst zwei Wohnblöcke mit vier Stiegen und heute insgesamt 43 Wohnungen.
Mikl wurde am 8. August 1929 in Wien geboren und besuchte nach dem Krieg die Höhere Graphische Lehr- und Versuchsanstalt. Von 1948 bis 1955 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Als Student war er Mitglied des Wiener Art Club bis zu dessen Auflösung im Jahr 1955. Hier traf er unter anderem auf Maria Lassnig und Friedensreich Hundertwasser.
1956 gründete er mit Arnulf Rainer und anderen die Künstlergruppe "Galerie nächst St. Stephan". Josef Mikl bestimmte in den folgenden Jahren die Wiener Avantgarde-Szene, er verhalf – mit anderen – im Wien der 1950er-Jahre der Abstraktion zum Durchbruch. Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der informellen Malerei.
Im öffentlichen Raum gestaltete er unter anderem die Kirchenfenster der Pfarrkirche Parsch in Salzburg und jene der Friedenskirche in Hiroshima, Japan. 1997 gestaltete er den neu eröffneten Großen Redoutensaal in der Wiener Hofburg. Josef Mikl war von 1969 bis 1997 Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien. 1990 erhielt er das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. 2004 wurde ihm das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Im selben Jahr ehrte die Stadt Wien ihn mit dem Ehrenring. Am 29. März 2008 starb Mikl im Alter von 78 Jahren in Wien.
"Josef Mikl hat mit seiner Kunst und seinen Arbeiten inspiriert, Impulse gesetzt und zeitlose Werke geschaffen. Er hat die Wiener Kunstszene nachhaltig geprägt und weit über die Grenzen hinaus gewirkt. Es freut mich sehr, dass wir mit der Hofbenennung sein Leben würdigen und dadurch der Name im öffentlichen Raum in Erinnerung bleibt", so Gáal. "Kunst und Gemeindebau sind seit Beginn des sozialen Wohnbaus eine unzertrennliche Gemeinschaft. Denn Kunst bereichert das Leben."