"Verdränge Alter"

Wiener Arzt (81) geht auf Krücken, arbeitet aber weiter

Der Mediziner Herbert Kopsa zählt zu den bekanntesten Nieren-Spezialisten des Landes. Trotz hohen Alters und neuer Hüfte hilft er weiterhin Patienten.
Christian Tomsits
15.11.2023, 05:30
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"Das Wichtigste ist die Demut vor der Therapie", spart Herbert Kopsa (81) im "Heute"-Gespräch nicht mit Weisheiten. Sein Credo: "Nicht rauchen und Alkohol nur in Maßen", rät der Mediziner, der nur noch mit Krücken gehen kann. Doch selbst eine Hüft-OP und andere Einschränkungen hindern Wiener nicht daran, Tag für Tag für seine teils schwerkranke Kundschaft da zu sein. "Es macht einen betroffen, wenn weitaus jüngere Patienten mit schweren Leiden kommen und sogar daran sterben." Um jeden einzelnen tue es ihm leid.

Doch an das eigene Lebensende denke der mittlerweile 81-Jährige, der fast 50 Jahre verheiratet ist, jedoch niemals: "Ich verdränge mein Alter. Das Verdrängen hilft mir", lacht Kopsa, der selbst in der Pandemie immer offen hatte und half, wo er konnte. Seine Patienten sind ihm dafür dankbar. "Im Internet lassen sie mir manchmal schöne Bewertungen da", zeigt er stolz einen ausgedruckten Zettel, auf dem er als "Koryphäe" gelobt wird.

Den Beruf als Arzt empfand der Wiener immer schon als Berufung: "Ein guter Internist ist ein Sammler", erklärt der Nierenexperte. Mithilfe von Laborbefunden, Ultraschall und Röntgen findet er die passenden Diagnosen. "Auch ein gutes Ohr und gute Augen sind sehr wichtig", so der Mediziner. In den Herztönen oder durch Schattierungen auf der Haut mache sich so manche Krankheit bemerkbar.

Promi-Patienten im AKH

Seine Forschungsarbeiten (230 Publikationen) – vorallem die zu Transplantationspatienten mit herabgesetztem Immunsystem – brachten dem ehemals passionierten Skifahrer weltweiten Respekt in der Kollegenschaft und eine Professur an der Wiener Universität ein. 40 Jahre lang war er außerdem am AKH, zuletzt als Primar. So mancher äußerst prominente Transplantations-Patient wurde durch ihn betreut, verrät er. Vor 16 Jahren verabschiedete er sich in Pension, nicht aber in den Ruhestand. Zumindest drei Tage die Woche hat seine Ordination seither geöffnet.

Auszeichnung fürs Lebenswerk

Nun soll der Wiener eine Ehrung für sein Lebenswerk bekommen – ein hoher Orden, der ihm im Jänner feierlich in seiner Praxis überreicht werden soll. Dafür wurde sogar ein eigenes Musikstück komponiert. Das mache ihn stolz. Doch ansonsten bleibt der zweifache Opa demütig  – und fleißig. Warum seine Kinder keine Ärzte wurden und die Praxis weiterführen? "Ich riet ihnen ab. Viel zu stressig", meint er und lacht. Er müsse sich nun um die Patienten kümmern.

{title && {title} } ct, {title && {title} } Akt. 15.11.2023, 08:57, 15.11.2023, 05:30
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