"Abgeschnitten": Blutige Schnitzeljagd mit Leichen

Sehr spannend und überaus grauslich geht es in Moritz Bleibtreus neuem Thriller zu.
Es ist nicht leicht, den Pathologen Paul Herzfeld (Bleibtreu) aus der Fassung zu bringen. In den Katakomben der Berliner Rechtsmedizin schneidet er tagtäglich die Opfer von "Extremdelikten" auf. Mord, Folter und Vergewaltigung sind Herzfelds Tagesgeschäft. Als er im Kopf einer Leiche ein Zettelchen mit der Handynummer seiner Tochter findet, beginnt das Herz des Doktors dann aber doch zu rasen.

Die Teenagerin wurde entführt; will Herzfeld sie wiedersehen, muss er das Kidnapping-Einmaleins befolgen. Also ja nicht die Polizei einschalten, sondern brav auf weitere Anweisungen warten. Letztere soll ein gewisser Erik liefern. Dumm nur, dass der tot am Strand von Helgoland liegt, und die Insel noch dazu Orkan-bedingt vom Festland abgeschnitten ist.

Comiczeichnerin Linda (Jasna Fritzi Bauer), gerade über den Kadaver gestolpert, hebt ab, als Herzfeld bei Erik durchklingelt. Der Pathologe überredet sie, den Toten zu untersuchen, während er selbst einer Spur an der Nordseeküste folgt.

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Toller Anfang, mieses Ende

Spannend ist "Abgeschnitten", keine Frage, und auch clever inszeniert. Die schwierige Aufgabe der räumlichen Zweiteilung, durch die die beiden Handlungsstränge (Insel und Festland) nur durch eine wacklige Telefonverbindung verknüpft sind, meistert der Streifen - Regie: Christian Alvart - etwa hervorragend. Zum unterhaltsamen Miträtseln (welcher Gute ist in Wahrheit ein Böser?) animiert der Streifen ebenfalls.

Aber die Handlung, tja, "an den Haaren herbeigezogen" trifft es nicht mal annähernd. Dass Linda sich auf die, wie sie es nennt, "Schnitzeljagd mit Leichen" einlässt, ergibt ja noch halbwegs Sinn. Selbst Opfer eines Stalkers, ist die junge Frau eben bereit, viel zu riskieren, um einem unschuldigen Mädchen das Leben zu retten. Aber der Plan, der hinter besagter Schnitzeljagd steckt, basiert auf so vielen Zufällen und logischen Fehlern, dass es beim Zuschauen schon richtig weh tun kann.

Je komplizierter der Film wird, desto mehr geht es mit der Spannungskurve bergab. Keinem irren Plottwist ist zu trauen, weil ein weiterer schon hinter der nächsten Ecke lauern könnte. Bevor der Film in ein peinliches Finale gipfelt, sorgt er immerhin für reichlich Gänsehaut und echtes Frösteln.

"Abgeschnitten" startet am 12. Oktober 2018 in den österreichischen Kinos.

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