"Alles Geld der Welt": Erst das Drama, dann der Thrill

Was tun, wenn der stinkreiche Großvater das Lösegeld für seinen Enkel nicht zahlen will? Bangen, hoffen und Geduld beweisen!

Der reichste Mann der Welt? Nein, der reichste Mann seit Anbeginn der Zeit! J. Paul Getty (Christopher Plummer) hat sein immenses Vermögen mit saudiarabischem Öl angehäuft. Er verteidigt und vermehrt sein Geld, indem er im Luxushotel seine Unterhosen selbst wäscht (statt zehn Dollar für die Reinigung auszugeben), indem er Besucher auf seinem Anwesen nur über eine eigens installierte Telefonzelle Anrufe tätigen lässt (einer der besten Momente des Films zum entrüsteten Kopfschütteln), und indem er keinen Cent Lösegeld herausrückt, als sein Enkel John Paul Getty III (Charlie Plummer, nicht mit Christopher verwandt) von italienischen Gangstern entführt wird.

Der Vater (Andrew Buchan) des Teenagers liegt zugedröhnt in einer Opiumhöhle in Marokko, die alleinerziehende Mutter Gail (Michelle Williams) setzt hingegen Himmel und Hölle in Bewegung, um den alten Getty zum Zahlen der geforderten 17 Millionen Dollar zu bringen. Der Greis aber bleibt unerbittlich. Hilfe gewährt er nur in der Form von professioneller Unterstützung: Der ehemalige CIA-Agent Fletcher Case (Mark Wahlberg) wird beauftragt, die Täter auszuforschen. Er kommt zu der Überzeugung, dass John Paul Getty III nicht wirklich in Gefahr schwebt. Eine folgenschwere Fehleinschätzung...

Der Trailer zum Film:

Drama vs. Thriller

Handelt "Alles Geld der Welt" nun vom stinkreichen Opa, der das Lösegeld für seinen Enkel nicht bezahlen will, oder vom Martyrium des Burschen und seiner Mutter? In der ersten Hälfte des Films geht es ganz klar um den Milliardär, der als gallespeiender Drachen auf seinem Berg aus Geld hockt, während die Entführung als holperndes Beiwagerl nur mäßig Spannung erzeugt.

Sobald weitere Gangster auf der Bildfläche erscheinen und sich das Kidnapping-Opfer als vermeintlichen Goldesel unter den Nagel reißen, verlagert sich plötzlich das Gewicht. Nun fesselt das Schicksal von Gail und Paul Junior, während der reiche alte Knacker nur unnötige Screentime beansprucht. Für sich selbst genommen sind die beiden Teile gut, harmonieren aber schlecht miteinander.

Notnagel Plummer für Oscar nominiert

Wer die Gettys für Menschen halte, liege falsch, heißt es in "Alles Geld der Welt". Die Superreichen dieser Welt waren vielleicht einmal Menschen, sind jedoch längst etwas weitaus Besseres. Dass sich der Familienpatriarch für eine Reinkarnation des römischen Kaisers Hadrian hält, passt da sehr gut ins Bild.

Christopher Plummer (nach dem Skandal rund um Kevin Spacey in kürzester Zeit in den Film geflickt) verkörpert den personifizierten Geiz und Größenwahn mit Bravour. Eine großartige Leistung und das auf Knopfdruck. Die Oscar-Nominierung, die Plummer dafür erhielt (als bester Nebendarsteller), hätte sich Michelle Williams (als Hauptdarstellerin) trotzdem mehr verdient.

"Alles Geld der Welt" startet am 16. Februar 2018 in den österreichischen Kinos.

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