"Bauch, Beine, Po/mmes": Video gegen Essstörungen

Protagonistinnen der Video-Clips "Bauch, Beine, Pommes" sind drei Lifestyle-Influencerinnen Toni, Lisa und Alex, die als Bauch-, Bein-und Pommes Expertinnen die "perfekten Tipps für den perfekten Körper in einer perfekten Welt" geben.
Protagonistinnen der Video-Clips "Bauch, Beine, Pommes" sind drei Lifestyle-Influencerinnen Toni, Lisa und Alex, die als Bauch-, Bein-und Pommes Expertinnen die "perfekten Tipps für den perfekten Körper in einer perfekten Welt" geben.Bild: Stadt Wien

Immer mehr Frauen und Mädchen leiden unter Essstörungen. Die Stadt will nun gegensteuern. Stars der Kampagne: Zwei üppige Damen und eine junge Frau mit Achselhaaren.

Nur die Hälfte der unter- und normalgewichtigen Mädchen bezeichnet ihren eigenen Körper als „gerade richtig", 38% finden sich zu dick. Mädchen schätzen ihr Gewicht deutlich kritischer ein als Buben. Im schlimmsten Fall führen diese falschen Körperwahrnehmungen zu Essstörungen.

Laut Spitalsentlassungsstatistik waren Jahr 2015 insgesamt 361 Mädchen und Frauen sowie 49 Buben und Männer in stationärer Behandlung aufgrund von Essstörungen, obwohl von einer deutlich höheren Anzahl an Betroffenen auszugehen ist. Knapp 30% der Mädchen und Frauen in stationärer Behandlung sind dabei unter 19 Jahre alt. Das zeige der Wiener Gleichstellungsmonitor 2016, heißt es in einer Aussendung am Montag.

Fitnessvideo-Parodie gegen Essstörungen

Die Antwort der Stadt ist… interessant: Frauen- und Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) stellte am Montag die dreiteilige Videoserie „Bauch, Bein, Pommes" vor, die vom Wiener Programm für Frauengesundheit beauftragt wurde. Es zeigt eine dunkelhäutige und eine blonde junge Dame mit "Wohlfühl-Figur", sowie eine junge Dame mit Achselhaaren, die sichtlich Freude an ihren Körpern haben. Thema der 1. Folge (zwei weitere sollen folgen): der Bauch. Der sei toll, weil jede und jeder sowas habe, wird aufgeklärt. Dann werden die Sit-Ups mit "Schoko-Gewichten" versüßt. Zum Abschluss werden dann noch die auf sozialen Medien kursierenden "Challenges" auf die Schaufel genommen.

1. Folge von "Bauch, Beine, Po/mmes":

"Wir möchten, dass Mädchen in Wien sicher, selbstbewusst und unabhängig sein können. Dafür ist es notwendig, die gesellschaftlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, denn Mädchen sind medial einem großen Druck ausgesetzt. Die Videos sind Teil unserer Kampagne zur Stärkung des Körpergefühls von Mädchen", so Frauenberger. Und Kristina Hametner, die Leiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit setzt fort: "Wir wollen in einer jugendkulturellen Ästhetik, ohne moralischen Zeigefinger und mit einer Portion ‚Wiener Schmäh' das Thema behandeln, um gezielt junge Mädchen damit anzusprechen", so die Leiterin des Wiener Programms für Frauengesundheit Kristina Hametner. "Mit einer Parodie wird das Fitnessthema aufgegriffen und die Sichtweise, dass das Individuum zur Gänze selbstverantwortlich ist und der Körper ein formbares Projekt, das zu Leistung und Erfolg führt, in Frage gestellt", erklärt sie.

Onlinebefragung „Bodyshaming und Social Media"

In einer quantitativen Onlinebefragung im Winter 2016/17 wurden durch das Österreichische Gallup Institut 171 Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren, die in Wien leben oder hier zur Schule gehen, studieren oder arbeiten zum Themenkomplex Körperbilder und Internet befragt.

WhatsApp vor YouTube und Facebook

Ergebnis: Die meistbenutzten Plattformen sind WhatsApp (95%), YouTube (93%) und Facebook (86%). Bildbetonte Plattformen werden von Mädchen häufiger genutzt als von Burschen. So nutzen 72% der Burschen und 88% der Mädchen Instagram, bei Pinterest sind nur 5% der Burschen und 30% der Mädchen als NutzerInnen zu verzeichnen. Mädchen posten generell häufiger Fotos von sich selbst im Internet als Burschen: 79% der Mädchen und 68% der Burschen geben an, aktuell bzw. immer wieder solche Fotos ins Internet zu stellen.

Mädchen sind weniger selbstbewusst als Burschen: Während 80% der Burschen angeben, eine positive Einstellung zu sich selbst zu haben, tun dies vergleichsweise nur 66% der Mädchen. Auch legen nur 36% keinen Wert darauf, was andere über ihren Körper denken, bei Burschen sind es 50%. 74% der Mädchen wünschen sich, ihren Körper so formen zu können, wie sie ihn gerne hätten (61% der Burschen), 62% geben an, sich unwohl zu fühlen, wenn sie nicht gut aussehen (38% der Burschen).

Soziale Medien spielen eine wichtige Rolle zum eigenen Körpergefühl

So gibt mehr als die Hälfte der Jugendlichen (52%) an, dass negative Foto-Kommentare in Social Media häufig vorkommen, 50% kennen Personen in ihrem Umfeld, die verbalen Abwertungen ausgesetzt waren. Wenn es aber um eigene Erfahrungen mit Foto-Kommentaren geht, erwähnen 75% ausschließlich positive und nur 4% ausschließlich negative Kommentare. Besonders auffällig ist es, dass Mädchen eher als Burschen dazu neigen, die negativen Erfahrungen „runterzuspielen": Positive Kommentare in Bezug auf die eigene Person erwähnen 83% der Mädchen und 58% der Burschen, negative 2% der Mädchen und 8% der Burschen.

Negative Kommentare treffen Mädchen stärker

Während 60% der Burschen angeben, dass die abschätzigen Bewertungen sie nicht berührt haben, behaupten dies nur 28% der Mädchen. 39% der Mädchen geben hingegen zu, sich gekränkt zu haben und je 22% führen an, Schamgefühle empfunden und das Foto gelöscht zu haben, mit ihrem Äußeren unzufrieden geworden zu sein und ihr Selbstbewusstsein verloren zu haben. (ck)

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