"Bitte lass mich sterben, Karli!"

Auf einer Party vor 36 Jahren drückte Ludwig Hirsch Karl Scheibmaier ein Tape in die Hand. Es war "Die Omama". Ein Song, ein Text, den es so noch nie gegeben hatte. In "Heute" erinnert sich Hirschs Freund und Manager an den "bedeutendsten Liedermacher des letzten Jahrhunderts".

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Heute: Wann haben Sie das letzte Mal mit Herrn Hirsch gesprochen?

Scheibmaier: "Mittwochabend. Wir haben über die Zukunft geredet. Über seine neue CD. Wir waren ja gerade dabei, Lieder zu schreiben. Und über das Angebot, nächstes Jahr in Berlin und Hamburg zu spielen."

Haben Sie beim Telefonat gespürt, dass er gehen will?

"Nein, überhaupt nicht. Und es tut mir so, so leid."



+++ Zum Kondolenzbuch für Ludwig Hirsch +++


Wie war er in der Zeit, als er im Krankenhaus lag?

"Wir haben uns noch gegenseitig Glück gewünscht, ich komm ja auch gerade nach einem Unfall aus dem Spital. Ludwig war einer, der nie zum Arzt gegangen ist. In den letzten Wochen war's aber dringend notwendig."

  Wie lange kannten Sie ihn?

"Mehr als 30 Jahre. Er hat mir 1977 auf einem Fest ein Demoband von der 'Omama' in die Hand gedrückt. So eine Art von Musik kannte man ja damals noch gar nicht."



+++ Hirschs Leben und Wirken +++


Die Melancholie machte Hirsch zu dem Künstler, der er war. Wie sind Sie im Alltag damit umgegangen?

"Ach, das war halt er. Er hatte immer solche Einfälle. Einmal waren wir in Bern, wir mussten von der Bahn zum Flughafen laufen, mit dem ganzen Gepäck. Da sagte er plötzlich zu mir: 'Karli, bitte lass mich sterben.'"

Was bedeutet Hirsch für die Austro-Musikszene?

"Alles. Er war der größte Liedermacher, der größte Liederanwalt des letzten Jahrhunderts. Ein ganz außergewöhnlicher Künstler!"

Seine beste Nummer?

"Da gibt's viele. 'Komm, großer schwarzer Vogel' ist sicher dabei. Auch 'I lieg am Ruckn'. Da ist er in seiner feuchten, kalten Wohnung, die ihn an ein Grab erinnert. Er denkt an seine Frau."

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