"Dankbar für die Chance, die ich bekommen habe"

Meliha Pestalic arbeitet jetzt in Wien als Krankenschwester. Credit: Sabine Hertel
Meliha Pestalic arbeitet jetzt in Wien als Krankenschwester. Credit: Sabine HertelBild: Sabine Hertel
Mit 16 Jahren flüchtet Meliha Pestalic (40) vor dem Bosnienkrieg nach Österreich – in "Heute" schildert Meliha, wie sie sich in Wien ein neues Leben aufbaute.
Eine Flugstunde von Österreich entfernt, begann Anfang der neunziger Jahre der Bosnienkrieg. Der Vielvölkerstaat Jugoslawien zerfiel, in Bosnien-Herzegowina wuchsen die Spannungen zwischen muslimischen Bosniaken, bosnischen Serben und bosnischen Kroaten. Mittendrin: Die damals 16 Jahre alte Meliha Pestalic.

"Wir sind damals in ständiger Angst vor den Bombardierungen in den Keller geflüchtet oder mussten auf der Straße übernachten. Als die Bomben neben unserem Wohnhaus einschlugen, packten wir unsere Sachen und flüchteten aus Bosanska Gradiska", erzählt Meliha, ihre Stimme wird dabei bedrückend leiser.

"Ein Gefühl der Freiheit"

Die Reise ging vorerst nach Kroatien, wohin Melihas Vater um sein Leben zu retten, Monate zuvor geflohen war. Schutz findet die Familie letztendlich in Österreich. "Als ich hier ankam, war es ein Gefühl der Freiheit. Es gab Strom, Licht, etwas zu essen und wir mussten nicht mehr frieren."

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Mit nichts in der Tasche strandet die Familie im Flüchtlingsheim Amstetten und ist dafür unendlich dankbar "Wir haben alles zurückgelassen aber wir waren in Sicherheit, dass alleine genügte uns." Nach nur einer Woche wird Meliha, ohne dass sie ein Wort Deutsch konnte, in der Haushaltsschule in Amstetten eingeschult.

"Lern Deutsch!"

Noch heute erinnert sie sich an die Worte der Direktorin bei der ersten Begegnung: "Lern Deutsch!". Die Mahnung nimmt sich Meliha zu Herzen: "Innerhalb von nur sechs Monaten konnte ich mich auf Deutsch unterhalten".

Als die Eltern kurz vor ihrem Schulabschluss einen Job in Wien als Raumpfleger finden und umziehen, bleib Meliha in Amstetten: "Meine Lehrerin nahm mich bei ihr auf, damit ich die Schule fertig machen kann, ich bin ihr bis heute sehr dankbar."

Erst 3 Monate später übersiedelt Meliha nach Wien, meldet sich in der Krankenpflegeschule an. Ihr Traum: In Wien als Krankenschwester zu arbeiten. Das Schulgeld bezahlt die junge Frau von ihrem Taschengeld.

1999 bekommt Meliha eine Stelle als Krankenschwester in Gersthof, ihr Glück findet sie mit einer Anstellung 2007 im Kaiser Franz Josefspital: "Hier wurde ich von Anfang an unterstützt und gefördert". Dem Land Österreich ist die heute dreifache Mutter dankbar: "Für die Chance, die man mir gegeben hat und die ich nutzen konnte."

Trotz all der schmerzhaften Erfahrungen, ist Meliha berührend positiv, sagt zum Abschluss: "Ich bin in meinem Leben immer wieder gefallen und wieder aufgestanden, egal was passiert, ich werde wieder aufstehen und meinen Weg weitergehen." (isa)

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