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"Das Weinerliche haben wir BossHoss überlassen"

Heute Redaktion
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Mit "Neon" (23.3.) schlägt Rea Garvey neue Töne an, im Interview kriegen BossHoss ihr nicht zu ernst gemeintes Fett und seine Tochter ein dickes Lob ab.

"Heute": Ich habe gehört, Sie bezeichnen "Neon" als Ihr bestes Album: Wahrheit - oder Zweckoptimismus?

Rea Garvey: Ich habe das glaube ich bei jedem Album gesagt. Bei Neon meine ich es ehrlich, da weiß ich, dass ich ganz oben angelangt bin. Es ist das größte Werk, das ich bis jetzt geschafft habe. Ich hätte echt abkacken und den leichten Weg nehmen können. Mich einfach zurücklehnen - aber ich wollte einen Meilenstein setzen. Nach meiner Weltreise kam ich zurück nach Berlin und habe mit Hip Hop angefangen. Das war ich bis jetzt nie. Ich habe auch nicht gedacht, dass ich mich da so wohl fühlen würde. Und es ist ja nicht so, dass ich jetzt mit Rap daher komme - ich habe vielmehr die Urban Beats genossen. Ich habe mir eine Freiheit geschaffen und plötzlich war es eine Achterbahnfahrt. Die Spannung war wieder da. War geil.

"Heute": Tun sich da Gedanken auf, was die Fans davon halten könnten?

Rea Garvey: Das soll nicht falsch interpretiert werden: Du darfst dir nie Gedanken über die Meinung anderer machen. Ich habe meine engsten Vertrauten, die meine Musik hören und mir ihre Meinung sagen. Ich liebe alles, was ich mache. Das sage ich nicht, weil ich so von mir überzeugt bin - aber ich würde es halt nicht präsentieren, wenn ich da nicht dahinter stehen würde. Ich habe witzigerweise und unbekannterweise mehr Nummer-1-Hits für andere geschrieben, ich selber hatte tatsächlich nie einen. Es ist ein sehr bescheidenes Gefühl, das zu wissen.

"Heute": Ihre Tochter hatte ja auch einen maßgeblichen Anteil am neuen Albumtitel …

Ich erwähne sie nie in Interviews, aber ich musste ihr den Credit dafür geben. Ich wollte das Album "Blacklight" nennen und hatte auch schon alle davon überzeugt. Damit meinte ich das Schwarzlicht, das erfunden wurde, um das zu sehen, was das Auge in der Nacht nicht sehen kann. Einfach, um eine andere Perspektive, einen anderen Blickwinkel zu schaffen. Genauso habe ich ihr das erklärt und sie antwortete dann so: „Ah, du meinst also so etwas wie 'Neon'" - ja, das ist natürlich ein besserer Titel. Dieser Prozess, die Perspektive zu wechseln, ist manchmal eine ganz klare Vision, wo es lang gehen sollte. Ich freue mich, dass sie mir diese Perspektive gegeben hat. Sie ist 12 jahre alt und so viel klüger als ich. Das sind übrigens die meisten Frauen in meinem leben.

"Heute": Sie haben ja Michael Schulte entdeckt, der dieses Jahr für Deutschland beim Eurovision Song Contest um viele Punkte trällert. Was sagen Sie dazu?

Rea Garvey: Ich habe mit "Schulti", so nennen wir ihn, eine lange Story. Das ist ein cooler Junge, der eine Wahnsinnsstimme hat. Sie polarisiert, Leute werden es lieben oder nicht. Er singt so seelenvoll - es ist zum Kotzen schön. Es ist auch seine Geschichte, die ist glaubwürdig und wahnsinnig wichtig.

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"Heute": Höre ich da einen ESC-Profi heraus?

Rea Garvey: Ich liebe die Show.

"Heute": Na dann, ist es für Sie eine Option, für Irland zu starten?

Rea Garvey: Wir haben das sieben Mal gewonnen. Wir haben nicht viele Meisterschaftstitel, aber alle, die wir haben, feiern wir. Was mir nicht gefällt ist das Wettbewerbselement. Das ist nicht wegen der Glaubwürdigkeit, ich habe einfach Schwierigkeiten, wenn es um den Wettbewerb geht in der Musik. Ich liebe den ESC als Zuschauer, als Musiker würde es mich kaputt machen.

"Heute": Wenn es schon nicht der ESC wird, so haben Sie sich für "Das Tauschkonzert" entschieden. Worauf dürfen wir uns ab 24.4. freuen?

Rea Garvey: Es ist eine sehr spannende Show, mit vielen Emotionen aller Art. Nicht so das Weinerliche, das haben wir Bosshoss (Gastgeber der 4. Staffel, Anm.) überlassen. Es ist mehr Liebe zur Musik und zur Lebensgeschichte. Den Alkoholkonsum haben wir nach auch reduziert, im Versuch, die Musik besser zu machen. (lacht)

(tim)